Eine Sperre als Glücksfall
Gabriel Landeskog ist ein Wiederholungstäter. Schon zweimal wurde der Schwede für einen Cross-Check gegen den Kopf eines Gegners nachträglich bestraft. Nach einem ähnlichen Vergehen wurde der Captain der Colorado Avalanche von der NHL jetzt für vier Spiele aus dem Verkehr gezogen.
Von der Sperre profitiert nun einer, der schwierige Tage hinter sich hat – Sven Andrighetto. Der Wermatswiler, zuletzt nur noch in der vierten Angriffsformation im Einsatz, rückte schon im ersten Training nach dem Bekanntwerden von Landeskogs Sperre wieder in die Toplinie der Avalanche vor.
Und er dürfte den Platz am linken Flügel neben Center Nathan MacKinnon und Mikko Rantanen auch in der Nacht auf Donnerstag einnehmen, wenn Colorado auf Winnipeg trifft.
Blitzstart und Abkühlung
Es ist Andrighettos Chance, zurück in die Erfolgsspur zu finden, Punkte zu produzieren und sich wieder zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Mannschaft zu machen. So wie er es Anfang Saison gewesen war.
Der 24-Jährige, dessen grösste Stärken seine Geschwindigkeit und Spielintelligenz sind, startete furios. Drei Tore und drei Assists gelangen ihm in den ersten sechs Partien. Andrighetto stürmte in der ersten Linie, wo er viel Eiszeit erhielt.
Doch der Flügel, der im Sommer mit einem Millionenvertrag ausgestattet wurde und nach der schlechtesten Saison der Klubgeschichte Teil des Wiederaufbaus sein soll, «kühlte» danach ab.
In den letzten zehn Spielen traf er nur noch einmal, seine Plus-/Minusbilanz verschlechterte sich dafür immer weiter, sodass er in dieser Statistik intern bis auf den letzten Platz abrutschte.
Zurück zum hungrigen Sven
Und plötzlich fehlte sein Name in der Aufstellung. Gegen Dallas verzichtete Coach Jared Bednar auf Andrighetto – zum ersten Mal überhaupt seit dessen Wechsel von den Montreal Canadiens zur Avalanche im Frühjahr 2017.
Nicht etwa wegen der unerfreulichen Plus-/Minusstatistik, wie Bednar später ausführte. Sondern, um ihm eine Denkpause zu verpassen.
Der Coach bemängelte Andrighettos Arbeit im Spiel ohne Puck und forderte: «Wir wollen ihn wieder so hungrig sehen wie zu Beginn der Saison.» Die Botschaft kam an. Andrighetto sei gut mit dieser Situation umgegangen, lobte Bednar, er habe danach auch in den Trainings hervorragend gearbeitet.
Den steinigen Weg gewählt
Erstaunlich ist das nicht. Andrighetto hat vielfach bewiesen, dass er aussergewöhnlich hartnäckig ist, sich von Umwegen und Hindernissen nicht aus dem Konzept bringen lässt. Statt einen lukrativen Vertrag bei einem NLA-Klub zu unterschreiben, wählte der talentierte Stürmer den beschwerlichen Weg über die kanadische Juniorenliga.
Im NHL-Draft wurde er zweimal übergangen, ehe ihn die Montreal Canadiens 2013 doch noch zogen. Schon ein Jahr später debütierte er für sie, schaffte es in drei Saisons aber nicht zur Stammkraft.
Spätestens jetzt hätte Andrighetto in die Schweiz zurückkehren können. «Das war gar nie ein Thema», sagte er. Der 24-Jährige ist glücklich, sich in Denver beweisen zu können. Rückschläge gehören dabei dazu. Und auch unerwartete Chancen.
