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Temporär auf fremden Pfaden unterwegs

An der SM in Zürich wechseln die Wetziker Steeple-Spezialistin Fabienne Schlumpf sowie der Rütner Langhürdler Dany Brand für einmal die Disziplinen. Schlumpf läuft über 800 m, Brand über die halbe Bahnrunde.

Fabienne Schlumpf im Trainingslager im Engadin. (Bild: zvg)

Temporär auf fremden Pfaden unterwegs

Bevor am Sonntag die Super-League-Klubs Zürich und GC mit einem Stadt-Derby die Fussball-Meisterschaft in Angriff nehmen, ist am Freitag und Samstag im Letzigrund Leichtathletik Trumpf. Die Schweizer Meisterschaften sind nicht nur der Höhepunkt der nationalen Leichtathletik-Saison, sondern zugleich die letzte Chance für Athleten, auf den WM-Zug aufzuspringen. Am Sonntag endet die Qualifikationsperiode für die Titelkämpfe in London (5. bis 13. August).

12 von 13 Schweizern, die in einer Stadion-Disziplin die WM-Limite schon unterboten haben, stehen an der SM im Einsatz. Zu ihnen zählt auch Fabienne Schlumpf, die Wetziker Steeple-Spezialistin. Schlumpf hat ihren im Olympiavorlauf in Rio 2016 aufgestellten Schweizer Rekord inzwischen um weitere neun Sekunden verbessert. Und die 26-Jährige will ihren Höhenflug an der WM fortsetzen.

An der SM startet Schlumpf über 800 m. Der Spartenwechsel ist aber nicht von Dauer. Die nationalen Titelkämpfe im Steeple fanden bereits vor zwei Monaten in Uster statt. Bei ihrem ersten Saisonstart sicherte sie sich damals nicht nur souverän die Goldmedaille, sondern erfüllte auch die WM-Limite.

Duell gegen Büchel entfällt

Schlumpf stellt sich über die beiden Bahnrunden einer neuen Herausforderung. «Ein Start über 5000 m hätte mich nicht gereizt und mir nichts gebracht», erklärt Schlumpf ihre Wahl. Über diese Distanz hatte sie an der Team-EM vor vier Wochen im finnischen Vaasa in 15:47,29 Minuten eine persönliche Bestleistung aufgestellt. Auf der SM-Startliste figuriert keine Läuferin, die bisher näher als 16 Sekunden an diese Zeit herankam.

«Über die 800 m werde ich hingegen gefordert. Es ist spannend und ein gutes Schnelligkeitstraining», begründet die Oberländerin ihren temporären Wechsel. Zum Duell mit der stärksten Schweizer 800-m-Läuferin kommt es hingegen nicht. Die zweifache Halleneuropameisterin über die zwei Bahnrunden, Selina Büchel, tritt an der SM über 400 m an. Die Toggenburgerin zählt damit ebenfalls zu den international etablierten Athletinnen, die im Letzigrund auf Starts in ihrer Hauptdisziplin verzichten.

Dünne Luft als Puzzleteil

Flexibilität zeichnet auch Schlumpf aus. In der ersten Jahreshälfte hat sie in verschiedenen Sparten Schweizer Rekorde aufgestellt: in Payerne über 10 km in 32:10 Minuten, in Den Haag im Halbmarathon in 1:10:17 Stunden (und auf dem Vorbeiweg auch gleich über 15 und 20 km) sowie am Diamond-League-Meeting in Oslo als Dritte in ihrer Paradedisziplin 3000 m Steeple in 9:21,65 Minuten.

Dieser Tage absolviert die Wetzikerin im Engadin ihr viertes dreiwöchiges Höhentrainingslager. In St. Moritz Bad lebt sie mit ihrem Partner und Trainer Michi Rüegg seit dem 7. Juli in einer kleinen Wohnung. Im Februar weilte sie in einem Höhenzimmer in Magglingen, Ende März in Südafrika und Ende Mai schon einmal in St. Moritz.

Die Aufenthalte in der dünnen Luft seien nur ein Puzzleteil von vielen, relativiert Schlumpf. «Was sie genau gebracht haben, werden wir Ende Saison analysieren.» Nach der SM kehrt Schlumpf bis Ende Monat ins Engadin zurück. Neun Tage vor ihrem Saisonhighlight – der WM in London – begibt sie sich dann wieder in tiefere Lagen.

WM-Verzicht von Brand

Zwar nicht im Höhentrainingslager, dafür im Höhenflug befindet sich derzeit Dany Brand. Der Rütner Langhürdler zeigte letzte Woche an der U23-EM überaus starke Leistungen. Er gewann nicht nur EM-Silber, sondern senkte dreimal seine persönliche Bestzeit, blieb erstmals überhaupt über 400 m Hürden unter 50 Sekunden und knackte auch noch die Limite für die Weltmeisterschaften.

Bei 49,14 Sekunden ist der 21-Jährige angelangt. Damit hat er sich in der europäischen Bestenliste auf Rang 8 katapultiert. «Ich will nach der U23-EM die SM auf derselben Welle mitnehmen», hatte Brand zuvor angekündigt.

Der junge Athlet wird in Zürich allerdings nicht über 400 m Hürden antreten, sondern über die halbe Bahnrunde. Zudem hat er sich in Absprache mit seinen Trainern und dem Verband entschieden, auf die in zwei Wochen beginnende WM zu verzichten. Dafür konzentriert Brand sich auf die Universiade (19. bis 30. August). Langfristig gesehen sei der Start an einem über mehrere Runden führenden Wettbewerb die bessere Erfahrung, lautet die Begründung.

Schürmann mit guten Chancen

Derweil greift Robine Schürmann an der SM in ihrer Hauptdisziplin in den Kampf um die Medaillen ein. Die Wetzikerin hat heuer wegen einer Verletzung zwar erst zwei Rennen über 400 m Hürden absolviert und kam nicht an ihre besten Zeiten aus dem Vorjahr heran.

Nur zwei Schweizerinnen waren 2017 aber schneller als Schürmann. Lea Sprunger läuft in Zürich jedoch über die halbe Bahnrunde. Und bei Petra Fontanive ist offen, in welcher Disziplin sie antritt. (David Bruderer und Oliver Meile)

 

 

 

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