EHCD will übermächtigen Gegner ärgern
Kloten, Davos, B-Ligist Visp, die ZSC Lions und am Mittwoch wieder Davos. Der EHC Dübendorf ist wohl dasjenige Amateurteam, dem im 2014 wiederbelebten Schweizer Cup bisher fast alle Loswünsche erfüllt wurden.
Der Cup und der EHCD – das ist ganz allgemein gesehen eine Kombination, die passt. Nicht nur, weil die Duelle zwischen den in der dritthöchsten Schweizer Liga (MSL) spielenden Glattalern und den Profiteams in den vergangenen Jahren für volle Tribünen im Chreis sorgten und einige unvergessliche Momente hervorbrachten.
So beispielsweise vor zwei Jahren. Da gelang dem EHC Dübendorf auch die erste Sensation im Cup, indem er den Schweizer Rekordmeister Davos aus dem Wettbewerb kippte. Verteidiger Damian Reichart sorgte mit seinem Siegtor zum 5:4 in der Verlängerung für Jubelstürme.
In der Wiederauflage dieses Duells ist der Held von damals allerdings nicht mehr dabei – er ist zurückgetreten. Auch sonst hat sich das Team verändert. Nur knapp die Hälfte der Spieler in der aktuellen Mannschaft war in jener «magischen Nacht» schon dabei.
«Ein Sieg wäre surreal»
Der Trainer heisst hingegen noch immer Andrea Cahenzli. Und der 53-Jährige, der als Spieler einst selber zwei Saisons beim HC Davos unter Vertrag gestanden hatte, denkt gerne an diesen speziellen Abend zurück. Dennoch schätzt er die Chancen, den HCD nochmals zu düpieren, als sehr gering ein.
«Wir sind einmal auf der glücklichen Seite gewesen. Eine Wiederholung wird sehr schwierig. Kommen sie in der ‹Vollpackung›, wäre ein Sieg von uns surreal.»
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In der Regel ist der Niveauunterschied zwischen NLA-Teams und Amateurmannschaften schlicht zu gross – beispielsweise im Spieltempo, der Härte, Passqualität und Präzision. So trägt Cahenzli denn auch das Szenario einer Kanterniederlage im Hinterkopf.
«Sind sie voll motiviert und erwischen uns auf dem linken Fuss, kann es sehr viele Tore geben.» Für den EHCD ist gegenüber einer Meisterschaftspartie eine andere Herangehensweise nötig. Die Dübendorfer werden nicht wie üblicherweise mit dem Plan antreten, das Spiel dominieren zu wollen. Sie werden dafür versuchen, sich gut zu formieren, diszipliniert aufzutreten und das Tempo der Davoser zu brechen. «Was für uns dann offensiv möglich ist, wird sich zeigen.»
Keine falschen Signale setzen
Die Freude im Klub über eine weitere Möglichkeit, sich mit einem prominenten Gegner zu messen, ist gross. Der Reiz dieser Duelle ist aus Sicht von Cahenzli auch im Verlauf der Zeit nicht kleiner geworden. Speziell auf den Coup von vor zwei Jahren eingehen wird der Trainer in der Vorbereitung nicht. Er zeigt bewusst auch keine Bilder aus jener Begegnung.
«Sind sie voll motiviert und erwischen uns auf dem linken Fuss, kann es sehr viele Tore geben.»
EHCD-Trainer Andrea Cahenzli
«Das würde den Spielern nur den Kopf verdrehen, in Sachen Erwartungshaltung ein falsches Signal setzen», ist er überzeugt.
Die Mannschaft soll möglichst unbeschwert an die Aufgabe heran gehen können. Dazu gehört auch, dass Cahenzli in der Kabine nicht detailliert auf den HC Davos eingehen wird. Der Trubel um dieses Cupspiel sei im Vorfeld schon gross genug, sagt er.
«Dann muss nicht auch noch der Trainer kommen und viel über den Gegner ‹schnorre›».
Cup ist nicht das Lieblingskind
Für die Davoser werden Cupauftritte im Raum Zürcher Oberland derweil zur Gewohnheit. Neben ihrem peinlichen Auftritt in Dübendorf 2015 spielten sie letzten Herbst im Sechzehntelfinal beim Erstligisten EHC Wetzikon und erfüllten da die Pflicht mit einem 5:2-Sieg.
Doch der Cup ist bekannterweise nicht ihr liebstes Kind. In der Hierarchie kommt der Wettbewerb hinter Meisterschaft, Champions Hockey League und Spengler Cup nur an vierter und letzter Stelle.
Beim ersten Gastspiel im Chreis hatte Trainer Arno Del Curto auf ein halbes Dutzend Stammkräfte verzichtet und fünf Elite-Junioren eingesetzt. Auch, weil die Mannschaft damals im Umbruch war und Del Curto den Cup nutzte, um junge Spieler zu testen. Der Umbau ist mittlerweile abgeschlossen.
Blamage nach dem 10:1
Erst der Blick auf die gegnerische Aufstellung liess die Dübendorfer 2015 wirklich daran glauben, die Überraschung schaffen zu können. Wie gut sie bei der Wiederauflage mithalten können, hängt deshalb auch davon ab, wie ernst die Bündner ihre Aufgabe diesmal nehmen und wie viel Stammpersonal sie einsetzen. Kommt ihre Angriffsmaschinerie aber einmal in Schwung, dürfte es für den Unterklassigen sehr schwierig werden.
Am Samstag erzielte der HCD gegen Lausanne im Schlussdrittel innerhalb von knapp acht Minuten vier Tore und hätte nach einem 0:5-Rückstand beinahe die Wende geschafft. Davos hat sich heuer aber auch schon blamiert. In der Champions Hockey League kanterte der Traditionsklub die Cardiff Devils zuhause 10:1 nieder. Das Rückspiel hingegen verlor er nach einer schwachen Leistung zu recht.
Man darf aber davon ausgehen, dass die Davoser keine Lust haben auf eine neuerliche Bauchlandung im Chreis. Stürmer Chris Egli, der vor zwei Jahren schon dabei war, sagte in der «Davoser Zeitung», es gebe keinen Grund, Dübendorf zu unterschätzen. «Obwohl es die Meisterschaft nur in der dritthöchsten Spielklasse bestreitet.» Und mit einem Blick zurück: «Eine solche Blamage darf es nicht noch einmal geben.»
