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Nikcis Glücksgefühle nach der Leidenszeit

Seit einigen Wochen spielt der Ustermer Adrian Nikci endlich wieder Fussball. Bei Union Berlin in der 2. Bundesliga holt er sich nach längerer Verletzungspause Lob ab – auch mit Einsätzen auf ungewohnten Positionen.

Lange Zeit musste sich der Ustermer Adrian Nikci beim 1. FC Union Berlin mit Teileinsätzen zufrieden geben. (Bild: Twitter/@fcunion)

Nikcis Glücksgefühle nach der Leidenszeit

Eigentlich kommt das Saisonende für den 1. FC Union Berlin in der 2. Bundesliga zum falschen Zeitpunkt. Sieben Spiele beträgt die Siegserie im heimischen Stadion An der alten Försterei.

Am Sonntag gastiert der seit Längerem als Aufsteiger feststehende Leader SC Freiburg in Berlin zum Saisonfinale. «Für die geht es um gar nichts, für uns um noch etwas mehr», sagt Adrian Nikci. «Acht Heimsiege in Serie wären Rekord für Union», weiss der Ustermer.

Zudem könnten die derzeit siebtplatzierten Berliner in der Tabelle noch einen bis zwei Ränge gutmachen. Es wäre ein versöhnlicher Abschluss einer durchzogenen Saison – das gilt für den Klub, aber auch für Nikci persönlich.

Stammplatz erkämpft

Denn seit einigen Wochen ist der 26-Jährige dort, wo er eigentlich sein möchte: nahe an einem Stammplatz. 330 Minuten stand er in den letzten sieben Partien auf dem Platz, dreimal lief er von Beginn weg auf, zweimal spielte er durch. Und einmal schoss er ein Tor, bei der 2:6-Niederlage gegen seinen Ex-Klub Nürnberg, der sich noch im Aufstiegskampf befindet. «Ich bin glücklich, dass es momentan so gut läuft. Dass ich meine Chance erhalte, ist nach der längeren Pause sehr befriedigend.»

Schmerzen – aber woher?

Die Pause – sie dauerte von August bis März – war einer Verletzung geschuldet, die offenbar nicht richtig diagnostiziert wurde. «Jedes Mal, wenn ich nach einigen Wochen Pause wieder mit dem Training begann, tauchten die Schmerzen wieder auf», sagt Nikci. Der rechte Hüftbeuger war betroffen; erst glaubte man, es sei ein Muskelfaserriss, dann ein Muskelbündelriss, letztlich zeigte sich, dass eine Sehne angerissen war. «Es war nicht gera de der beste Ablauf. Aber ich will niemandem Vorwürfe machen. Das kann eben passieren.»

Wirkliche Besserung brachte erst ein Besuch bei einem Vertrauensarzt, den Nikci aus seiner Zeit in Nürnberg kennt. Eine Operation war nicht nötig. «Er gab mir Übungen, die mir wirklich halfen», sagt Nikci.

Es war nicht der erste körperliche Rückschlag, den Nikci in seiner bisherigen Karriere einstecken musste. In Hannover warf ihn eine Hirnhautentzündung aus der Bahn, es folgten mehr oder weniger erfolgreiche Leihtransfers nach Thun und zu YB, dann der definitive Wechsel für ein halbes Jahr zu Nürnberg, wo er aufgrund einer Leistenoperation erst gegen Ende der Rückrunde noch zu Teileinsätzen kam.

Diverse Trainerwechsel

Gross war deshalb in der letzten Saison Nikcis Hoffnung, das Glück in Berlin zu finden. Auch wegen Trainer Norbert Düwel, der Nikci als Co-Trainer von Hannover einst gescoutet hatte. Doch Düwel wurde nach den ersten fünf Runden, in denen die Berliner nur vier Zähler geholt hatten, entlassen.

Nikci, der in dieser Zeit auf einen Teileinsatz kam, sagt: «Es war bitter, dass er nach nur zwei Monaten wieder weg war. Aber das Jahr war allgemein turbulent.» Denn Düwels Nachfolger Sascha Lewandowski trat kurz nach Rückrundenbeginn Anfang März wegen eines Burnouts zurück. Und dazwischen gab es im Januar auch auf der Position des Sportdirektors einen Wechsel.

Hofschneider als Rettung

Danach aber ging es aufwärts. Das Team, dem bei Saisonhälfte noch der Abstiegskampf drohte, arbeitete sich unter André Hofschneider aus der Krise. Hofschneider war unter Düwel und Lewandowski bereits Assistent gewesen, er kannte damit Nikci auch schon – was dem Ustermer wohl auch half. «Es ist einer, der auf die Spieler zugeht», sagt Nikci.

Das zeigt auch jene Episode vor dem Spiel vom 1. April in St. Pauli, als Nikci erstmal über 90 Minuten zum Einsatz kam. Als ihn Hofschneider damals fragte, auf welcher Position er nicht spielen könne, sagte Nikci, im Tor und in der Innenverteidigung wäre er wohl nicht gut aufgehoben. Gespielt hat er letztlich als rechter Aussenverteidiger – was für den Flügel mit Offensivdrang ein Novum war.

Seine Leistung wurde hernach vom Trainer indes gelobt. Und Nikci bewies seine Vielseitigkeit – gegen Nürnberg etwa kam er in der Sturmspitze zum Einsatz. Zuletzt spielte er zweimal auf einer vertrauteren Position – im linken Mittelfeld.

Wohl weiter in Berlin

Aber eben, so erfreulich die letzten Wochen für Nikci waren – eine Garantie, dass seine Leidenszeit definitiv vorbei ist, gibt es nicht. Zumal in Berlin schon wieder ein neuer Trainer kommt: Jens Keller, im Herbst 2014 bei Schalke freigestellt, wird übernehmen. Und ob Nikci in Berlin bleibt, ist noch nicht sicher – aber gut denkbar.

Der Ustermer, der in einer Wohnung im Stadtteil Friedrichshain lebt, würde den auslaufenden Vertrag gerne verlängern. Der Verein, sagt Nikci, sei ebenfalls an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert: «Vor einer Woche hat mir der Klub gesagt, ich mache meine Sache gut».

Das will er weiter tun – und zugleich hoffen, dass er auch endlich von Verletzungen verschont bleibt.

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