Odermatt im Pech: Olympia-Traum geplatzt
Sie blickte so zuversichtlich nach vorne. Tanja Odermatt sprach von «einem überwältigenden Gefühl» nach ihrem Comeback in ihrer Wahlheimat Bergamo, wo sie seit geraumer Zeit auch unter professionellen Bedingungen trainiert. Das ihr noch nicht alles wunschgemäss gelang, kam da nach der langen verletzungsbedingten Pause nicht überraschend. «Der Wettkampf machte mich süchtig nach mehr», sagte Odermatt. Das war Ende September.
Doch mittlerweile ist klar: Die Lombardia Trophy wird für die Tannerin überhaupt der einzige Wettkampf der Saison bleiben.
Der Rückschlag folgte nämlich bereits im nächsten Training. Die Schmerzen im rechten Fuss waren zurück. Und sie sind bis heute geblieben. Weder Tabletten noch eine Spritzentherapie brachten die erhoffte Besserung. Odermatts Alltag findet weiterhin vornehmlich in den Arztpraxen und mit Physiotherapie statt, aber nicht auf dem Eisfeld. Sprünge, Pirouetten oder ganz einfach schöne Kanten zu Laufen sind für sie nicht möglich.
Die Leidenszeit der Schweizer Meisterin von 2015 und zweifachen EM-Teilnehmerin dauert damit schon 13 Monate an. Seit einem folgenschweren Trainingssturz, der einen mehrfachen Bänderriss am rechten Fuss zur Folge hatte.
Mehr als nur Bänder gerissen
Weshalb sich die Rekonvaleszenz aber überhaupt so lange hinzieht, darüber rätseln sogar die Ärzte. «Es gibt noch immer viele Fragezeichen zu meiner Verletzung», sagt die Athletin des Dübendorfer Eislaufclubs. «Fakt ist einfach, dass beim Sturz wohl mehr kaputt ging als nur die Bänder», sagt Odermatt.
Erst vor wenigen Tagen gab die 20-Jährige deshalb für die Schweizer Meisterschaften von Mitte Dezember in Neuenburg schweren Herzens Forfait. Damit platzte auch gleichzeitig die letzte Hoffnung, sich noch für die Olympischen Spiele in Pyeongchang vom kommenden Februar zu qualifizieren. Den nötigen Quotenplatz hatte Anfang Oktober Alexia Paganini (Winterthurer SC) für die Schweiz gesichert.
Tanja Odermatt hatte sich davor gleich mehrfach einen neuen Zeithorizont gesetzt, mit der Aussicht, doch noch an den nationalen Titelkämpfen starten zu können. «Ich kenne meinen Körper und meinen Kopf», sagt Odermatt kämpferisch und rechnete sich trotz des grossen Trainingsrückstands insgeheim einen Podestplatz oder zumindest einen Rang in den Top-5 aus. Am Ende musste die Tannerin dennoch kapitulieren. «Ich schaffe es noch immer kaum in die Schlittschuhe. So macht es einfach keinen Sinn», sagt sie.
Odermatt fehlt damit zum zweiten Mal in Folge an den SM. Im Gegensatz zum Vorjahr will sie allerdings nicht als Zuschauerin zu den Schweizer Meisterschaften anreisen. «Das schaffe ich nicht. Ich muss mich anders ablenken», sagt die Oberländerin.
Eigenblut-Therapie soll helfen
Etwas Aufmunterung gibt ihr zumindest in der Zwischenzeit die Teilnahme an der Swiss Team Ice Show im Tessin. «Die Einladung hat mich gefreut», sagt sie. Und aufgeben will Odermatt sowieso noch lange nicht. Durch eine Eigenblut-Therapie im Januar möchte sie einen möglichen operativen Eingriff weiterhin umgehen. Diese soll die chronische Entzündung im Fuss verkürzen und heilen.
Die nötige Zeit will sich Odermatt dafür geben. «Es braucht Geduld», betont sie. Die Oberländerin sieht den Aufbau als eine ihrer letzten Chancen. «Ich möchte nochmals alles geben, um meinen Traum von Olympia wahr zu machen», sagt Odermatt. Statt Pyeongchang ist nun einfach Peking 2022 in ihrem Blickfeld.
