Problemzone Offensive
Wenn der Tabellenzweite auf den Dritten trifft, darf man getrost von einem Spitzenkampf sprechen. Auch wenn, wie im Fall des Erstliga-Duells zwischen dem EHC Wetzikon und Arosa vom Samstag, die beiden Mannschaften derzeit offensichtlich nicht in Bestform sind.
Der mit sieben Siegen in Serie gestartete Bündner Traditionsverein kassierte in den letzten fünf Spielen vier Niederlagen und wurde als Leader von Frauenfeld abgelöst. Beim 1:9 in Uzwil gingen die Richtung MSL schielenden Aroser gar komplett unter.
Eine solche Breitseite erhielten die Wetziker zwar nicht verpasst. Aber sie verloren in derselben Zeitspanne ebenfalls mehr als sie gewannen (2 Siege/3 Niederlagen), auch wenn Trainer Roger Keller mit der Gesamtentwicklung seiner Equipe durchaus zufrieden ist. Das jüngste Schwächeln hatte Folgen – der Vorsprung von Wetzikon (3.) auf den Siebten Uzwil beträgt nur vier Punkte.
Der nicht geplatzte Knoten
Die Auftritte des Oberländer Erstligisten ähneln sich dabei seit Saisonbeginn. Der EHC Wetzikon ist spielerisch häufig besser als der Gegner. Er erarbeitet sich regelmässig ein Chancenplus, lässt aber die nötige Effizienz in der Offensive vermissen.
Schon erstaunliche dreimal blieb der EHCW diese Saison gar gänzlich ohne Torerfolg. Dabei dachte man in den Reihen der Wetziker nach dem deutlichen 8:2-Sieg gegen Wil, der Knoten sei nun endgültig geplatzt.
«Doch das Gegenteil war der Fall», sagt Keller. Es folgten zwei Niederlagen in der Meisterschaft, in denen der EHCW nur zweimal traf.
Insgesamt 36 Treffer stehen nach zwölf Spielen auf seinem Konto – nur zwei der zehn Teams in der Ostgruppe schossen noch weniger Tore.
«So ist es natürlich schwierig, Spiele zu gewinnen», sagt Keller und schiebt das Offensichtliche nach: «Wir sündigen im Abschluss.»
Weniger Kunst, mehr Druck
Die Ursachen für die stockende Torproduktion kennt der Trainer. So vermisst er bei seiner Mannschaft, deren Offensivabteilung durch die Rückkehr von Brent Buchmüller und Gianni Brandi aus Dübendorf weiter an Breite gewann – den direkten Zug aufs Tor. Sie ist ihm zu verspielt, sucht zu häufig noch einen Pass mehr anstatt konsequent in den Abschluss zu gehen.
«Das sieht für die Zuschauer zwar schön aus. Am Schluss aber zählen die nackten Zahlen», sagt Keller. Welches Rezept setzt er ein, um die Gradlinigkeit zu erhöhen? «Ich achte im Training darauf und spreche das Thema immer wieder an. Die Spieler sollen lernen, dahin zu gehen, wo es weh tut. Jeder muss den Ehrgeiz entwickeln, selber Verantwortung zu übernehmen.»
Keller wünscht sich – wie wohl jeder andere Eishockey-Trainer – mehr sogenannt dreckige Tore. Tore also, die nicht herauskombiniert werden, sondern durch Präsenz im Slot fallen.
Am besten schon gegen Arosa. Auf drei Dinge müsse seine Mannschaft im Spitzenkampf besonders achten, sagt Keller. Er will, dass sie den Gameplan einhält und möglichst wenige Fehler macht. Und fordert wenig überraschend: «Wir müssen die Chancen verwerten.»
