«Bei über zehn Punkten fliesst der Champagner»
Wer an Billard denkt, verbindet den Freizeitsport oft als Erstes mit Pool oder Snooker, den Lochbillardspielen, bei denen es das Ziel ist, die Bälle in den sechs Taschen an den Ecken des Tischs zu versorgen. Für Behzat Cetin sind diese Formen des Billardspiels aber viel zu wenig fordernd. «Pool spiele ich nur zum Spass – auch mit meinen Kindern», sagt der dreifache Familienvater, der seit über zehn Jahren in Effretikon lebt und dort auch das Restaurant Tomate führt.
Königsdisziplin des Sports
Er hat sich ganz dem Dreiband-Carambole verschrieben, «der Königsdisziplin des Billardsports», wie Andreas Tschander, der Präsident des Billard Clubs Zürich, betont, bei dem auch Cetin Mitglied ist. Löcher gibt es hier an den Tischenden keine – und im Spiel sind nur drei Bälle. Dabei gilt es mit dem eigenen Spielball, die zwei anderen Bälle zu treffen und dabei eben drei Banden miteinzubeziehen. Nur dann gibt es auch einen Punkt.
Das WM-Finale im Dreiband zwischen der Niederlande und der Türkei im Februar 2016. (Quelle: youtube)
Cetins persönliche Bestmarke liegt bei einer Serie von 14 Punkten, der Weltrekord sogar bei 30 Punkten. Tschander sagt: «Bei Serien über zehn Punkten fliesst bei uns im Verein der Champagner. Das ist ein Traumresultat.» Carambole ist also auch Mathematik sowie Geometrie und erfordert vor allem ein hohes Mass an Konzentration. «Bevor man mit Carambole beginnt, sollte man schon fünf bis sechs Jahre Billard spielen», ist Cetin überzeugt.
Mit der richtigen Stosstechnik
Er selbst erlernte das Spiel schon von klein auf noch in der Türkei. «Es braucht Geduld, viel Training und die richtigen Leute, um die entsprechende Stosstechnik zu erlernen», zählt er die Grundelemente auf.
Auf ein gutes Umfeld traf Cetin später auch in der Schweiz. Schon über 13 Jahre lang ist er beim seit 1909 bestehenden BC Zürich aktiv mit dabei. Präsident Tschander beschreibt ihn als «aufgestellt und äusserst hilfsbereit». Vom Verein erhält er zusätzliche Unterstützung unter anderem durch einen speziell präparierten Trainingstisch mit Kameras, Lasereinrichtung und Live-Schaltungen zu anderen Billardvereinen.
Dies nicht von ungefähr. Cetin ist schliesslich einer der Besten seines Fachs in der Schweiz. Schon mehrfach wurde er Einzel- und Mannschaftsmeister. Eben erst ist der Effretiker von seiner insgesamt dritten WM-Teilnahme aus Bordeaux zurückgekehrt. «Es war ein tolles Turnier mit viel Atmosphäre. Leider spielte ich so schlecht wie lange nicht mehr», sagt der 37-Jährige. Seine beiden Gruppenmatches gegen die Top-Spieler Nikos Polychronopoulos (Weltnummer 7) und Javier Palazon (31) verlor er deutlich. Cetin belegte deshalb am Ende den 48. Platz.
Nicht genug vorbereitet
Das Resultat kommt für ihn aber nicht von ungefähr. «Ich konnte nicht genug trainieren und war daher nicht gut vorbereitet», erklärt der gebürtige Kurde. Doch dies soll sich nun wieder ändern. Cetin hat sich einen eigenen Tisch zugelegt, um zu Hause, nebst den Trainings im Klub, intensiver üben zu können. «Fünf-, sechsmal in der Woche», hat er sich zum Ziel gesetzt – um beim nächsten Höhepunkt, der EM in Brandenburg vom kommenden April, wieder eine starke Leistung zu zeigen.
