«Als ich das Ergebnis vernommen habe, gab es Tränen der Freude»
Neuer SP-Gemeinderat in Pfäffikon
Marc Grosspietsch (SP) erreichte 175 Stimmen mehr als sein Konkurrent Florian Appenzeller (SVP) und zieht nun in den Pfäffiker Gemeinderat ein.
Vor 20 Jahren kam Marc Grosspietsch am 1. August aus Deutschland in die Schweiz. «Und ich bin stolz auf den Heimatort Pfäffikon in meinem Pass», erzählt der SP-Politiker. Diesen wird er in Zukunft noch tatkräftiger mitgestalten können.
Mit 175 Stimmen Vorsprung auf Florian Appenzeller (SVP) konnte Grosspietsch am Sonntag einen grossen Wahlerfolg feiern. Persönlich, aber vor allem auch für seine Partei. Denn die 175 Stimmen haben entschieden, dass die Pfäffiker SP nach 14 Jahren Durststrecke wieder einen Sitz im Gemeinderat besetzen wird. 2012 sorgte der Tod der damals amtierenden SP-Gemeinderätin Ursula Angst dafür, dass die Linke ihren Platz in der Exekutive verlor. Bei der Ersatzwahl konnte die EVP den Sitz für sich gewinnen.
Wahlsieg verstorbener SP-Gemeinderätin gewidmet
Doch nun ist Schluss mit Mauerblümchendasein. «Ich habe für meine Partei gekämpft, dass wir es nach 14 Jahren wieder in den Gemeinderat zurückschaffen», sagt Marc Grosspietsch im Anschluss an die Wahl. «2012 wurden wir durch den Tod von Ursula Angst aus dem Gemeinderat gedrängt. Meinen persönlichen Wahlsieg habe ich darum Ursula Angst gewidmet.»
Er habe Demut vor dem neuen Amt und der Verantwortung für ganz Pfäffikon. «Dem Vertrauen, das mir entgegengebracht worden ist, will und muss ich gerecht werden.» Während des Wahlsonntags sei seine Nervosität laufend gestiegen. «Als ich auf dem Weg zur Wahlparty das Ergebnis vernommen habe, da gab es schon Tränen der Freude.»
Seit Mai hat er sich mit den weiteren SP-Kandidaten auf die Wahlen vorbereitet und intensiven Wahlkampf betrieben. «In einem immer noch konservativen Umfeld und auch mit meinem Migrationshintergrund war meiner Partei und mir bewusst, dass die Chancen 50 zu 50 stehen.» Die 175 Stimmen Vorsprung auf seinen Konkurrenten Florian Appenzeller (SVP) bezeichnet er jetzt sogar als «komfortabel». «Und schliesslich zählt ja nicht der Platz, sondern dass man gewählt worden ist.»
Verlierer hätte mit knapperem Resultat gerechnet
Marc Grosspietsch komplettiert den Pfäffiker Gemeinderat, der ansonsten nur aus Bisherigen besteht: Gemeindepräsident Marco Hirzel (parteilos), Stefan Gubler (FDP), Alex Kündig (EVP), Lukas Weiss (Grüne) und Rajka Frei (SVP). Von Amtes wegen Einsitz im Gemeinderat hat auch Schulpräsidentin Nicole Keller-Hochuli (FDP).
Für den SVP-Kandidaten Florian Appenzeller, der den Einzug in den Gemeinderat nicht geschafft hat, ist das Ergebnis «im Rahmen des Erwartbaren» ausgefallen. «Ich hätte sogar mit einem noch knapperen Resultat gerechnet – plus oder minus 40 Stimmen», sagte er am Sonntagabend. «Aber wir haben es scheinbar nicht geschafft, den Pfäffikerinnen und Pfäffikern die bürgerlichen Positionen der SVP genügend näherzubringen.» Trotz aktueller Niederlage schliesst er eine erneute Kandidatur in der Zukunft nicht aus.
Augenmerk bleibt auf Fusion
Grosspietsch ist seit 2017 Präsident der Pfäffiker SP. In dieser Rolle war er letztes Jahr Mitunterzeichner des offenen Briefs an Marco Hirzel, als er gemeinsam mit den Präsidien von FDP, GLP und SVP das Verhalten des Gemeindepräsidenten vor und nach der Abstimmung zur Fusion mit Wildberg kritisierte. Auch der Fusion per se steht die SP kritisch gegenüber. Ab dem 1. Juli, dem Start der neuen Legislatur, ist Grosspietsch dem Kollegialitätsprinzip verpflichtet. Ein Problem?
«Ganz klar gesagt, nein», meint Grosspietsch. «Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben im letzten Jahr einen demokratischen Entschluss getroffen, eine Fusion mit Wildberg auszuarbeiten.» Diesem demokratischen Auftrag sei er verpflichtet. «Aber ich werde sehr wohl dazu beitragen, dass alle Aspekte und Fakten einer Fusion nicht geschönt dargestellt, sondern sehr genau untersucht werden.»
Losentscheid in der Sozialbehörde
Für die sechs Sitze in der Sozialbehörde gab es acht Kandidatinnen und Kandidaten. Gewählt wurden: Michael Gut (parteilos, bisher), David Trachsler (FDP, bisher), Gabriele Brugger (EVP, bisher), Eda Aydin (FDP, bisher) und Andrea Schmid (SP, neu) . Aniela Wirz (GLP, neu) und Ulrike Held (Grüne, neu) haben beide 1683 Stimmen erreicht. Das Gesetz über die politischen Rechte sieht für dieses Ergebnis einen Losentscheid vor. Noch am Wahlsonntag wurde im Beisein der beiden Kandidatinnen eine Losziehung durchgeführt: Das Los fiel auf Aniela Wirz, die neu in die Behörde einziehen wird. (lcm)