Die taumelnde Wundertüte und das Murmeltier
Gewinner Fällanden, Verlierer Winikon
Es ist ein wenig wie Äpfel mit Birnen vergleichen, da sich die Zusammensetzung der Drittliga-Gruppen gegenüber dem Vorjahr verändert hat. Und doch ist eine gewisse Aussagekraft vorhanden, wenn man das Abschneiden der einzelnen regionalen Teams in der Vorrunde ihren Resultaten in der ersten Hälfte der Saison 2016/17 gegenüberstellt.
Den grössten Punktezuwachs verzeichnet der FC Fällanden. Das Team von Spielertrainer Nelson Vaz – dank Verstärkungen in der Abwehr und auf den Flügeln deutlich stabiler geworden – sammelte in den ersten elf Partien 20 Punkte. Das sind flotte neun mehr als in der Vorsaison.
Was erstaunt: Nur zwei weitere Klubs können sich über ein Plus freuen. Da ist einerseits der FC Brüttisellen-Dietlikon (+7), der in der Gruppe 3 mit zehn Siegen in elf Spielen Richtung 2. Liga eingespurt hat. Daneben zählt auch Effretikon (+6) zu den Gewinnern. Ein Trio (Pfäffikon, Dübendorf 2, Wetzikon 2) weist zumindest dieselbe Punktzahl wie im Herbst 2016 auf.
Der grösste Verlierer heisst Rot Weiss Winikon. Die einmal mehr neu zusammengewürfelte und technisch durchaus versierte Mannschaft aus Uster – im Vorfeld von vielen Gegnern als Wundertüte bezeichnet – hat nicht einmal mehr einen Drittel seiner letzten Ausbeute (5 statt 17 Punkte) erzielt.
Die Winiker überwintern auf einem Abstiegsplatz. Immerhin: Es fehlt nur an Punkten und nicht an markigen Worten. «Diese Mannschaft hat die Ambition, die Vereinsgeschichte mitzuprägen», steht auf der Website. «Wer hier spielt, kotzt sich aus – kämpft, rackert und will im Sinne der Sache vorwärts kommen.»
Der Krisenmanager braucht Siege
«Das schaffen wir schon», sagt Giuseppe Fusco. Er meint damit den Ligaerhalt mit Glattal Dübendorf. Der 54-Jährige amtet dort seit einigen Wochen als Trainer.
Nur: Sein Vorhaben ist eine eigentliche Herkulesaufgabe. Zehn Punkte wurden dem Drittliga-Neuling vom Verband nach den tumultartigen Szenen gegen den SC Barcelona von Anfang September, die einen Spielabbruch zur Folge hatte, abgezogen. Bei Saisonhalbzeit hat Glattal deshalb minus einen Punkt auf der Habenseite. Der Rückstand auf den rettenden 10. Platz (Weisslingen) beträgt zehn Zähler. «Wir brauchen wohl neun Siege», sagt Fusco unaufgeregt. Doch weshalb tut er sich das überhaupt an? «Der Präsident bat mich um Hilfe», antwortet er.
Fusco ist ein Mann mit vielen Anlagen. Bei YF Juventus war er Trainer der verschiedensten Teams. Noch heute fungiert er dort bei den Promotion-League-Heimspielen als Speaker. Und als Klubchef Piero Bauert im letzten Winter zusätzlich den FC United Zürich als zweiten Verein übernahm, wurde Fusco vom Ebmatinger gleich zum Coach der in der 3. Liga spielenden zweiten Mannschaft bestimmt. Er ist also so quasi ein geübter Krisenmanager. Für die Rückrunde will Fusco nun das Team von Glattal gezielt verstärken. Er sagt: «Das Potenzial ist da – es ist alles nur Kopfsache.»
Breite Schultern anstelle des Ketchup-Effekts
38 Treffer hat der FC Brüttisellen bisher erzielt – kein anderes Team aus der Region traf öfter. Brüttisellen verteilte die Offensivaufgaben nicht nur auf viele Schultern, das Team von Robert Merlo konnte auch in jedem seiner Pflichtspiele zumindest einmal jubeln.
Eher an die Bezeichnung «Ketchup-Effekt» denkt man dafür im Zusammenhang mit der Offensive von Glattal Dübendorf. Die Glattaler können mit dem 9:1 gegen Herrliberg 2 zwar den höchsten Sieg der Vorrunde für sich reklamieren. Insgesamt aber stehen nur 22 Treffer auf dem Konto. Fast die Hälfte ihrer Produktion stammt also aus nur einer Partie.
Das Schlusslicht der Gruppe 3 aber war trotzdem beinahe doppelt so häufig erfolgreich wie der FC Weisslingen. Die Weisslinger tun sich mit dem Toreschiessen wie schon im letzten Jahr schwer. Auf der Habenseite stehen nur 12 Treffer – wobei Weisslingen gegen Zürich-Affoltern noch von einem Eigentor profitierte.
FCE-Trainer Halimi und das Murmeltier
Es war wohl so etwas wie eine Drohung an die Spieler. Ab Anfang Oktober stand Effretikons Coach Flakon Halimi regelmässig auf dem Matchblatt. «Es kam ein paar Mal der Gedanken auf, es selbst auf dem Platz in die Hand zu nehmen», sagt er und lacht. Letztlich wechselte sich der 35-Jährige aber doch nicht ein und wurde so nicht zum zweiten Drittliga-Spielertrainer in der Region nebst Fällandens Nelson Vaz.
Halimi bezeichnet die Vorrunde als Achterbahn-Fahrt. Denn vor allem gegen schwächer eingeschätzte Teams zeigte der FCE schwankende Leistungen. Der Trainer fühlte sich dabei im Verlaufe der Vorrunde mehrfach an die US-Komödie «Und täglich grüsst das Murmeltier» erinnert, als der Hauptdarsteller in einer Zeitschleife festsitzt und immer wieder ein Déjà-vu erlebt, bis er geläutert sein Leben fortsetzen kann. Vermutlich wird Halimi auch in der Zukunft einige Zusatzrunden absolvieren müssen. Er sagt: «Die Jungs sind noch grün hinter den Ohren.»
