Wahlen

Nach den Wahlen

Der Ruf nach Erneuerung war in Volketswil nicht laut genug

Die erhitzte Diskussion um die beiden Präsidiumskandidaten in Volketswil liess glauben, dass eine Veränderung ansteht. Dem war nicht so: Jean-Philippe Pinto bleibt im Amt. Dafür gab es im Gemeinderat einen Rutsch.

Jean-Philippe Pinto bleibt weitere vier Jahre Präsident von Volketswil.

Foto: Portrait: PD / Hintergrund: Fiorella Koch

Der Ruf nach Erneuerung war in Volketswil nicht laut genug

Die erhitzte Diskussion um die beiden Präsidiumskandidaten in Volketswil liess glauben, dass eine Veränderung ansteht. Dem war nicht so: Jean-Philippe Pinto bleibt im Amt. Dafür gab es im Gemeinderat einen Rutsch.

«Ich musste in diesem Wahlkampf alles geben – ich hatte einen starken Gegner.» Das sagt Jean-Philippe Pinto (Die Mitte), der siegreich aus dem Kampf um das Gemeindepräsidium in Volketswil hervorgeht. Knapp wurde es am Sonntag nicht. Mit 2555 zu 1585 Stimmen war der Abstand zu seinem Gegner nicht wenig.

Konkurrent James Frei (parteilos) ist deswegen nicht unglücklich. Gleich nach der Wahl am Sonntag verrät er: «Ich fühle mich gut.» Auch wenn er es schade finde, dass es nicht für das Präsidium gereicht hat, freue er sich auf das neue Team.

«Ich glaube, ich habe einen guten Namen in Volketswil. Die Leute glauben an mich», gibt er als Begründung für seine Wiederwahl in den Gemeinderat an, wo er nach Pinto den zweiten Platz belegte. Auch den Grund für seine Niederlage im Kampf ums Präsidium glaubt er zu kennen: «Meine fehlende Erfahrung durch meine kurze politische Karriere war sicher ein Kritikpunkt.» Entmutigen lässt er sich aber nicht. Er will sich bei der nächsten Gemeindepräsidiumswahl in vier Jahren wieder zur Verfügung stellen.

Der Präsident und das Volk zeigen Präsenz

Auch Pinto gibt an, zu wissen, wieso die Bürger von Volketswil ihn für eine dritte (und laut ihm auch letzte) Amtszeit als Oberhaupt gewählt haben. «Die Leute schätzen meine Nähe zur Gemeinde. Ich bemühe mich, grosse Präsenz zu zeigen, und versuche, an so vielen Anlässen wie möglich vor Ort zu sein.»

Präsenz zeigten auch die Bürger, und zwar an der Urne. Die Wahlbeteiligung von rund 44 Prozent für die Gemeinderats- und Präsidiumswahlen war am Sonntag fast doppelt so hoch wie beim vergangenen Wahlgang 2022. Damals stimmten nur rund 24 Prozent der Stimmberechtigten der Gemeinde ab.

Obwohl Pinto mit dem Resultat «nicht zufriedener» sein könnte, bleibt für ihn doch ein Wermutstropfen. «Ich finde es schade, dass Marcel Egloff (parteilos) und Ioana Mattle (GLP) nicht wieder in den Gemeinderat gewählt wurden.»

Vom «extremen Rechtsrutsch» überrascht

Die Wahl vom Sonntag bedeutet für den Gemeinderat eine leichte Verschiebung der politischen Ausrichtung. Die GLP verliert durch Ioana Mattle ihren Sitz. Die FDP kann jedoch durch Matthias Buob nach dem kürzlichen Parteiaustritt von Marcel Egloff ihren Platz behalten, genauso wie die SVP mit Dejan Malcic als Nachfolger von Thomas Brauch.

Pinto zeigt sich überrascht: «Das ist ein rechtsbürgerlicher Rutsch. Ich habe das auf nationaler Ebene erwartet, nicht aber kommunal.» Auch Mattle und Egloff teilen diese Ansicht. Beide sind verwundert über ihre Nichtwiederwahl. Sie sprechen gar von einem «extremen Rechtsrutsch».

Wie es jetzt weitergeht

Marcel Egloff selber kann sich nicht erklären, wieso er nicht wiedergewählt wurde. Seinen Austritt aus der FDP will er dafür nicht verantwortlich machen. Und auch wenn es ihn Stimmen gekostet haben könnte: «Ich will mich nicht verbiegen, um in einer Partei zu bleiben. Ich bin ich – und ich lebe mit den Konsequenzen.»

Ioana Mattle ist enttäuscht über den Ausgang der Wahlen. Sie mache sich vor allem Sorgen um «ihre» Sozialabteilung. «Ich habe dort viel Aufbauarbeit geleistet und weiss jetzt nicht, wie es weitergehen soll.» Ganz weg aus der Politik möchte sie nicht. «Ich will mich weiter in der Gemeinde engagieren, denn sie liegt mir am Herzen.»

Dejan Malcic und Matthias Buob hingegen sind «glücklich» und «sehr zufrieden.» Malcic sagt: «Die Bevölkerung hat gemerkt, dass der bisherige Kurs nicht der richtige war und es Veränderung braucht. Die Bürgerlichen zeigen in die richtige Richtung – vor allem bei der Priorisierung der Finanzen.» Buob ergänzt: «Nach mehreren Jahren Stillstand gilt es jetzt, die Räder in der Politik wieder zum Laufen zu bringen.»

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