FDP und SVP duellieren sich um die Sitze in Bäretswil
Vor den Wahlen
Wie viele Sitze ergattern die FDP und die SVP im Bäretswiler Gemeinderat? Sowohl im Gemeinderat als auch um das Schulpräsidium kommt es zu einem Zweikampf.
Für Teodoro Megliola dürfte es ein ruhiger Wahlsonntag werden. Vor vier Jahren erzielte der damals noch Parteilose das beste Resultat aller Gemeinderäte in Bäretswil. Seine vierte Amtszeit als Gemeindepräsident ist reine Formsache.
Neu ist allerdings, dass Megliola inzwischen als FDP-Mitglied antritt. Für ihn war der Parteieintritt eine «folgerichtige, konsequente Weiterentwicklung». Denn er sei schon als Parteiloser bürgerlich unterwegs gewesen. Es sei wie beim Joggen oder Velofahren: «Im richtigen Team machts mehr Spass.»
Gleichzeitig gehe es aber auf Gemeindeebene in erster Linie um Sachpolitik und «eine konstruktive Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg». Als Gemeindepräsident vertrete er die Interessen der gesamten Bevölkerung von Bäretswil.
Zu den prägendsten Themen in der nächsten Leglislatur zählt er die Fertigstellung der neuen Turnhalle in Adetswil, das Entwicklungskonzept für das Areal Dorf sowie die Umsetzung der Aufwertung der Bahnhofstrasse. Damit dürfen sich dann auch jene Kandidaten herumschlagen, die sich neu zur Wahl stellen.
Zweikampf um frei werdenden Sitz
Spannender wird etwa das Rennen um den zweiten FDP-Sitz im Gemeinderat. Die bisherige Vizepräsidentin Barbara Schoch Gübeli tritt nach 12 Jahren nicht mehr an. Sie erreichte 2022 das zweitbeste Resultat hinter Megliola.
Nun will Thomas Leu den FDP-Sitz verteidigen. Vor vier Jahren schaffte er zwar das absolute Mehr, verpasste die Wahl aber als Überzähliger. Da es 2022 keinen vakanten FDP-Sitz gab, sei die Ausgangslage heute anders, betont er. Zudem habe er sich seither bereits sehr stark politisch in der Gemeinde engagiert.

Zu diesem Engagement gehört für Leu der intensive Austausch mit der Bevölkerung. Um verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen, helfe ihm seine langjährige Erfahrung als Ökonom und Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Er möchte zuhören und über Kompromisse zu Lösungen gelangen. «Es ist besser, kleine Schritte in die richtige Richtung zu gehen, statt einfach gar nichts zu wagen.»
Denn Herausforderungen gibt es genug. So brauche es in Bäretswil beispielsweise zusätzliche Angebote für die älter werdende Gesamtbevölkerung oder Beratungsangebote für eine «sichere, dezentrale Energieversorgung». Das Bedürfnis danach zeige die zunehmende Anzahl Photovoltaikanlagen auf den Hausdächern.
Nicht zuletzt sei generell ein gutes Zusammenleben wichtig. Leu möchte deshalb unter anderem abklären, ob sich die Bevölkerung einen neuen Begegnungsort für alle Generationen wünscht.
SVP stellt Anspruch auf zusätzlichen Sitz
Den Sitz streitig machen will Leu die örtliche SVP-Präsidentin Susanne Gerber. «Es braucht eine ausgewogene Vertretung unterschiedlicher Sichtweisen», begründet sie den Anspruch der SVP auf einen weiteren Sitz im Gemeinderat. Ihre Partei sei in Bäretswil stark verankert.

Die SVP hatte vor vier Jahren allerdings eine Schlappe einstecken müssen. Sie trat bereits nur mit drei Kandidaten an, um ihre vier Sitze zu verteidigen. Am Schluss schafften lediglich Lisa Dietrich-Bieri und Beat Fuhrer die Wiederwahl.
Gerber bringt Erfahrung mit. Sie hat bereits zwei Amtszeiten in der Rechnungsprüfungskommission hinter sich. Die «wertvollen Einblicke in die finanziellen und strukturellen Herausforderungen» der Gemeinde möchte sie nun in der Exekutive tragen.
Sie steht denn auch für «klare Prioritäten statt teure Experimente» ein. Dazu gehöre ein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern. Bäretswil soll «finanziell solide, sicher und lebenswert» sein – und dabei stets seinen Dorfcharakter bewahren.
Zweites Duell ums Schulpräsidium
Es könnte der SVP aber nicht nur für drei, sondern sogar für vier Sitze reichen. Die Partei würde damit die Einbusse von 2022 wieder ganz wettmachen. Nämlich dann, wenn neben Susanne Gerber auch Philippe Délitroz als Schulpräsident gewählt wird und damit automatisch im Gemeinderat Einsitz nimmt.
Der Informatiker möchte mit seiner Projekt- und Führungserfahrung «als schulischer Aussenseiter frischen Wind» in das Amt bringen. Es gelte, Gutes zu bewahren und Veränderungen so zu gestalten, dass sie «zu Bäretswil und seinen verschiedenen Schulhäusern und Kulturen passen». Délitroz setzt auf traditionelle Werte und pragmatische Lösungen, «um die Kinder möglichst gut auf das Leben nach der Schule vorzubereiten».
Doch Délitroz erhält mit Daniela Schoch prominente Konkurrenz. Die FDP-Kandidatin sass bereits von 2018 bis 2022 in der Bäretswiler Schulpflege, trat dann aber nicht mehr an.

Beruflich ist Schoch als Schulleiterin in Hinwil tätig und hat zudem Erfahrung als Mitglied der Geschäftsleitung des kantonalen Schulleitungsverbands. Sie stehe für eine «moderne, zukunftsfähige Schule, die Kindern Sicherheit gibt und sie für zukünftige Herausforderungen ausbildet». Die Schule müsse aber auch die Lehrpersonen stärken und gegenüber den Eltern verlässlich und verantwortungsvoll auftreten.
Die Kandidaten für den Gemeinderat Bäretswil
Lisa Dietrich-Bieri (SVP, bisher)
Christian Fischer (EVP, bisher)
Beat Fuhrer (SVP, bisher)
Susanne Gerber (SVP, neu)
Beat Häfliger (parteilos, bisher)
Thomas Leu (FDP, neu)
Teodoro Megliola (FDP, bisher), auch als Präsident (bisher)