Trotz Triumph nicht auf Wolke sieben
Es ist nichts weniger als der wichtigste Sieg in Konny Loosers Karriere. Und allein die Vorstellung, nach dem erstmaligen Gewinn des Marathon-Schweizermeistertitels bis zu den nächsten nationalen Titelkämpfen im Trikot des Landesmeisters antreten zu können, macht den Hinwiler stolz.
«Ich habe wohl vom Titel geträumt. Damit gerechnet habe ich aber nicht», gab der 28-Jährige kurz nach dem Nationalpark Bike-Marathon zu Protokoll. Der Oberländer beendete das 137 Kilometer lange und mit 4000 Höhenmetern gespickte Rennen auf Platz vier hinter zwei Deutschen und einem Italiener.
Die Entscheidung im Kampf um den Meistertitel führte er herbei, als er in der Steigung nach Guarda attackierte und die Verfolgergruppe sprengte.
Niederschmetternde Diagnose
Wer nun aber denkt, Looser sei nach seinem Triumph in Scuol vom Rad gehüpft, um gleich auf Wolke sieben davon zu schweben, der irrt.
«Klar, es war eine Genugtuung, auch etwas sehr Spezielles», sagt Looser und verweist auf seine beiden letzten Jahre, in denen er einige Tiefschläge hatte einstecken müssen. Looser aber spricht von unterschiedlichen Emotionen, die er nach dem Erfolg verspürt habe – obwohl der SM-Titel die bisherige Krönung einer guten Saison ist.
Der Grund dafür: Der Hinwiler hat eine Woche hinter sich, die er als «sehr schwierig» bezeichnet. Er litt zuletzt bei Extrembelastungen unter starken Schmerzen. Und zwar wieder im rechten Bein, das er wegen einem Arterienverschluss 2016 operiert hatte.
Looser liess sich untersuchen. Die Diagnose ist niederschmetternd. Vereinfacht gesagt: Unter Vollbelastung gelangt zu wenig Blut in Loosers rechtes Bein und schliesslich zu wenig Sauerstoff in die Muskeln.
«Ich will nicht aufhören»
Der Befund hinterlässt tiefe Furchen bei Looser und geht an die Substanz. Er fragt sich zurecht: «Wie soll man als Profi seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden, wenn man nicht in der Lage ist, eine gewisse Zeit über dem Limit zu fahren?» Der Hinwiler weiss: «Mental würde ich das nicht aushalten.»
Die Hiobsbotschaft hat Looser tief getroffen. Dabei hat er mit seinem Team bereits Vertragsgespräche hinsichtlich der nächsten Saison geführt, die positiv verlaufen sind. Und er sagt dezidiert: «Ich will nicht aufhören.»
In diesem Fall aber kommt er nicht um eine zweite Operation herum. Eine Garantie, dass die Beschwerden danach weg sind, gibt es allerdings keine. Looser ist sich im Klaren, dass er vor einem wegweisenden Entscheid steht. Er will sich dafür Zeit lassen. Vorerst fährt er die Saison zu Ende. «Denn ich habe eine Superform.»
