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Von grossen Namen umgeben

Besser könnte das Umfeld kaum sein, in dem Natalie Maag trainiert. Die 20 Jahre alt werdende Wernetshauserin, die versucht, sich im Weltcup zu etablieren, ist dem deutschen A-Kader mit seinen Spitzenrodlerinnen angehängt.

Volle Konzentration: Natalie Maag beim Start. (Bild: Swiss-Sliding)

Von grossen Namen umgeben

«Sie ist der Hammer.» Natalie Maags Begeisterung für die Olympiabahn in Pyeongchang ist nicht zu überhören. Für die Wernetshauserin war es Liebe auf den ersten Lauf. Im Rahmen des Weltcups in Südkorea lernte sie letzte Saison den Eiskanal im Alpensia Sliding Centre kennen – und er lag ihr sofort.

Nun ist die ambitionierte Rodlerin vor einigen Tagen für knapp zwei Wochen nach Pyeongchang zurückgekehrt, um zu trainieren und ihr Material zu testen. «Ich bin sehr gespannt darauf», sagt sie im Vorfeld.

 

Liebend gerne würde Maag auch im Februar wieder nach Südkorea reisen – an die Olympischen Spiele. Wie ihre Chancen dafür stehen? Das kann die Oberländerin selber nicht einschätzen. Zu viele Fragen sind offen. Die Kriterien hingegen sind klar: Maag muss im Weltcup zweimal die Top 18 erreichen.  

Die Zeiten fehlten

Letzte Saison gelang ihr dies nicht. Platz 21 im lettischen Sigulda war ihre beste Klassierung, daneben qualifizierte sie sich nur noch einmal via Nationencup für ein Weltcuprennen – in Winterberg. Zweimal blieb sie im Nationencup auf der Strecke und konnte sich keinen der jeweils zwölf zu vergebenden Weltcupplätze sichern.

«Die Bilanz fällt durchzogen aus», sagt die Rodlerin mit einem Blick auf die Saison 2016/17. Die Startzeiten waren jeweils gut, das Fahrgefühl oftmals auch. «Doch die Zeiten fehlten.»

 

«Ich stehe erst am Anfang meiner Elite-Karriere.»

 

Für Maag war es ein Zwischenjahr. Neben ihren vier Einsätzen auf höchster Ebene startete die Oberländerin letztmals zusätzlich auch bei den Junioren. Ganz allgemein geht man davon aus, dass es rund vier Jahre braucht, um sich im Weltcup zu etablieren. Die Spitzenathletinnen sind im Schnitt 30 Jahre alt. Und in den Top Ten des Gesamtweltcups war zuletzt nur eine Athletin jünger als 24.

Die Ende November erst 20 Jahre alt werdende Maag ist also noch längst nicht unter Zeitdruck. «Ich stehe erst am Anfang meiner Elite-Karriere.»

Das Umfeld als grösster Pluspunkt

Die Voraussetzungen scheinen gut, dass sie weitere Entwicklungsschritte machen kann. Maag hat mittlerweile ihre KV-Lehre abgeschlossen und arbeitet im Winter auf Stundenlohnbasis. Das gibt ihr die nötige Flexibilität.

Nach einer Operation an beiden Füssen ist sie nun wieder beschwerdefrei, nachdem sie in der letzten Saison in den engen Rennrodelschuhen jeweils von starken Schmerzen geplagt worden war.

 

 

Maags grösster Pluspunkt dürfte aber ihr Umfeld sein. Die Wernetshauserin ist neu dem deutschen A-Kader angegliedert – sie begann die Vorbereitung im B-Kader, wurde aber nach zwei Wochen «befördert» – weshalb sie optimale Trainingsmöglichkeiten geniesst.

Nicht nur, was die professionellen Bedingungen angeht. Maag ist umgeben von grossen Namen des Rodelsports.

Beispielsweise Tatjana Hüfner, der  fünffachen Weltmeisterin und dreifachen Olympia-Medaillengewinnerin im Einsitzer und Natalie Geisenberger, die ebenfalls Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin ist. Maag schwärmt vom guten Verhältnis zu den Top-Athletinnen und sagt: «Ich bin so froh, dass ich von ihnen viel lernen kann.»

Tagebuch der besonderen Art

Der tägliche Direktvergleich mit Weltklasseathletinnen macht es bisweilen aber nicht ganz einfach, die eigene Leistung einzuschätzen. Kommt hinzu: Maag ist in Sachen Material gegenüber den deutschen Fahrerinnen klar im Nachteil.

Das sei für sie zum Teil frustrierend, gibt Maag zu, die versucht, diesen Fakt auszublenden. Die Oberländerin fährt weiterhin den Schlitten, mit dem Stefan Höhener die Olympischen Spiele 2010 bestritt. Gegenüber dem letzten Jahr hat sie nur kleinere Anpassungen daran vorgenommen. «Alle anderen kamen mit neuen Schlitten und neuem Material zu den ersten Fahrten.»

Nach jedem Trainingstag in der Bahn führt Maag ihr Tagebuch nach. Sie notiert sich das Fahrgefühl und ihre Einschätzung über den Schlitten und Kufen. 65 Fahrten hat sie bisher absolviert, letzte Saison waren es insgesamt deren 212.

Die Schlüsselstelle im Griff

Ab Mitte November gilt es für Maag dann ernst. Neun Weltcup-Rennen stehen auf dem Programm. Sie hat aber nur sieben Chancen, die Olympia-Vorgabe  zu erfüllen, da die Rennen in Lillehammer (NOR) und in Sigulda (LAT) nach Ende der Selektionsperiode stattfinden.

Der Gedanke an Olympia 2018 soll aber sowieso nicht im Zentrum stehen, da Maags Planung langfristig und auf die Olympischen Spiele 2022 in Peking ausgerichtet ist. Maags Ziel für diesen Winter: Sie will es möglichst häufig schaffen, sich für die Weltcuprennen zu qualifizieren.

 

«Alle anderen kamen mit neuen Schlitten.»

 

Dafür braucht es neben Feingefühl und Mut auch die richtige Abstimmung des Materials. Maag hofft, in diesem Bereich in Südkorea wichtige Erkenntnisse gewinnen zu können.

Pyeongchang scheint ein idealer Ort zu sein, führt man sich ihre Begeisterung für die Bahn vor Augen. Die Schlüsselstelle (Kurve 9) hat sie immer gut getroffen. So gut, dass man den deutschen Weltklasse-Rodlerinnen die Ideallinie anhand einer aufgezeichneten Fahrt von Maag zeigte.

 

 

 

 

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