Die Topsaison als Gradmesser
Reihenweise verabschieden sich im Moment Schweizer Topleichtathleten in wärmere Gefilde. Fabienne Schlumpf aber trotzt den bisweilen unwirtlichen Bedingungen hierzulande. Das hat mehrere Gründe.
Einerseits macht es der Wetzikerin überhaupt nichts aus, bei tiefen Temperaturen zu trainieren. Andererseits liebt sie die in den Wintermonaten stattfindenden Cross-Wettkämpfe, die als wichtige Grundlage des Mittel- und Langstreckenlaufs gelten.
«Crossrennen sind anspruchsvoll und brutal streng», sagt Schlumpf. «Das härtet für die lange Sommersaison ab.» Kommt hinzu: Die Rennen passen von der Distanz her ins aktuelle Trainingsprogramm der vielseitigen Läuferin, deren Hauptaugenmerk dem Steeple gilt.
Siege, Rekorde, Premieren
Ein erster früher Fixpunkt in Schlumpfs Planung sind die Cross-Europameisterschaften in Samorin. Um am 10. Dezember in der Slowakei starten zu können, muss die 27-Jährige am Sonntag im Qualifikationslauf in Tilburg (NED) eine gute Leistung zeigen.
Fabienne Schlumpf gewann das Rennen im niederländischen Tilburg vor einem Jahr. (Quelle: Youtube)
Im Vorjahr gewann Schlumpf das Rennen, wie so viele andere später auch. 13 Laufsiege sammelte sie im Verlauf ihrer besten Saison der Karriere, dazu stellte sie zahlreiche Schweizer Rekorde auf und feierte mit einem dritten Platz in Oslo ihre Podestpremiere an einem Diamond-League-Meeting.
An diesen Leistungen wird die Olympiafinalistin von Rio de Janeiro nun gemessen. Das ist sich Schlumpf bewusst. «Ein gewisser Druck ist vorhanden. Von mir selber, aber natürlich auch aus dem Umfeld.»
Helfen dürfte ihr im Umgang damit, dass sie mittlerweile viel Erfahrung an internationalen Grossanlässen aufweist. Und gut für die Oberländerin: Sie besitzt die nötige Gelassenheit, um mit den Erwartungen umgehen zu können.
«Ich stelle mich den Herausforderungen jedenfalls und verstecke mich nicht», sagt Schlumpf dazu laut lachend. «Und dass die Messlatte nun höher liegt, ist ja cool.»
Das schlechte Gefühl
Seit Mitte September ist die Läuferin zurück im Trainingsalltag. Nach einer aus ihrer Sicht «bitternötigen» Pause im Anschluss an die kräftezehrende Saison.
Zu Beginn des Wiedereinstiegs habe sie sich schrecklich gefühlt, sagt Schlumpf und zeichnet ein Bild, das so gar nicht zur grossgewachsenen, schlanken Athletin passt. «Ich bin mir vorgekommen wie ein Traktor.»
Längst ist diese Phase vorbei und aus dem «Traktor» ist wieder ein «Rennwagen» geworden. In einem zehntägigen Trainingslager gab sich die 27-jährige Athletin den letzten Schliff für die Cross-EM – dass sie sich dafür qualifiziert, ist Formsache. Schlumpf will an der EM zumindest im selben Rahmen abschliessen wie 2016, als sie Achte wurde.
Halbmarathon-WM im Visier
Nach den Titelkämpfen erwägt Schlumpf einen Start am Städtelauf in Genf, legt dann eine kurze Pause ein, um in der Folge den Aufbau für den Frühling/Sommer in Angriff zu nehmen.
Dieser erfolgt in ähnlichem Rahmen wie in der Vergangenheit. Das heisst, Schlumpf wird wie heuer erstmals überhaupt erneut mehrfach auf Höhentrainings setzen. «Das Fazit war positiv», begründet sie. Nach der letzten Saison haben sie und ihr Trainer Michael Rüegg aber sowieso keinen Anlass, Grundlegendes zu ändern.
Schlumpfs Grobplanung steht. Darin enthalten ist auch die Idee, im März 2018 an der Halbmarathon-WM in Valencia zu starten. «Das ist aber noch offen.»
Klar deklariert ist hingegen der Höhepunkt der Saison – die EM in Berlin im August. Schlumpfs längst kommuniziertes Ziel da: in ihrer Paradedisziplin über 3000 m Steeple eine Medaille zu gewinnen.
