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Gmelin setzt ihren Plan perfekt um

Skifferin Jeannine Gmelin gewinnt in Sarasota (USA) dank ihrer perfekten Strategie WM-Gold. Die 27-jährige Ustermerin schreibt damit Schweizer Sportgeschichte.

Jeannine Gmelin wurde in Sarasota Weltmeisterin im schweren Einer. (Bild: Keystone)

Gmelin setzt ihren Plan perfekt um

Da stand sie nun, zwischen den beiden deutlich grösser gewachsenen Konkurrentinnen, die die Plätze zwei und drei belegten, in ihren pinken Socken und kniff immer wieder kurz das rechte Auge zu. Für einen Augenblick schloss die Ustermerin Jeannine Gmelin gar beide Augen, so dass man hätte annehmen können, sie sei von ihren Emotionen übermannt worden – dabei war es nur die Sonne, die sie blendete.  

Die Skifferin hätte allerdings allen Grund gehabt, feuchte Augen zu bekommen. Kurz zuvor hatte sich Gmelin an der WM in Sarasota im US-Bundesstaat Florida für ihre vielen schweisstreibenden Trainings und ihre jahrelange harte Arbeit den bestmöglichen Lohn abgeholt.

Mit einem eindrücklichen Auftritt im Final liess die Favoritin ihrer Konkurrenz im schweren Einer keine Chance. Mit fast zwei Sekunden Vorsprung gewann Gmelin Gold – und hatte danach bei der Medaillenzeremonie noch genügend Energie für einige Freudensprünge.

«Der Titel ist unglaublich wichtig»

Mit ihrem Triumph schrieb die Ustermerin Schweizer Sportgeschichte. Gmelin ist die erste Schweizer Ruderin in einer olympischen Disziplin, die Weltmeisterin wurde. Verbandsdirektor Christian Stofer zeigte sich von der Leistung der 27-Jährigen beeindruckt. Und er sagte: «Dieser Titel ist für uns unglaublich viel Wert, auch von der Symbolik her.»

Ein Stück Sporthistorie zu schreiben, sei zwar schön, aber zweitrangig, fand Gmelin. An ihren Beweggründen ändere sich deswegen nichts. «Ich mache sehr gerne, was ich derzeit mache.»

Rudern also – und das überaus erfolgreich, wie sie im gestrigen Final zeigte. Nach rund 900 m übernahm die auf Bahn sechs rudernde Zeitsoldatin wie geplant die Führung. Da sie nicht zu den endschnellsten Ruderinnen zählt, wollte sie sich ein Polster für die Schlussphase erarbeiten. Und Gmelin schuf tatsächlich zügig rund eine Bootslänge Distanz (8,2 m) zwischen sich und der ersten Verfolgerin, die bald einmal Victoria Thornley hiess.

Rund 300 m vor dem Ziel forcierte die britische Europameisterin. Doch Gmelin, die frisch und locker wirkte, wehrte die Attacke souverän ab. Thornley blieb nur der zweite Platz, die Bronzemedaille sicherte sich derweil die Österreicherin Magdalena Lobnig.

«Natürlich ist es fantastisch, was in den letzten Minuten passierte», sagte Gmelin kurz nach dem Rennen, in dem sie vorher «einen Kampf um jeden Zentimeter» erwartet hatte. «Es braucht aber wohl einige Tage oder vielleicht gar Wochen, bis ich realisiere, was ich erreicht habe.»

Knackpunkt EM-Medaille

Gmelins steiler Aufstieg begann erst vor wenigen Jahren. 2015 gewann sie an der EM in Polen überraschend die Silbermedaille, im selben Jahr belegte sie an der WM den fünften Platz. Der Gewinn der EM-Medaille habe ihre das nötige Vertrauen gegeben, sagte sie später. «Es ist das erste Mal gewesen, dass ich so richtig daran glaubte, vorwärts zu kommen.»

Und wie sie vorwärts kam: 2016 stand die willensstarke Athletin erstmals im Weltcup auf dem Podest, in Rio holte sie dank Platz fünf ein Olympisches Diplom. 2017 schliesslich war die Skifferin eine Klasse für sich. Mit dominanten Auftritten feierte Gmelin zwei Weltcup-Siege und blieb in allen Läufen unbezwungen. Die 27-Jährige liess sich auch von einer Rippenverletzung Mitte Jahr nicht aufhalten, die sie die EM-Teilnahme kostete.

Grossen Anteil an Gmelins Aufschwung trägt auch Robin Dowell, der seit Februar Cheftrainer des Schweizerischen Ruderverbands ist. Die Zusammenarbeit mit ihm sei ein voller Erfolg, so Gmelin. Sie schätzt es ungemein, dass dem Briten «der Mensch hinter dem Athleten wichtig ist», wie sie Anfang Saison sagte.

«Wir feiern den Rudersport»

Vorerst stehen für die Weltmeisterin erst einmal Ferien an. In Kanada möchte sich Gmelin von den Strapazen erholen. Im Oktober kehrt sie dann aufs Wasser zurück. In Boston nimmt sie zum zweiten Mal an der Head-of-the-Charles-Regatta teil.

Gmelin wird zusammen mit anderen Weltklasse-Skifferinnen in einem Achter sitzen. Sie freut sich auf die traditionelle Regatta und sagt: «Wir feiern den Rudersport.» Gmelins nächste Feier taucht also schon am Horizont auf.

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