Der Impuls von Bruno Kernen
Dass Gilles Roulin heute eine Karriere als Skirennfahrer verfolgt, ist eigentlich purer Zufall. Bis im Alter von acht Jahren verlief seine Kindheit in völlig normalen Bahnen. Er besuchte die Primarschule und spielte in der Freizeit erst beim FC Mönchaltorf, später im Team Züri Oberland begeistert Fussball. Im Winter fuhr die Familie zum Skifahren nach Lenzerheide. Gilles Roulin erlernte dort die Grundlagen des Skisports. Schon damals gewann er jeweils regelmässig die Rennen seiner Skischulklasse. Eine spezielle Förderung stand aber deswegen für Vater und Mutter Roulin nie zur Diskussion. «Ich wurde von meinen Eltern nie gepusht», betont Gilles Roulin. «Sie sind alles andere als ehrgeizig. Ihre Unterstützung ist aber dennoch riesig. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.»
Ein besonderer Tag und seine Folgen
Eine Skikarriere ihres Sohnes sei nie geplant gewesen, sagt auch Vater Francois Roulin. «Dass Gilles einen solchen Weg eingeschlagen hat, ist eigentlich Zufall.» Auslöser war ein Sponsorenanlass eines Geschäftsfreundes – ein Skitag mit Bruno Kernen, bei dem auch der achtjährige Gilles mittun konnte. Als einziger Teilnehmer verbrachte dieser den Tag trotz garstigem Wetter mit dem Ex-Abfahrtsweltmeister auf der Piste und erhielt von diesem viel Lob. Kernen ermunterte die Eltern, ihren talentierten Sohn zu fördern.
So trat Gilles Roulin dem Skiklub Lenzerheide bei. Der Sport zog ihn in der Folge immer mehr in den Bann. Er schaffte den Sprung ins Bündner Kantonalkader und wurde 2009 Bündner Meister im Slalom und in der Kombination. Mit zwei vierten Plätzen im Slalom und Riesenslalom an der JO-SM sorgte der Grüninger damals zudem auch auf nationaler Ebene für Top-Resultate. Der stärkste Ostschweizer seines Jahrgangs blieb auch bei Swiss-Ski nicht unbemerkt. Gilles Roulin wurde in der Folge ins nationale Leistungszentrum NLZ Ost berufen. Skifahren war inzwischen definitiv zum Lebensmittelpunkt des Teenagers geworden, aber kaum noch mit dem Gymnasium in Wetzikon zu vereinbaren. «Viele Rennen finden auch unter der Woche statt», sagt Gilles Roulin. «Längerfristig hätte ich Schule und Sport nicht mehr auf die Reihe gebracht.»
In den Spuren seines grossen Idols
Ein Wechsel an ein Sportgymnasium drängte sich auf. Sowohl in Davos als auch in Stams bestand er die Aufnahmeprüfung. Er entschied sich für die österreichische Talentschmiede. Hier sind Skistars wie Benjamin Raich, Stefan Eberharter oder Marlies Schild gross geworden. «Viele grosse Namen im Skisport haben diese Schule absolviert, unter anderem auch mein Idol Daniel Albrecht. Der Ruf von Stams ist hervorragend», begründet Gilles Roulin seine Wahl.
An der Tiroler Sportschule arbeitet der heute 16-Jährige seit gut einem Jahr jeden Tag hart, um vielleicht irgendwann seinen Traum zu verwirklichen und ebensolche Erfolge feiern zu können wie seine bekannten Vorgänger. «Es ist intensiv, streng, aber auch sehr spannend», beschreibt der Teenager seinen Alltag. «Und es macht mir vor allem sehr viel Spass.» Grosses Lob erhält Gilles Roulin von der Trainerin des NLZ Ost, Petra Eberle. «Er ist äusserst diszipliniert und weiss genau, was er will», sagt sie. «Mit seinen Fähigkeiten und seiner Einstellung kann er sehr viel erreichen.»
«Es braucht eine Portion Glück»
Doch auch wenn das Skigymnasium Stams als beste Talentschmiede gilt: Der letzte Schritt an die Weltspitze ist besonders schwierig. Die Statistik belegt: Nur gerade etwa fünf Prozent der Schulabgänger von Stams glückt der Durchbruch auf Weltcupniveau. Dem ist sich auch Gilles Roulin bewusst. «Damit sich mein Traum erfüllt, braucht es auch eine Portion Glück», sagt Gilles Roulin. Und sein Vater meint: «Ob er es schafft, steht in den Sternen. Doch egal, was später wird: Die Schule ist eine gute Sache. Wir unterstützen Gilles auf seinem Weg.»