In Hinwil ist die FDP die grosse Wahlsiegerin
Es wird gerückt, und zwar ins Zentrum: Der zuvor liberal-konservativ geprägte Hinwiler Gemeinderat wird in der Mitte gestärkt. Im siebenköpfigen Gremium bleibt die FDP mit drei Sitzen die stärkste Partei. Neben der bisherigen Gabriela Casutt-Honegger schaffen Herta Hubert-Kunz und Christina Haffter die Wahl. Der Entscheid der FDP, mit einem reinen Frauen-Trio zur Wahl anzutreten, hat sich damit bezahlt gemacht.
«Im Vorfeld darf man ja nicht damit rechnen, aber ich hatte es gehofft, dass wir drei Frauen alle gewählt werden», sagt am Sonntagabend eine überglückliche Casutt-Honegger. Es sei ein «hammermässiger Tag» für sie und ihre Partei.
Neue Partei im Gemeinderat ist Die Mitte. Für sie nimmt Brigitte Wälchli-Gemperli Einsitz. Neu belegt auch der parteilose Florian Michel einen Sitz. Der 37-Jährige erzielte überraschend hinter den wiedergewählten Andreas Bühler (SP), Casutt-Honegger (FDP) und Beat Amstutz (SVP) das viertbeste Wahlergebnis.
SVP verliert zwei Sitze
Michel erbt damit einen jener beiden Sitze, die die SVP verliert. Bereits im Vorfeld der Wahlen war klar, dass die Volkspartei einen Gemeinderatssitz abgeben muss. So trat neben Amstutz nur Roland Brändli für die SVP an. Der Kantonsrat und das Mitglied des kantonalen SVP-Vorstands schied als überzähliger Gewählter aus.
«Letztlich kommt das für mich nicht so überraschend», sagt Brändli im Nachgang der Wahl. SVP-Politiker mit einer «klaren Meinung» blieben auf der Strecke, ihnen würden Parteilose vorgezogen, die noch keine Fehler gemacht oder sich bewiesen hätten. Die Gründe hierfür sieht der Parteipräsident der SVP Hinwil auch in einer allgemeinen Stimmung in der Bevölkerung.
Gemeinderat
| Kandidat | Partei | Wahl-Status | Stimmen | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Bühler Andreas (bisher) | SP | ||||
| FDP | SVP | parteilos | Die Mitte | FDP | FDP |
| Brändli Roland (neu) | SVP | überzählig | |||
| Hagen Franziska (neu) | SP | überzählig | |||
| Meier Moritz (neu) | Juso | nicht gewählt | |||
| Prüher Rainer (neu) | Freunde d. Verf. | nicht gewählt |
Auf der anderen Seite des politischen Spektrums schied SP-Kandidatin Franziska Hagen als überzählig gewählt aus. Als Trost für die SP zu werten sein dürfte, dass Andreas Bühler neu das Amt des Gemeindepräsidenten bekleidet. Ohne Gegenkandidat und im Vorfeld von allen Seiten unterstützt wurde er vom Volk gewählt, womit nach drei Legislaturperioden unter SVP-Politiker Germano Tezzele das Amt in linker Hand ist.
Wie der Gemeinderat war auch die Hinwiler Schulpflege vorab der Wahlen umstritten. Für die Behörde, die neu nur noch aus fünf statt sieben Mitgliedern bestehen wird, kandidierten nicht weniger als zehn Personen.
Schulpflege
| Kandidat | Partei | Wahl-Status | Stimmen |
|---|---|---|---|
| Ludescher Thomas (bisher) | parteilos | ||
| parteilos | parteilos | SP | |
| Müggler Daniela (neu) | FDP | abs. Mehr verpasst, nicht gewählt | |
| Hirzel Patrick (neu) | SVP | nicht gewählt | |
| Ward-Brändli Nicole (neu) | SVP | nicht gewählt | |
| Andres Christina (neu) | FDP | nicht gewählt | |
| Haller Ilona (neu) | parteilos | nicht gewählt | |
| Pellaton-Savoldelli Marisa (neu) | parteilos | nicht gewählt |
Neben den bisherigen parteilosen Thomas Ludescher, Monica Raster und Monika Lutz gelang im ersten Wahlgang nur Felix Inderbitzin (SP) die Wahl in die Schulpflege, die neu von Ludescher präsidiert wird.
Schulpräsidium
| Kandidat | Partei | Wahl-Status | Stimmen |
|---|---|---|---|
| Ludescher Thomas (neu) | parteilos | ||
| Ward-Brändli Nicole (neu) | SVP | nicht gewählt |
Nicole Ward-Brändli (SVP) unterlag dem 56-jährigen Betriebswirtschaftler, der seit 2010 Mitglied und Vizepräsident der Schulpflege ist, deutlich. Gemeinsam mit ihrem Parteikollegen Patrick Hirzel verpasste sie zwar das absolute Mehr für die Schulpflege, befindet sich aber mit demselben hinter Daniela Müggler (FDP) nach wie vor in aussichtsreicher Position für den zweiten Wahlgang am 15. Mai.
FDP gewinnt Sitz in RPK
Neben dem Gemeinderat zählt die FDP auch in der Rechnungsprüfungskommission (RPK) der Gemeinde zu den Gewinnerinnen. Sie kann ihre zwei Sitze halten und sogar einen dritten Sitz gewinnen – scheitert allerdings in der Kampfwahl ums RPK-Präsidium.
Abgesehen vom bisherigen Frank Hähni wurden neu Andreas Schönbächler und Bernard Grütter für die Liberalen in die Behörde gewählt. Sie gesellen sich zu den wiedergewählten Oswald Achermann (Die Mitte) – der auch der neue RPK-Präsident ist – Beat Honegger (parteilos), Flavio Cortesi (SVP) und Maya Nussbaum-Gräser (SP).
Sozialbehörde und Kirchenpflege unumstritten
Ruhiger hatte sich die Ausgangslage bei der Erneuerungswahl der Sozialbehörde präsentiert. Für die vierköpfige Behörde hatten sich auch nur vier Kandidierende aufstellen lassen, die alle gewählt wurden.
Und auch bei der Wahl der Evangelisch-reformierten Kirchenpflege haben alle sieben Kandidierenden auf Anhieb das absolute Mehr erreicht. Geleitet wird die Instanz neu von Jürg Schärer, der sich als einziger der Wahl zum Präsidenten gestellt hatte.