Gossauer Fussballerin gestärkt aus den USA zurück
Wer an Schweizer Fussballerinnen im Ausland denkt, nennt als erstes wohl Chelseas Angreiferin Ramona Bachmann oder vielleicht Lara Dickenmann, den Captain des Nationalteams. Die 124-fache Internationale ist beim deutschen Double-Gewinner VfL Wolfsburg unter Vertrag. Bachmann wie Dickenmann sind weit gereist – beide spielten sogar einst in den USA. Und damit sind wir bei Barbara Brülhart.
Die Gossauerin zog es bereits als 19-Jährige – und bei GC noch wenig etablierte NLA-Spielerin – ebenso in die USA, um sich den Traum vom Fussball im Ausland zu verwirklichen.
«Eine Abkürzung genommen»
«Ich habe halt eine Abkürzung genommen», sagt Brülhart und lacht. Fast vier Jahre verbrachte sie in Übersee und spielte in dieser Zeitspanne für die Teams des Lindsey Wilson College in Kentucky und der McNeese State University in Louisiana. Dabei lernte sie den strukturierten Tagesablauf zwischen Schule und Sport zu schätzen. «Erstmals war ich weit weg von meiner Familie auf mich alleine gestellt. Ich bin froh um diese Erfahrungen», sagt Brülhart.
Seit Mai ist die Oberländerin nun zurück und hat sich wieder den Grasshoppers angeschlossen. «Die Zeit in den USA hat Bettina gut getan. Sie hat im physischen Bereich zugelegt», lobt Evelyn Zimmermann, welche Brülhart seit vielen Jahren als Mitspielerin und Trainerin kennt. «Ihr Ziel muss es sein, zu einer Führungsspielerin heranzuwachsen.» Zimmermanns Appell: «Sie darf ruhig noch frecher auf dem Platz werden und die 1:1-Duelle suchen.»
Wenn gute Dinge passieren
Brülhart hat sich bei GC schnell wieder eingelebt und kommt zumeist im seitlichen Mittelfeld zum Einsatz. Der Start in die Meisterschaft ist geglückt. Erstmals nach vielen kargen Jahren sind die Zürcherinnen wieder im Spitzenfeld der NLA klassiert – und auch Brülhart konnte sich schon unter die Torschützinnen einreihen. «Das Potenzial im Team war schon immer da», betont die Gossauerin und ergänzt: «Wenn sich Spielfreude und Laufbereitschaft verbinden, passieren auch gute Dinge.»
Am Samstag kommt es nun im Heerenschürli zu einer Reifeprüfung gegen den FCZ. Im Vergleich mit dem erfolgsverwöhnten Kantonsrivalen waren die Grasshoppers in der Vergangenheit fast immer chancenlos. Der letzte Sieg im Direktduell liegt über sechseinhalb Jahre zurück. «GC hat auch schon gut ausgesehen», sagt sie und verweist auf das 1:1-Remis in der letzten Vorrunde. Nur: Im zweiten Saisonvergleich setzte es ein 2:10-Debakel ab.
Dieses Mal scheinen die Vorzeichen zumindest etwas besser. Der neuformierte Serienmeister FC Zürich tat sich bisher eher schwer und bestritt noch am Mittwochabend im Letzigrund das 1/16-Finals-Rückspiel der Champions League gegen den litauischen Vertreter Gintra Universitetas. Die Partien vor mehreren 1000 Zuschauern im Stadion sind so quasi die Feiertage des Schweizer Frauenfussballs. Auch Brülhart verfolgte das Spiel mit ihren Teamkolleginnen von der Tribüne aus.
Den Rhythmus finden
Für die frühere U19- und U20-Nationalspielerin sind mögliche Auftritte in der Königsklasse oder gar der Sprung in den Kreis des Schweizer Nationalteams allerdings (noch) weit weg. Da ist Brülhart viel zu sehr Realistin. «Für mich geht es zunächst darum, in den Rhythmus zu kommen und eine Saison durchzuspielen», sagt sie. Sowieso will die 23-Jährige nicht zu sehr in die Zukunft schauen. Sie freut sich ganz einfach auf ihr erstes Derby nach langer Zeit. «Ich bin gespannt wie gut wir mithalten können», sagt Brülhart.
