Hirsch ist ein Spätstarter mit Potenzial
Ohne auch nur ein einziges gemeinsames Training wurde der Schweizer Vierer ohne Steuermann mit dem Ustermer Benjamin Hirsch gleich bei seiner EM-Premiere auf Elite-Stufe im tschechischen Racice sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen. Grund dafür war der kurzfristige verletzungsbedingte Ausfall von Joshua Meyer.
«Das war nicht einfach», sagt Hirsch. Immerhin erhielten er und seine verbliebenen Teamkollegen Nicolas Kamber und Morton Schubert aber mit Silvan Zehnder einen erfahrenen Ersatz. Der 30-Jährige war eigentlich an der EM im Rennen des Zweier ohne Steuermann vorgesehen. Doch Zehnders Partner hatte ebenfalls forfait geben müssen.
Hirsch zieht positives Fazit
Das neuformierte Boot hielt sich in der ungewohnten Konstellation durchaus wacker. Über den Hoffnungslauf wurde der B-Final erreicht – so dass es in der Endabrechnung zum 12. Platz reichte. «Ein bis zwei Boote hätten wir noch bezwingen können», meint Hirsch. Er zog aber dennoch ein positives Fazit.
Dem pflichtete auch Christian Stofer, der Direktor des Schweizerischen Ruderverbandes (SRV), bei: «Das Resultat geht in Ordnung. Und die Zeitabstände waren auch im Rahmen.» Dass es dem jungen Team dabei in dieser anspruchsvollen Bootsklasse über die gesamte 2000 Meter Renndistanz noch an Konstanz fehlte, ist für Stofer daher auch noch wenig verwunderlich.
Erste Eindrücke gewonnen
Seit Mitte April erst besteht das U23-Quartett in dieser Zusammensetzung. Sie hatte sich zuvor an den sogenannten Trials des SRV herauskristallisiert. Beim Weltcup-Debüt auf Elite-Ebene in Belgrad (SRB) und an der anschliessenden EM ging es nun darum «einen ersten Eindruck zu gewinnen» (Stofer). Hirsch hat als Schlagmann im Team sogar eine Schlüsselposition inne. Der 22-Jährige vom Ruderclub Uster lenkt nämlich in dieser Rolle mit der Fusssteuer auch das gesamte Boot. Durch seine Grösse von 1,97 Metern bringt er dafür von den Hebelverhältnissen her ideale Voraussetzungen mit.
Sowieso ist Hirschs Entwicklung beachtlich. Erst im Alter von 18 Jahren kam er zum Rudern. Zuvor war der ETH-Student in seiner Jugend vorwiegend Rad gefahren, ohne jedoch Rennen zu bestreiten. Nach einem vorsichtigen Start steigerte er in der Folge sein Ruderpensum kontinuierlich.
Spitzensport-RS als Sprungbrett
Erstmals unter professionellen Bedingungen trainierte Hirsch in diesem Winter im Rahmen der Spitzensport-Rekrutenschule, die ihm als eigentliches Sprungbrett auf dem Weg vom Nachwuchsathlet in die Elitestufe diente. Verbandschef Stofer bestätigt denn auch die Leistungsfortschritte von Hirsch. Stofer streicht insbesondere den Fleiss des Ustermers heraus. «Er hat die Fähigkeiten zum internationalen Athleten zu reifen. Wir versuchen Hirsch auf Olympia-Level zu trainieren.»
Vorerst wartet auf Hirsch und seine U23-Teamkollegen allerdings vom 9. bis 11. Juni als nächster Härtetest eine internationale Regatta im slowenischen Bled. Sie ist die Hauptprobe für den Saisonhöhepunkt – die U23-WM in Plovdiv (BUL) von Mitte Juli.
