Da stand sie nun, zwischen den beiden deutlich grösser gewachsenen Konkurrentinnen, die die Plätze zwei und drei belegten, in ihren pinken Socken und kniff immer wieder kurz das rechte Auge zu. Für einen Augenblick schloss die Ustermerin Jeannine Gmelin gar beide Augen, so dass man hätte annehmen können, sie sei von ihren Emotionen übermannt worden – dabei war es nur die Sonne, die sie blendete.
Die Skifferin hätte allerdings allen Grund gehabt, feuchte Augen zu bekommen. Kurz zuvor hatte sich Gmelin an der WM in Sarasota im US-Bundesstaat Florida für ihre vielen schweisstreibenden Trainings und ihre jahrelange harte Arbeit den bestmöglichen Lohn abgeholt.
Mit einem eindrücklichen Auftritt im Final liess die Favoritin ihrer Konkurrenz im schweren Einer keine Chance. Mit fast zwei Sekunden Vorsprung gewann Gmelin Gold – und hatte danach bei der Medaillenzeremonie noch genügend Energie für einige Freudensprünge.
«Der Titel ist unglaublich wichtig»
Mit ihrem Triumph schrieb die Ustermerin Schweizer Sportgeschichte. Gmelin ist die erste Schweizer Ruderin in einer olympischen Disziplin, die Weltmeisterin wurde. Verbandsdirektor Christian Stofer zeigte sich von der Leistung der 27-Jährigen beeindruckt. Und er sagte: «Dieser Titel ist für uns unglaublich viel Wert, auch von der Symbolik her.»

