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Der Quereinsteiger aus dem Breitenfussball

Innert kurzer Frist von der 2. Liga bis in die Challenge League: Der Oberländer Dominik Schwizer hat bei Rapperswil-Jona einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Und schon bald folgt der nächste Schritt – zum FC Thun in die höchste Spielklasse.

Die nächste Hürde übersprungen: Rapperswils Dominik Schwizer lässt den Schaffhauser Helios Sessolo schlecht aussehen. (Archivbild Moritz Hager)

Der Quereinsteiger aus dem Breitenfussball

Es sind beachtliche Worte des Rapperswiler Sportdirektors Stefan Flühmann. «Vielleicht war er gar kein Talent.» Er meint damit Dominik Schwizer. Vor einigen Tagen wurde der Transfer des Oberländers vom FCRJ zum FC Thun bekannt. Der 21-Jährige unterschrieb beim Klub aus der Super League einen Kontrakt bis 2021. Er sagt: «Ich bin dankbar um die Chance und das Vertrauen.»

Schwizer hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. In seiner Jugend trug er nie das Trikot des FC Zürich. Und er spielte auch keine Rolle bei den Grasshoppers – dem eigentlichen Partnerverein der Rapperswiler. Er war also in keiner Phase gut genug für einen Grossklub. Und damit sind wir wieder bei Flühmann und seiner Antwort.

Egg, Hinwil, Zürich-Oberland

Schwizer kam als Elfjähriger über den FC Egg, den FC Hinwil sowie dem Team Zürich-Oberland zu Rapperswil-Jona – und durchlief fortan alle Stufen der Nachwuchsabteilung. Als seinen grösster Erfolg nennt er den Meistertitel im Breitenfussball, mit den A-Junioren im Juni 2014. Die Gegner am Finalturnier trugen somit keine klangvollen Namen.

Die talentierte Jugend der Schweizer Spitzenklubs bestreitet nämlich ihre eigene Meisterschaft. Sprich: Aus den Sphären des Breitenfussballs scheint es heute, in Zeiten, in denen die Begabtesten in nationalen Ausbildungszentren gefördert werden, kaum mehr möglich, noch ganz nach oben zu kommen.

Oder doch – wie der Fall von Schwizer aufzeigt. Weil der FCRJ in den letzten Jahren kontinuierlich seine Strukturen professionalisierte und der Oberländer davon profitieren konnte. Aber vor allem, weil der zunächst für die Rapperswiler Reserven in der 2. Liga angreifende Flügel seine sich ihm bietenden Chancen auch nutzte. Nach ersten Einsätzen im Frühling 2015 wurde er fix ins Kader der ersten Mannschaft aufgenommen.

Die besten Szenen von Dominik Schwizer in der Saison 2016/17 (Quelle: Youtube)

Schwizer unterschrieb nach abgeschlossener Ausbildung zum Koch seinen ersten Profi-Vertrag – und startete in der Promotion League sogleich durch. Schnell wurde er beim damals noch als Trainer beim FCRJ wirkenden Flühmann zur unverzichtbaren Stammkraft. «Dominik ist ein Vorbild für viele junge Spieler aus der Region, die nicht auf direktem Weg Profifussballer werden», findet er.

Torschütze und Vorbereiter

Sieben Tore und neun Assists gelangen Schwizer gleich in seiner Debütsaison, die mit dem erstmaligen Rapperswiler Aufstieg in die Challenge League gipfelte. Ein Auge auf ihn geworfen hatte da auch schon der FC Thun.

Schwizer selbst meisterte den Sprung von der 2. Liga bis in die Challenge League innert nur zwei Jahren scheinbar mühelos. «Man lernt schnell», sagt er unaufgeregt. Vor allem bestätigt der rasante Aufstieg auch Flühmanns These, dass für einen Spätzünder mit Willen und dem nötigen Glück der Durchbruch noch «absolut möglich ist».

Richtig konkret mit Thun wurde es für Schwizer aber erst im Verlaufe dieses Herbsts. Denn die Rapperswiler gefielen auch in der höheren Spielklasse. Nach 16 Runden ist der Neuling überraschend auf dem 4. Platz klassiert. Und Schwizer, dem bisher je zwei Tore und Assists gelangen, passt sowieso perfekt ins Beuteschema der im Vergleich zur Konkurrenz in der Super League mit eher bescheidenden Mitteln hantierenden Thunern.

Ein Klub mit viel Gespür

Schon oft hatten die Klubverantwortlichen ein gutes Händchen bei der Verpflichtung von wenig bekannten oder unterschätzten Fussballern. Der mittlerweile für die Young Boys spielende Christian Fassnacht, der über die Stationen Thalwil, Tuggen und Winterthur eine regelrechte Tellerwäscher-Karriere hinlegte, steht sinnbildlich dafür.

Luca Zuffi und Renato Steffen, zwei weitere Spieler mit Thuner Vergangenheit, sind mittlerweile sogar zu Schweizer Nationalspielern gereift. Das jüngste Beispiel ist nun Marvin Spielmann, der via Wil im Berner Oberland landete und ebenso sofort gefiel. Eine ähnliche Entwicklung könnte also auch Schwizer gelingen.

Soweit will FCRJ-Trainer Urs Meier natürlich nicht blicken. Er freut sich aber über den Karrieresprung seines Schützlings. Meier bezeichnet ihn als «Quereinsteiger aus dem Breitenfussball» und spricht deshalb sogar von einem «Märchen, das in Erfüllung ging».

Sowieso wird ihm Schwizer trotz des Vertrags ab Januar 2018 noch auf Leihbasis bis zum Ende der Meisterschaft erhalten bleiben. Es ist ein Entscheid, der zur Weitsicht beim FC Thun passt. Gerademal elf Partien hat der Oberländer in der zweithöchsten Spielklasse bestritten. Er hat also noch ein paar Monate Zeit, um sich für die Super League zu rüsten.

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