Fällander sagen Ja zur Ausgliederung der Werke
Die Fällander Werke werden zur Aktiengesellschaft. Der Preis? Laut Gegnern höhere Tarife und weniger Mitsprache. Der Gemeinderat winkt ab: Jetzt könne man effizient arbeiten wie ein richtiges Unternehmen.
Die Werke der Gemeinde Fällanden werden ausgegliedert, 55,17 Prozent der Stimmberechtigten sprachen sich am Sonntag für das Vorhaben des Gemeinderats aus. Die Stimmbeteiligung lag bei hohen 51,69 Prozent.
Damit werden die Bereiche Elektrizität, Wasser und Wärme per 1. Januar 2027 aus den Gemeindewerken in eine Aktiengesellschaft überführt. Diese bleibt vollumfänglich im Besitz der Gemeinde Fällanden. Nicht Teil der Vorlage waren die Wasserentsorgung und die Abfallbewirtschaftung.
Emotionaler Abstimmungskampf
Dem Urnengang ging ein emotionaler Abstimmungskampf voraus. Die Befürworter argumentierten mit schnelleren Entscheidungsprozessen und mehr Flexibilität durch eine unternehmerische Führung, während der Gemeinderat weiterhin die Kontrolle behalte. Die Gegner wiederum warnten vor einem Verlust direkter Mitsprache, Doppelstrukturen und höheren Tarifen.
Besonders intensiv zu und her ging es auf der Onlineplattform Inside Fällanden, wo Befürworter und Gegner fleissig und ausgiebig Argumente austauschten, dabei auch mal persönlich wurden und sich gegenseitig der Verbreitung von Fake News bezichtigten.
Das Ganze erinnerte an den Abstimmungskampf vor dem Urnengang über die Ausgliederung des Alterszentrums Sunnetal, bei dem der Fällander Gemeinderat im Februar 2025 eine deutliche Niederlage einstecken musste.
Und was ist mit der Entsorgung?
Dass es diesmal anders kam, erklärt sich der Fällander Tiefbau- und Werkvorstand Thomas Bürki (parteilos) damit, dass das Thema Altersheim beziehungsweise die Altenpflege einen viel grösseren emotionalen Aspekt habe. «Dagegen ist man eher bereit, technische Entscheide, die die Infrastruktur betreffen, an eine AG auszulagern.»
Er freue sich sehr, dass die Stimmberechtigten die Bedeutung der Werke erkannt hätten und mit ihrem Ja an der Urne deren Entwicklung unterstützten, sagt Bürki. Offenbar habe man der Bevölkerung erfolgreich vermitteln können, dass die naturgemäss langsameren Abläufe in einer Verwaltung in Zukunft zu Schwierigkeiten führen würden. «Nun können wir schnell und effizient wie ein richtiges Unternehmen agieren.»
Fasst der Gemeinderat nach der gewonnenen Abstimmung nun auch die Ausgliederung der Abwasser- und Kehrichtentsorgung ins Auge? Bürki winkt ab. «Jetzt nehmen wir mal die Arbeit auf und machen uns an die Nutzung der Ara-Abwärme im Unterdorf», sagt er. «Wenn wir dann bewiesen haben, dass wir gut arbeiten, können wir immer noch darüber reden.» Aber das sei Zukunftsmusik.
«Mitbestimmung geht verloren»
Für die Ausgliederung der Werke waren die FDP und die GLP, dagegen votierten die Mitte und die SVP. Die SP hatte Stimmfreigabe beschlossen. Mitte-Präsident Dietrich Hunkeler hatte sich schon 2014 gegen die Pläne des Gemeinderats gestellt, als dieser die Elektrizitätswerke an die EKZ verkaufen wollte – und ebenfalls deutlich scheiterte.
Hunkeler ist überrascht vom deutlichen Resultat am Sonntag. «Dieses Mal war wohl mitentscheidend, dass die Werke als AG immerhin in der Gemeinde bleiben, auch wenn die demokratische Mitbestimmung weitgehend verloren geht.»
Er gehe davon aus, dass die Gebühren steigen würden, sagt er. Dies in erster Linie wegen der Schnittstellen zwischen der Gemeindeverwaltung und der AG, die jetzt aufgebaut werden müssten. «Der Aufwand hierfür wird beträchtlich sein, und ich denke, dass der Gemeinderat zu wenig transparent gemacht hat, wie hoch die Kosten sein werden.»
Fällander Werke zu klein
Er erwarte, dass der Verwaltungsrat der neuen AG Kooperationen mit anderen Werken eingehe, denn für grössere Projekte seien die Fällander Werke einfach zu klein. Dies insbesondere in Bezug auf die Fernwärme, sagt Hunkeler.
Rund um Fällanden würden Fernwärmenetze aufgebaut, der Gemeinderat aber habe sich mit der Abwärme der Ara Bachwis auf eine lokale Lösung fokussiert, die darüber hinaus bereits seit Jahren verzögert worden sei. «Nun», sinniert Hunkeler, «werden wir nicht mehr darüber abstimmen können.»
