Die Lakers wollen aufsteigen
Aller guten Dinge sind drei. Die Rapperswil-Jona Lakers hoffen, dass sich die Redewendung für sie erfüllt. Nach zwei Saisons des Wiederaufbaus, der Reorganisation sehen sich die St. Galler bereit für die Rückkehr in die höchste Liga.
Mehr noch: Sie sehen die Rückkehr in die National League als Pflicht an, die schnellstmöglich erfüllt werden muss. Denn, dies wurde den Verantwortlichen nach einer Situationsanalyse im vergangenen Winter klar, in der Zweitklassigkeit hat die Organisation in ihrer jetzigen Form, mit den aktuellen Aufwänden, keine Zukunft. Daran ändert auch der Namenwechsel (zu Swiss League) nichts.
Mehr Qualität, mehr Charakter
Als Konsequenz wurde das Budget der Lakers Sport AG auf diese Saison hin um eine Million Franken erhöht. Knapp die Hälfte davon kommt der ersten Mannschaft zugute, die also rund 2,5 bis 3 Millionen kosten dürfte.
Das Kader hat sich im Vergleich zum Vorjahr merklich verändert, die Schlüsselspieler blieben jedoch erhalten. «Wir haben mehr Qualität im Kader, und auch mehr Charakter», sagt Sportkoordinator Roger Maier.
Erwähnenswert ist diesbezüglich der Zuzug von Sven Lindemann. Der 39-jähriger Stürmer ist einer von nur neun Spielern, die mehr als 1000 Partien in der höchsten Schweizer Liga auweisen. Zudem weiss der Bündner wie man aufsteigt, gelang ihm dies doch mit den SCL Tigers im Frühjahr 2015 – gegen die Lakers.
Vor allem aufgrund seiner imposanten Postur hervor sticht Josh Primeau. Der hünenhafte (194 cm/94 kg) kanadische Stürmer mit Schweizer Lizenz wurde dem SC Langenthal abgeworben, bei dem er ein wichtiger Rollenspieler auf dem Weg zum Titelgewinn war. «Im physischen Bereich sind wir nun generell stärker besetzt», betont Trainer Jeff Tomlinson. Aber auch spielerisch seien sie besser aufgestellt. «Ich sehe viel mehr Eishockeyverstand.»
Bereit für neue taktische Varianten
Letzteres trug massgeblich dazu bei, dass der Headcoach mit der Saisonvorbereitung zufriedener ist als in den beiden Jahren zuvor. «2015 war alles neu. 2016 mussten wir erstaunlicherweise fast wieder bei Null beginnen. Diesmal schritt die Integration der neuen Spieler schneller voran, so dass wir sogar in der Lage waren, neue taktische Varianten einzuüben», freut sich Tomlinson.
Sie verfügten nun über deutlich mehr «Waffen», nicht zuletzt, weil sie mehr Verteidiger im Kader wüssten, die gut mit der Scheibe umgehen und auch schiessen könnten.
Noch etwas Sorge bereitet dem 47-jährigen Deutschkanadier das Abwehrverhalten seiner Equipe. «In der Arbeit vor dem eigenen Tor fehlt zuweilen die letzte Konsequenz», erklärt Tomlinson. Da Meisterschaftsspiele aber ein anderes Paar Schuhe seien als Testpartien, ist der SCRJ-Trainer zuversichtlich. «Da wird jeder automatisch noch ein paar Prozent mehr geben, aufmerksamer sein.»
Dass die Klubleitung den Aufstieg als klares Ziel formuliert hat, gefällt Jeff Tomlinson. «Das motiviert mich. Und es half bei der Verpflichtung neuer Spieler.» Jeder Neuling sei explizit zu den Lakers gekommen, um aufzusteigen. Dieser unbedingte Wille könne am Ende einer Saison das Zünglein an der Waage spielen.
«Wir werden alles versuchen»
Tomlinson ist überzeugt davon, dass sein Team das Zeug dazu hat, nach zwei Finalniederlagen diesmal den Meistertitel zu gewinnen.
Er weiss aber auch, dass die höchste Hürde auf dem Weg ins Oberhaus erst danach folgt – mit der Ligaqualifikation. Dass dort neu mit drei Ausländern gespielt werden darf (die Lakers wollen spätestens im Januar einen solchen verpflichten), macht die Aufgabe für den Unterklassigen noch einmal anspruchsvoller.
Der Aufstieg sei möglich, sind sich Tomlinson und Maier einig, aber ohne etwas Hilfe von «oben», beispielsweise in Form eines demoralisierten Oberklassigen, extrem schwierig zu erreichen. Dies habe die Geschichte gezeigt. «Aber wir werden alles versuchen, was in unserer Macht steht!» (Silvano Umberg)
Olten und Langenthal mit Ambitionen
Der EHC Olten sowie der SC Langenthal sind in der Swiss League wohl die stärksten Gegner der Rapperswil-Jona Lakers im Kampf um den Aufstieg ins Oberhaus.
Langenthal blickt auf eine beeindruckende Saison zurück. Nach dem souveränen Qualifikationssieg verlor es nur eine Partie auf dem Weg in den Playoff-Final und bodigte dort in einer dramatischen Serie die Lakers mit 4:3 Siegen.
Allerdings verliessen im Sommer mit Mark Kämpf, Josh Primeau und Arnaud Montandon wichtige Offensivspieler den Titelverteidiger. Insofern wird noch mehr vom eingespielten Topsturm mit Jeff Campbell, Brent Kelly und Stefan Tschannen abhängen.
Genügend Zeit für Gustafsson
Für Olten ist nach dem Scheitern im Playoff-Viertelfinal (1:4 gegen die Lakers) Rehabilitation angesagt. Dafür rüsteten die Solothurner kräftig auf, engagierten mit Ryan Vesce (Gottéron) und Tim Stapleton (Spartak Moskau) unter anderen zwei Ausländer, die schon in der NHL und in der KHL spielten.
Eine klare Aufwertung ist auch die Verpflichtung von Goalie Simon Rytz, der den Vertrag mit Biel aufgelöst hat, weil er hinter Jonas Hiller keine Perspektiven sah. Zudem hatte der kurz vor den Playoffs verpflichtete schwedische Trainer Bengt-Ake Gustafsson nun genügend Zeit, seine Ideen einzubringen. (sda/zsz)
