Ein Hut zu viel für Volketswiler Politiker Benjamin Fischer
Volketswil gilt gemeinhin als SVP-Hochburg. Bei den Behördenwahlen vom Sonntag erlebte die Partei nun aber ein Debakel. Angetreten mit drei Kandidaten, schaffte lediglich der neue Thomas Brauch den Sprung in die Exekutive. Nicht mehr gereicht hat es dagegen Christian Knechtle. Wurde er vor vier Jahren noch mit den wenigsten Stimmen aller gewählten Kandidaten im Amt bestätigt, schied er nun als Überzähliger aus.
Überraschender ist aber die Nichtwahl des Politschwergewichts Benjamin Fischer. Der Nationalrat belegt sogar nur den letzten Platz aller neun Kandidierenden.
Fischer zeigt sich von der persönlichen Niederlage gefasst. «Mir wird deswegen nicht langweilig.» Als eine Erklärung sehe er, dass er als Präsident der SVP Kanton Zürich und neuerdings als Nationalrat schon gewichtige politische Ämter innehabe. «Ich musste mir einige Male auf der Strasse die Frage gefallen lasse, ob ich all die Mandate unter einen Hut bringe.» Diese Frage sei durchaus berechtigt, allerdings habe er das Amt als Nationalrat erst nach seinem Entscheid zur Gemeinderatskandidatur von Hans-Ueli Vogt geerbt.
Kritisch interpretiert er dagegen das gesamte Abschneiden seiner Partei. «Für die SVP ist das heutige Ergebnis schlecht. Dass wir nach der Abwahl von Christian Knechtle nur noch einen Gemeinderat haben, ist sehr enttäuschend.»
GLP mit weiblicher Verstärkung
Erneut jubeln konnte dagegen die GLP. Schon bei den Wahlen vor vier Jahren wurde mit Michael De Vita-Läubli der erste GLP-Vertreter überhaupt in den Volketswiler Gemeinderat gewählt. Mit Ioana Mattle schaffte es nun eine weitere Grünliberale in die siebenköpfige Exekutive. Dass es Mattle als Politneuling gleich im ersten Anlauf in die Volketswiler Regierung gereicht hat, mag auf den ersten Blick überraschend sein.
Neun drängen auf die sieben Volketswiler Gemeinderatssitze
01.03.2022

Gemeindewahlen 2022
Gewichtige Abgänge, Kampfwahlen und ein ehemaliger Präsident, der es nochmal wissen will. Beitrag in Merkliste speichern Mattle sagt dazu: «Ich habe bis zum Schluss gezittert. Umso grösser ist die Erleichterung, dass es gereicht hat.» Von einer Stärkung der linken Seite, in Anbetracht der bürgerlichen Mehrheit, will Mattle nichts wissen. «Die Parteizugehörigkeit ist im Gemeinderat nicht so wichtig. Entscheidend ist, Volketswil gemeinsam voranzubringen.»
Erfolgreich gebar sich der Wahlsonntag auch für die FDP. Alle bisherigen Behördenvertreter der Partei wurden klar wieder in die Gremien gewählt. Mit Marcel Egloff und Dimitrios Gakidis konnten die Liberalen je einen Sitz im Gemeinderat und in der Schulpflege dazugewinnen.
Weiterhin unangetastet bleibt Jean-Philippe Pinto (Die Mitte), der als Gemeindepräsident bestätigt wurde. Mit 2091 Stimme wurde er zudem mit dem besten Resultat in die siebenköpfige Exekutive gewählt. Somit sind neben Pinto die bisherigen Karin Ayar (FDP), Michael De Vita-Läubli (GLP) und Daniel North (FDP) für die kommende Legislatur gewählt. Dazu komplettieren die drei neuen Thomas Brauch (SVP), Ioana Mattle (GLP) und Marcel Egloff (FDP) die Behörde.
Gemeinderat
| Kandidat | Partei | Wahl-Status | Stimmen | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Pinto Jean-Philippe (bisher) | Die Mitte | ||||
| FDP | FDP | GLP | FDP | SVP | GLP |
| Knechtle Christian (bisher) | SVP | überzählig | |||
| Fischer Benjamin (neu) | SVP | überzählig |
Schulpflege – ein heisses Pflaster
Mit Spannung wurden auch die Resultate in die Schulpflege erwartet. Einerseits weil in naher Zukunft über die Einzelinitiative des ehemaligen Schulpflegemitglied Klaus Näder an der Urne abgestimmt wird, die letztlich über die Bildung einer Einheitsgemeinde und damit die Auflösung der Schulgemeinde entscheiden könnte. Eine erste Abstimmung hätte eigentlich im Februar stattfinden sollen, wurde aber vom Bezirksrat aufgehoben. Laut diesem habe die Schulpflege irreführend und einseitig berichtet.
Als Schulpräsident stand Yves Krismer (FDP) im Zentrum dieser Kritik. Er trat ohne Gegenkandidat zur Wahl an und wurde mit 1227 Stimmen im Amt bestätigt.
Schulpflege
| Kandidat | Partei | Wahl-Status | Stimmen | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fehr Raffaela (bisher) | FDP | ||||||
| parteilos | parteilos | FDP | Die Mitte | parteilos | SVP | FDP | SVP |
| Ferrarini Claudio (neu) | SVP | überzählig | |||||
| Carreira Jean-Claude (neu) | SVP | überzählig |
Andererseits haben vier von neun Schulpflegemitglieder auf eine Wiederwahl verzichtet und somit einer neuen Zusammensetzung den Weg geebnet. Für die SVP gebar sich auch diese Wahl zu keinem erfolgreichen Unterfangen. Von vier Kandidierenden eroberten nur der bisherige Raphael Banti und die neue Sabina Hostettler einen Sitz. Die beiden neuen Claudio Ferrarini und Jean-Claude Carreira fielen als Überzählige weg.
Gewählt sind die bisherigen Raffaela Fehr (FDP), Maja Roca-Boelsterli (parteilos) und Sabine Wegmann (parteilos). Auch die neuen Dimitrios Gakidis (FDP), Mike Halbheer (Die Mitte) und Matthias Lüthi (parteilos) sind ab kommender Legislatur Teil der Schulbehörde.
