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Hittnauer Gemeindepräsident

Carlo Hächler: «Ich hätte mein Velo vor dem Gemeindehaus abschliessen sollen»

2021 übernahm Carlo Hächler (FDP) das Gemeindepräsidium in Hittnau, nun tritt er ab. Im Abschiedsfragenhagel blickt er noch einmal auf seine Amtszeit zurück.

Carlo Hächler übergibt das Amt des Gemeindepräsidenten ab dem 1. Juli an seinen Nachfolger Reto Huber (SVP). (Archivbild)

Foto: Seraina Boner

Carlo Hächler: «Ich hätte mein Velo vor dem Gemeindehaus abschliessen sollen»

Fünf letzte Fragen an …

2021 übernahm Carlo Hächler (FDP) das Gemeindepräsidium in Hittnau, nun tritt er ab. Im Abschiedsfragenhagel blickt er noch einmal auf seine Amtszeit zurück.

Als Gemeindepräsident wird man selbst beim Samstagseinkauf im Laden auf offene Polit-Fragen angesprochen. Hat Sie das eher genervt oder gefreut?

Carlo Hächler: Die vielseitigen Kontakte freuten mich immer sehr. Dabei erfuhr ich vieles, was ich noch nicht wusste, bekam gute Ideen und Alternativansätze für aktuelle Aufgaben und konnte auch Anliegen zu persönlichen Problemen entgegennehmen. Dass man als Gemeindepolitiker angesprochen wird, finde ich sehr schön und zeichnet unser Milizsystem mit Volksnähe aus.

Was haben Sie während Ihrer Zeit als Gemeindepräsident neu gelernt?

Trotz langjährigem Engagement in unserem Milizsystem, unter anderem auch als Milizoffizier in der Armee, habe ich viel Neues im Ablauf von Geschäften mit der Verwaltung gelernt. Einerseits müssen viele Stellen angesprochen und gewonnen werden für Anliegen der Gemeinde, insbesondere bei kantonalen Verwaltungsstellen. Und andererseits muss alles perfekt daherkommen – kleinste Fehler oder Unvollständigkeiten führen zu einer Rückgabe an den Absender, und das gesamte Anliegen muss neu eingereicht werden. Diese Art der Governance, welche in der Privatwirtschaft speditiver abläuft, führt oft zu sehr langen Bewilligungsprozessen. Erschwerend kommt dann dazu, dass Vorgaben im Lauf der Zeit ändern und auch Mitarbeitende wechseln und andere Schwerpunkte setzen. Dies bedingt bei Gemeindepolitikern grosse Geduld und Beharrungsvermögen.

Auf welches Projekt oder welche Entscheidung blicken Sie zurück und denken: Das war mein persönlicher «Hittnau-Moment», für den sich der ganze Effort gelohnt hat?

Während meiner Zeit als Gemeinderat konnten drei bauliche Vorhaben entscheidend vorwärtsgebracht werden. Da ist etwa das Ärztezentrum Hittnau Care, welches für unsere Gesundheit einen hohen Wert gibt und zudem auch den Finanzen guttut. Auch die Räumlichkeiten für unsere Verwaltung konnten realisiert werden, und wir haben bürotechnisch sehr attraktive Arbeitsplätze. Und besonders freut mich, dass auf dem 1967 geerbten Luppmenareal nun Klarheit herrscht über die gesamte Nutzung, wo Alterswohnungen entstehen werden und einige andere, verschiedene Wohnformen angeboten werden können. Mit den Räumlichkeiten in der Villa für die öffentliche Nutzung, mit dem wunderschönen Park und den Gewässern werden wir in Hittnau eine Besonderheit nutzen können, auf die wir wohl stolz werden dürfen.

Gab es einen Moment in Ihrer Amtszeit, in dem Sie dachten: Wäre ich heute Morgen bloss im Bett geblieben?

Nein, das nie. Aber oft war ich froh, wenn ein schwieriges Geschäft gelöst werden konnte. Vor, während und auch nach Gemeindeversammlungen war immer eine gewisse Anspannung vorhanden. Nachher schlief ich meist gut und lang und konnte dann am folgenden Morgen entspannt den neuen Tag anpacken.

Welches Gerücht über das Leben als Gemeindepräsident können Sie nach über fünf Jahren endlich dementieren?

Es ist nicht so, als hätte ein Gemeindepräsident irgendwelche Privilegien. Auch ich muss meine Steuern bezahlen und dabei noch besonders vorbildhaft alles angeben. Und auch ich hätte mein Velo vor dem Gemeindehaus abschliessen sollen – dann hätte ich mein Mountainbike noch.

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