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Giger: immer im Takt, immer lächelnd

Synchronschwimmerin Sophie Giger aus Uster strebt an den Olympischen Spielen in Rio mit Partnerin Sascia Kraus den Final an. Die Rollen zwischen den beiden Athletinnen sind klar verteilt.

Ein Sportlerleben im Wasser: Die Ustermer Synchronschwimmerin Sophie Giger ist von der Komplexität Ihrer Sportart fasziniert. (Bild: Fabio Meier)

Giger: immer im Takt, immer lächelnd

Über dem Strandbad Uster haben sich schon die ersten dunklen Gewitterwolken am Himmel festgesetzt, als sich Sophie Giger zum Fototermin bereit macht. Das drohende Unwetter lässt sie aber kalt. «Soll ich für die Aufnahmen in den Pool?», fragt die 20-jährige Synchronschwimmerin. «Dann würde ich mich gleich umziehen. Es dauert gar nicht lange», sagt sie schon fast entschuldigend.

Nur wenige Minuten später fallen wirklich die ersten Regentropfen. Die Ustermerin steckt sie im Bassin posierend mit ihren sonnigen Gemüt einfach weg und macht den Fotografen obendrein mit einem Lachen drauf aufmerksam, dass der Deckel noch auf dem Kameraobjektiv sei. Die wenigen Instruktionen setzt sie anschliessend gekonnt und unkompliziert um. Entsprechend schnell sind auch die Bilder im Kasten.

Es ist womöglich genau diese Mischung aus Disziplin und Konzentration aber auch Lockerheit, die es fürs Synchronschwimmen braucht. Der Körper unter und über Wasser immer im Rhythmus, immer im Takt – drehend und rotierend um die eigene Achse. Und dabei, ebenso wichtig, immer lächelnd.

Fünf Stunden im Bassin

«Ich kann mich seit je her gut fokussieren», sagt Giger, die am Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl die Matur erlangte. Über 30 Stunden trainiert sie seit letzten September im Profistatus während der Woche im Wasser für das grosse Ziel – die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Los geht es im Hallenbad Oerlikon jeden Tag bereits um 6.30 Uhr in der Früh. Die einzelnen Einheiten dauern bis zu fünf Stunden.

Dazu kommt abseits des Schwimmbeckens noch Kraft-, Pilates- und Mentaltraining. Am Abend ist regelmässig bereits um 21 Uhr Lichterlöschen. Klagen tut sie deshalb nicht. «Synchronschwimmen ist ein zeitintensiver Sport», sagt sie unaufgeregt. Es ist gerade diese Komplexität, die Giger daran fasziniert. Das Gespür fürs Wasser, das Rhythmus- und Körpergefühl mit der passenden Musik dazu.

Zu klein für Wasserball

Giger kommt aus einer sportbegeisterten Familie. «Seit ich denken kann bin ich im Wasser. Alle männlichen Verwandten haben Wasserball gespielt – meine Eltern lernten sich in St. Gallen sogar dadurch kennen», erklärt sie.

Die Liebe zum Wasserball hielt sich letztlich aber trotz der besonderen Affinität von Vater und Mutter in Grenzen. «Dafür war ich zu klein und fein», sagt sie. Genauso wenig wurden verwandte Sportarten wie Schwimmen («zu langweilig») oder Wasserspringen («zu viel Angst») je zu einem ernsthaften Thema. Einen bleibenderen Eindruck in der Familie hinterliess bei ihr hingegen ganz offensichtlich die Grossmutter, eine Wasserballett-Tänzerin. Bereits als Siebenjährige trainierte Giger deshalb regelmässig im Verein in Dübendorf, ehe im Alter von 13 Jahren der nächste Schritt zu den Limmat-Nixen nach Zürich folgte.

Zögerliches Abtasten

Beim erfolgreichsten Synchronschwimmverein der Schweiz ist sie mittlerweile seit 2013 an der Seite ihrer Duett-Partnerin Sascia Kraus. Die fast drei Jahre ältere Thalwilerin träumte dann auch sogleich von einer gemeinsamen möglichen Olympia-Teilnahme in Rio. Wesentlich zurückhaltender war da zunächst Giger. «Jetzt machen wir mal eine EM und eine WM. Und dann schauen wir mal wie es sich entwickelt», sagte sie zu ihrer Kollegin.

Funktioniert hat natürlich bei den Anfängen noch einiges nicht. «Das Video von unserem ersten gemeinsamen Wettkampf am Ukraine Open mag ich gar nicht mehr anschauen», sagt Giger sogar. Doch die Fortschritte kamen schon bald – und an der ersten gemeinsamen Europameisterschaft klassierte sich das Duo im August 2014 in Berlin tatsächlich bereits auf dem beachtlichen achten Platz. «Wir passen ganz offensichtlich gut zusammen», frohlockte Kraus schon damals. Und auch Giger sagt mittlerweile: «Wir ergänzen uns perfekt.»

Klare Rollenverteilung

Die Rollen zwischen den beiden sind dabei klar verteilt. Die etwas erfahrenere 23-jährige Kraus gibt im Wasser den Ton an, Giger passt sich entsprechend an. «Vom Auftreten her sind wir eigentlich gleich offen», betont Giger. Die Unterschiede kommen viel mehr im Umgang mit Situationen zum Vorschein. Kraus packt die Sachen im Alltag einfach an und äussert sogleich ihren Unmut wenn sie etwas stört. Giger hingegen wägt immer zunächst ab. «Sascia ist die Energische, die es versteht zu ellbögeln. Ich bin das ruhige Gemüt, die sie wieder auf den Boden runter holt.»

Die Eindrücke von Giger werden auch von ihrer Partnerin bestätigt. «Sophie macht sich viele Gedanken, hat aber stets ein klares Ziel vor Augen. Für mich ist sie ein Glücksfall. Sie kann mich sehr gut motivieren», sagt Kraus.

Ungewisse Zukunft

Ein Glücksfall für die beiden ist auch Olga Pylypchuk. Die aus der Ukraine stammende Trainerin betreut seit drei Jahren das Duo Giger und Kraus. Zuletzt wurde Pylypchuk bei den Limmat-Nixen sogar für ein Jahr freigestellt, um die beiden auf dem Weg an die Olympischen Spiele optimale Bedingungen zu ermöglichen. «Olga hat mich enorm geprägt. Ohne sie hätte ich nie solche Fortschritte erzielen können», sagt Giger und streicht die Detailversessenheit ihrer Trainerin heraus. «Sie sagt uns, was wir fühlen müssen, und nicht, was wir falsch machen.»

Geprägt von der harten Schule der Lehrmeisterin Pylypchuk gibt sich die 1,68 Meter grosse Ustermerin sehr selbstkritisch. «Die Technik und Koordination», streicht sie bei der Frage nach dem Steigerungspotenzial heraus und schiebt sogleich nach. «Eigentlich gibt es tausend Dinge zu verbessern.»

In welchem Rahmen es für Giger nach dem Karrierenhöhepunkt sportlich überhaupt weiter geht, steht sowieso noch in den Sternen. Nach den Olympischen Spielen treten im internationalen Feld aufgrund der fehlenden Perspektiven stets viele Athletinnen zurück. Auch Gigers Partnerin Kraus wird dann aus gesundheitlichen Gründen zunächst eine dreimonatige Auszeit nehmen. Giger wird ebenso pausieren. Für ein Studium hat sie sich nicht eingeschrieben. «Ich müsste also arbeiten gehen», sagt sie. So richtig überzeugend klingt es nicht. Warum sollte es auch – so kurz vor Rio.

Den Final im Visier

Mindestens Rang 14 – ihren Einstandsplatz – soll es in Rio de Janeiro werden. Insgeheim hoffen die Ustermerin Sophie Giger und ihre Partnerin Sascia Kraus aus Thalwil aber auf eine Finalqualifikation. Damit müsste sich das Duo nach den Wettkämpfen am Sonntag (freies Programm) und Montag (technisches Programm) unter den unter den besten zwölf Paaren klassieren. (dsc)

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