Wahlen

Driftet «die letzte rechte Stadt» weiter nach links?

2018 und 2022 gab es im Dübendorfer Gemeinderat jeweils einen Linksrutsch, der in der Legislatur jedoch kaum etwas an den Mehrheitsverhältnissen änderte. Mit welchem Personal treten die Parteien nun am 12. April an?

Driftet «die letzte rechte Stadt» weiter nach links?

2018 und 2022 gab es im Dübendorfer Gemeinderat jeweils einen Linksrutsch, der in der Legislatur jedoch kaum etwas an den Mehrheitsverhältnissen änderte. Mit welchem Personal treten die Parteien nun am 12. April an?

Was hat es mit der «letzten rechten Stadt» auf sich, wie Dübendorf in den Medien immer mal wieder genannt wird? Zweifellos, Dübendorf ist bürgerlich, daran ändert auch die doch ziemlich linke Tempo-30-Zone im Zentrum nichts. Doch die SVP musste als wählerstärkste Partei zuletzt Federn lassen. Neben dem Verlust eines Sitzes im Stadtrat verlor die Partei 2022 zwei Sitze im Parlament. Aktuell sind es noch deren zehn.

Zu dieser Gesamterneuerungswahl tritt die Partei mit Stadtratskandidatin Tanja Lips (neu) auf Platz 1 an. Danach kommen die Bisherigen Patrick Walder, Lukas Schanz, Orlando Wyss, Daniel Griesser, Daniel Burkhardt, Cornelia Schwarz-Nigg, Sarah Steiner, Christian Ingold, Marcel Kuster und Carmen Steiner. Schwarz-Nigg fällt faktisch aus dieser Aufzählung raus, weil sie gleichzeitig für die Primarschulpflege kandidiert und da einen Sitz auf sicher hat, weil es nicht zur Kampfwahl kommt.

Bei gleichem Wähleranteil sind damit die Chancen gross, dass alle Bisherigen im Parlament verbleiben können, zumal die SVP-Wähler ihre Liste zumeist unverändert einwerfen. Schafft Tanja Lips den Einzug in den Stadtrat oder steigt die SVP in der Gunst der Wähler, wären die Neuen Oliver Pierson, Caroline Griesser oder Thomas Schönmann auf den Plätzen 12 bis 14 die aussichtsreichsten Kandidaten für einen Sitz im Parlament.

GLP konstant, SP in Wechsellaune

Die Grünliberalen waren 2022 mit zwei zusätzlichen Sitzen die grossen Wahlsieger, mit acht Mandaten sind sie seither die zweitstärkste Fraktion im Parlament. Nicht wieder antreten wird Erika Attinger, die im Februar letzten Jahrs ihr Comeback im Parlament gab. Es sei von vornherein klar gewesen, dass ihr Engagement nur bis zum Ende der Legislatur gelte, sagt sie auf Nachfrage.

Ansonsten wollen alle Bisherigen im Gemeinderat bleiben: Thomas Maier, Angelika Murer Mikolásek, Andrea Brühlmann, Nicole Zweifel, der aktuelle Gemeinderatspräsident Christian Meyer, Rico Eberle und Helena Boss Brühwiler. Kann die GLP ihren Wähleranteil halten oder gar vergrössern, haben die Neuen Dario Glasl und Alex Häner auf den Plätzen 8 und 9 gute Chancen auf einen Einzug ins Parlament.

Bei der SP treten drei von sieben Fraktionsmitgliedern nicht mehr an. Es sind dies Urs Menet, Susanne Schweizer und Leandra Columberg, die nach einer Legislatur dem Gemeinderat den Rücken kehrt. Noch eine Amtszeit anhängen wollen Sofia van Moorsel, Roland Wüest, André Csillaghy und Christian Gross.

Auf den Listenplätzen 5 bis 7 sind Marcela Caballero Crousillat – sie wurde bereits 2022 ins Parlament gewählt, verzichtete dann aber aus persönlichen Gründen auf den Sitz – sowie Chloé Charmillot und Selin Demircali. Bei einem Sitzgewinn stehen Patrick Roduner und Daniela Wettstein auf den Listenplätzen 8 und 9 bereit.

FDP: Voraussage schwierig

Die FDP konnte 2022 ein Mandat dazugewinnen und politisiert seither mit fünf Personen. Rafa Tajouri scheidet nach einer Legislatur aus dem Rat aus. Noch einmal wissen wollen es Stefan Angliker, Roger Gallati, Daniel Ganz und Sabine Meier.

Gallati kandidiert auch für den Stadtrat. Schafft er den Einzug in die Exekutive, kommen bei unverändertem Wähleranteil also zwei Neue zum Zug. Hier ist das Rennen relativ offen – zumindest wenn die Wähler im gleichen Mass panaschieren und kumulieren wie vor vier Jahren, als die FDP-Liste ziemlich durcheinandergeriet. Je nach Ausgang der Wahl haben Angelica De Monaco, Michael Steiner und Zaniyar Sharifi auf den Plätzen 5 bis 7 jedenfalls intakte Chancen.

Grüne und Mitte mit Bisherigen

Die Mitte musste 2022 einen Sitzverlust hinnehmen. Mit Patrick Schärli, Marco Lang, Remo Stadler, Anna Newec und Julia Stockmann treten alle fünf Bisherigen wieder an. Legt die Partei in der Wählergunst zu, ist Patrick Weber auf Listenplatz 6 der aussichtsreichste Kandidat.

Bei den Grünen herrscht ebenfalls Konstanz, mit Julian Croci, Ursula Brack und David Siems haben sich alle drei Bisherigen wieder aufstellen lassen. Bei einem Sitzgewinn ist AL-Kantonsrätin Judith Stofer auf Platz 4 in der Poleposition.

Die EVP will ihren Sitz mit Tanja Boesch (bisher) halten. Bei einem Wählerzuwachs könnte Benjamin Kunz auf Listenplatz 2 profitieren.

Schafft es Aufrecht ohne Corona?

Interessant ist die Ausgangslage für Aufrecht. Die Partei wurde im Zuge der Corona-Pandemie aus Massnahmengegnern und Impfskeptikern gegründet und strotzte 2022 nur so vor Selbstvertrauen: Die selbst ernannte «Bürgerbewegung» trat mit zwei Kandidaten zur Stadtratswahl an und forderte gar Stadtpräsident André Ingold (SVP) heraus.

Am Ende blieb immerhin ein Sitz im Parlament, wo die Partei im Wesentlichen als Juniorpartnerin der SVP agierte, ohne Fraktion aber von der Arbeit in den Kommissionen ausgeschlossen war. Claudia Günthart, die im Lauf der Legislatur für den umstrittenen Patrick Jetzer nachrückte, möchte in der Legislative verbleiben. Auf Platz 2 steht mit Rolf Zöbeli einer der Stadtratskandidaten von 2022.

Die EDU verlor vor vier Jahren ihren einzigen Sitz im Gemeinderat, nun möchte Markus Brechbühl wieder im Dübendorfer Parlament mitmischen.

Der Frauenanteil – und was sonst noch auffällt

Ein vertiefter Blick auf die Wahllisten der Dübendorfer Parteien zeigt deutliche Unterschiede beim Frauenanteil. Die weiblichste Liste haben die Grünen mit 56,7 Prozent, gefolgt von der Mitte (52,9 Prozent), der SP (47,2 Prozent), der EDU (45 Prozent) und der GLP (42,5 Prozent). SVP und FDP haben beide einen Anteil von 35,9 Prozent. Das Schlusslicht bilden EVP (30,8 Prozent) und Aufrecht (20 Prozent).

Und wer geht mit dem jüngsten Kandidaten an den Start? Es ist die GLP. Dominik Maier hat Jahrgang 2007, er wird auf Listenplatz 25 aber kaum eine Chance haben. Ebenso wie der älteste Teilnehmer Heinrich Küntzel (Jahrgang 1941), der auf der EVP-Liste auf Platz 6 ins Rennen geht.

Die familiärste Liste hat die EDU. Allein die Brechbühls treten mit fünf Mitgliedern an, die Kanthaks mit deren drei.

Und noch etwas fällt auf: Es geht deutlich weniger kumpelhaft zu und her. 2022 wurden die Listen häufig mit Rufnamen ergänzt, schliesslich kennt man sich im «Dorf». Da gab es unter anderen einen Pudi, einen Fredy, einen Adi oder einen Beni, eine Emmy, eine Gabi oder eine Mägi. Heute findet man gerade noch einen Ruedi oder einen Zani. (tba)

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