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Von Stammkräften bis zu Nobodys

Neun Spieler aus dem Zürcher Oberland und dem Glattal stehen bei National-League-Klubs unter Vertrag. Ihre Rollen aber sind unterschiedlich. Eine Rundschau vor dem Saisonstart.

Die Lions-Spieler Lukas Flüeler (links) und Mike Künzle während einer Trainingspause. (Bild: Keystone)

Von Stammkräften bis zu Nobodys

 

Fest im Sattel

Bei einigen Spielern dauert es ein wenig länger, bis sie ihren Platz gefunden haben – wie beim Greifenseer Joël Genazzi, der in seine fünfte Saison in Lausanne geht. Genazzi ist ein Spätzünder. Einst zwischen Sturm und Verteidigung hin- und hergeschoben, gehört der 29-Jährige mittlerweile zu den besten Schweizer Verteidigern. Der torgefährliche Genazzi ist ein Eckpfeiler im Team des Lausanne HC.

Nur drei Verteidiger sammelten letzte Saison in der Qualifikation mehr Punkte (16 Tore/15 Assists) als er. Später krönte der Greifenseer seine tolle Saison mit einer starken WM – notabene seiner ersten überhaupt.

Genazzis Entwicklung dürfte noch nicht abgeschlossen sein. Er sieht weiteres Potenzial: «Im Vergleich zu anderen Verteidigern habe ich viele Details nicht gelernt.» Und am Horizont wartet ein Leckerbissen – die Olympischen Spiele in Südkorea im Februar 2018.

Wechsel trotz Aufschwung

Auf die neue Saison hin hat der Verteidiger einen Oberländer Teamkollegen erhalten. Der Bubiker Sandro Zangger wäre eigentlich gerne beim EV Zug geblieben. Die Zentralschweizer gaben dem Flügel aber früh zu verstehen, dass er sich anderweitig orientieren muss. Und das, obwohl Zangger nach inkonstanten Auftritten im Jahr zuvor in der letzten Saison aufblühte.

Der 23-Jährige sammelte 31 Skorerpunkte, kam auch zu seinem Debüt im Nationalteam. Jetzt steht er vor der Aufgabe, seine Fortschritte zu bestätigen.
In Lausanne unterschrieb Zangger für zwei Jahre. Er soll mithelfen, die drittstärkste Offensive der höchsten Liga weiter zu verbessern. Zangger scheint sich in der Westschweiz gut eingelebt zu haben. An der Seite von Yannick Herren und Etienne Froidevaux zeigte er sich in der Vorbereitung treffsicher. Seine Ausbeute: fünf Tore und vier Assists in sieben Testspielen.

Entwicklung zur Stütze

Wie Zangger erlebte auch sein ehemaliger Teamkollege Sven Senteler eine erfreuliche Saison beim EV Zug. Der Wangemer Stürmer, der verschiedene Rollen übernehmen kann, brach aus dem Mittelmass aus. Der 25-Jährige steigerte seine Punkteproduktion massiv, wurde zu einer Stütze und trug seinen Teil dazu bei, dass die Zuger nach 19-jähriger Durststrecke wieder einmal in den Playoff-Final einzogen.

Senteler ist kein Spektakelmacher, aber er passt mit seiner schnörkellosen Art zum Zentralschweizer Klub und dessen Trainer Harold Kreis. Der Deutsch-Kanadier setzt auf pragmatisches Eishockey und Kontinuität. Senteler spielt noch immer mit dem Schweden Carl Klingberg zusammen. Nach dem Abgang von Jarkko Immonen aber haben die zwei Flügel mit Timothy Kast einen neuen Center erhalten.

 

Im Gegenwind

Nach zwei Playoff-Spielen mit sieben Gegentoren war für Lukas Flüeler letzte Saison Schluss. Der Pfäffiker Goalie wurde bei den ZSC Lions durch Niklas Schlegel abgelöst, der die restlichen Playoff-Partien bestritt, das Viertelfinal-Out gegen Lugano aber nicht verhindern konnte.

Der Zweikampf der zwei Torhüter wird diese Saison weitergehen. Denn Flüeler, der zweifache Meistergoalie der Lions, hat seinen Status als Nummer 1 eingebüsst. Die Konturen in der Goaliehierarchie sind verwischt.

Seit dem Titelgewinn 2014 hat der Oberländer einige schwierige Momente durchgemacht – auch verletzungsbedingt. Monatelang fehlte er wegen Leistenproblemen. Letzte Saison war Flüeler zwar wieder gesund. Er kam aber nicht mehr an die Leistungen seiner besten Tage heran. Der 28-Jährige besitzt bei den Lions einen Vertrag bis 2020, sein 23-jähriger Konkurrent einen bis Ende Saison.

Vor wegweisender Saison

In einer ähnlichen Situation wie Flüeler steckt Teamkollege Mike Künzle. Der Fehraltorfer wird erst 24 Jahre alt. Und doch nimmt der Stürmer bei den ZSC Lions schon die fünfte Saison in Angriff.

Es dürfte eine wegweisende sein. Der Vertrag in Zürich läuft aus. Und Künzle hat eine Saison zum Vergessen hinter sich. Der kräftige Flügel, der in seiner besten NLA-Saison
16 Tore schoss, wurde Anfang Oktober mit der Begründung aus dem Spielbetrieb genommen, er sei nicht fit genug.

Künzle kehrte nach einem Aufbauprogramm Ende Oktober zurück. Er erhielt aber wenig Eiszeit (knapp neun Minuten pro Spiel) und produzierte so wenig wie noch nie. Nur drei Tore gelangen dem gross gewachsenen Angreifer. Künzle also ist unter Zugzwang. Unbestritten ist, dass er über das Potenzial verfügt, das Steuer herumzureissen. 

 

Auf dem Sprung

Im Kampf um Einsatzzeit muss sich Künzle in der breit aufgestellten Zürcher Offensive nicht nur gegen arrivierte Stürmer wehren, sondern auch gegen mehrere nachrückende Talente.  Ein junges Quartett wurde von den Lions mit Zweijahresverträgen ausgestattet.

Dazu gehören der Wetziker Raphael Prassl sowie die beiden Dübendorfer Marco Miranda und Jérôme Bachofner.

Letzterer ist derjenige Neuling, der am meisten NLA-Spiele (28) aufweist. Im Februar vor zwei Jahren erzielte Jérôme Bachofner in der höchsten Schweizer Liga sein erstes Tor. Der damals 18-jährige Dübendorfer verwandelte einen Penalty wie ein Routinier – zwei Tage zuvor war er noch für die Elite-Junioren der Lions aufgelaufen.

Mittlerweile bringt er die Erfahrung von drei Saisons in der NLB mit, war im Farmteam zuletzt eine tragende Kraft. Und seine Werte zeigen, dass sich da einer auf höchster nationaler Ebene etablieren will, der produzieren kann. Bachofner kommt als Topskorer der GCK Lions ins Oberhaus.

Eiszeit als begehrtestes Gut  

Auf sein Meisterschaftsdebüt mit den ZSC Lions wartet Marco Miranda zwar noch. Im Cup und in der Champions-Hockey-League aber war der 19-jährige Dübendorfer für die Stadtzürcher schon im Einsatz. Miranda hat im Schweizer Nationalteam alle Juniorenstufen durchlaufen, war auch an der letzten U-20-WM dabei.

Der läuferisch starke Stürmer verfügt über Skorerinstinkt. Die letzten zwei Saisons bestritt Miranda bei den GCK Lions (73 Spiele). Jetzt versucht er, so viel Eiszeit wie möglich bei den ZSC Lions zu ergattern.

Wie Raphael Prassl, der die letzten zwei Jahre ebenfalls bei den GCK Lions verbracht hat und dabei 80 Partien bestritt. Im Farmteam dürfte der spielintelligente Wetziker Stürmer, der fähig ist, Energie in eine Partie zu bringen, auch in dieser Saison ab und zu wieder auflaufen.

Das ist für den im November 20 Jahre alt werdenden Oberländer durchaus positiv. Um sich weiterentwickeln zu können, brauchen junge Spieler möglichst viel Eiszeit und müssen Verantwortung übernehmen können.

Ein begeisterter Sportchef

Neben Bachofner, Miranda und Prassl will sich diese Saison ein weiterer junger Spieler aus der Region in der höchsten Liga etablieren. Der Schwerzenbacher Dominik Diem spielte die letzten drei Saisons für die GCK Lions und durfte auch 18-mal für die ZSC Lions ran. Diem setzt seinen Weg ausserhalb der Lions-Organisation fort. Er unterschrieb für zwei Jahre beim EHC Biel.

20 Jahre jung ist der läuferisch und stocktechnisch starke Stürmer, der in der Vorbereitung durch eine Schulterprellung ausgebremst wurde. In Biel glaubt man an den Stürmer. Sportchef Martin Steinegger schwärmte nach der Verpflichtung: «Er hat alle Fähigkeiten, zu einem dominierenden Center zu werden.»

 

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