Der FC Rapperswil-Jona muss sich beweisen
In Schaffhausen startet Rapperswil-Jona am Montagabend in seine erste Meisterschaft in der Challenge League. «Brutal hart wird sie», sagt Urs Meier. Der Trainer hebt hervor, welches Privileg es für den FCRJ ist, in der zweithöchsten Spielklasse vertreten zu sein. «Und ich werde alles daran setzen, das Team in der Liga zu etablieren», ergänzt er. Nur eines zählt für die St. Galler: den Abstieg abzuwenden.
Das Gastspiel zum Auftakt ist gleich ein erster Gradmesser. Meier weiss: «Murat Yakin will mit seiner Mannschaft aufsteigen.» Die Schaffhauser haben sich mit vier Spielern von aktuellen oder ehemaligen (Le Mont) Ligakonkurrenten verstärkt und von GC vier Youngsters ausgeliehen.
Auch die anderen acht Meisterschaftsgegner des FCRJ rüsteten in der Sommerpause mit teils namhaften Zuzügen auf. Der Aufsteiger hat sein Kader bewusst nicht überladen. «Auf unserer Kontingentsliste ist noch Platz», ergänzt der 56-jährige Coach. Am 30. September schliesst das Fenster für nationale, dasjenige für internationale Transfers Ende August.
«Kader ist konkurrenzfähig»
Der Liganeuling vom Obersee hat acht Spieler abgegeben, die in der Promotion League kaum zum Einsatz gekommen waren. Mit sieben Zuzügen ist das Kader höchstens geringfügig aufgewertet worden.
Dies beurteilt Meier allerdings anders: «Fast alle weisen Erfahrung in der Super League oder Challenge League auf, Mike Kleiber und Orhan Mustafi sogar solche auf internationaler Bühne.»
Mustafi, der einst für Basel sowie GC (total 54 Super-League- und 4 Champions-League-Einsätze) und zuletzt in Hong Kong stürmte, gehört seit Freitag fix dem Kader an. Der 27-Jährige unterschrieb bis Ende Saison. Gleichzeitig wechselte Goalie João Ngongo zum Partnerklub Grasshoppers.
«Auf allen Positionen sind wir doppelt besetzt und daher konkurrenzfähig», sagt Meier. Zudem hätten diverse Spieler noch viel Entwicklungspotenzial. Mit den jüngsten Fortschritten seiner Schützlinge ist der ehemalige Profifussballer zufrieden.
Der FCRJ überzeugte in den Testspielen. «Besonders das 1:0 gegen Aarau war wichtig für unser Selbstvertrauen.» Dieser Sieg habe gezeigt, was drin liege, wenn jeder bereit sei. «Nachdem gegen Wolfsburg positive Ansätze erkennbar waren, haben sich alle nochmals gesteigert», fügt Meier lobend an.
Mit dem Überraschungseffekt
Die Testpartie von Mitte Woche gegen Freienbach brachte dem Coach weitere Erkenntnisse bezüglich der Startelf am Montag. Diese bestimmt er erst nach dem Abschlusstraining. Dass jeder hoch motiviert ist und spielen will, versteht sich von selbst. Der FCRJ nimmt den Aufstiegsschwung mit.
«In schwierigen Phasen ist er der Sauerstoff, den die Spieler brauchen, um weiterzukommen», sagt Meier dazu.
Der Zürcher hat den Spielern eingebläut, dass Fehler sofort bestraft werden. «Das ist der grosse Unterschied zur Promotion League.» Deshalb seien sie auf ein Minimum zu reduzieren. «Ein Ballverlust nach Eroberung ist zu vermeiden», gibt Meier vor.
Wichtig sei auch, dass alle präziser und entschlossener nach vorne arbeiten. «Denn unsere Gegner verteidigen nun besser und müssen daher überrascht werden.»
Die wenigen Chancen nutzen
Der FCRJ-Coach will im Angriff mehr Kreativität sehen. «Zudem müssen wir effizienter werden.» In der vergangenen Saison hatte sich die Mannschaft oftmals rund ein Dutzend Torchancen in einem Spiel erarbeitet. «Nun werden wir viel weniger haben. Umso wichtiger ist es, sie zu nutzen», begründet Meier.
Kurz vor dem Saisonstart macht sich im Grünfeld eine gesunde Nervosität breit. «Klar lastet ein gewisser Druck auf uns», sagt der Trainer. Zudem sei Respekt vor den Gegnern vorhanden.
«Aber wir müssen uns weder fürchten noch verstecken», sagt Meier. Mutig aufspielen und sich voll auf die bevorstehenden Aufgaben fokussieren, lautet seine Devise. Wichtig sei ein guter Start. «In den ersten drei Spielen zu punkten, wäre gut für unsere Moral.»
Der Leitsatz des Trainers
Seit 1993 ist Meier als Trainer tätig und weiss, dass auch Rückschläge kommen. «Sie gehören zu jeder Entwicklung.» Entscheidend sei dann, Ruhe zu bewahren. «Die Situation muss sachlich analysiert werden, und dazu braucht es Kompetenz», sagt der FCRJ-Coach. «Erfolg durch Kompetenz» ist für ihn ein Leitsatz.
Mit Daniel Hasler steht Meier ein ausgewiesener Assistent zur Seite. Zudem betreut der im Juni abgetretene Aufstiegscoach Stefan Flühmann als neuer Sportdirektor die 1. Mannschaft mit. «Sein Feedback ist enorm wertvoll», streicht der Trainer hervor.
Auch die weiteren Führungskräfte im Verein setzen sich dafür ein, dass der FCRJ in der Challenge League nicht Kanonenfutter wird. Meier hat ein erstes Etappenziel gesteckt: «Im Winter mit dem hinteren Tabellenmittelfeld auf Tuchfühlung zu sein, das wäre super.» (Dominik Duss)
