«Untragbare Verkehrsflut» durch Fällanden – oder gar nicht so schlimm?
Die verstaubte Idee einer Umfahrung Fällanden wurde an der Gemeindeversammlung neu aufgetischt. Befürworter und Gegner lieferten sich einen Schlagabtausch.
Verkehr war das dominante Thema an der Gemeindeversammlung in Fällanden. Schon die Anreise kam im Plenum zur Sprache, weil es Gemeindepräsident Tobias Diener (FDP) wundernahm, wie viele der Anwesenden in der Zwicky-Fabrik vom neuen Busservice Gebrauch machten, den die Gemeinde organisiert hatte. Effektiv waren es zwölf Personen, die am Mittwochabend von Haltestellen in Benglen, Pfaffhausen und Fällanden kostenlos ans Ziel chauffiert wurden.
Um die Zeit ist der Strassenverkehr in Fällanden moderat, anders als zu Stosszeiten. Roland Baldinger brachte diese Problemstellung mit seiner Einzelinitiative vor 150 anwesenden Stimmberechtigten wieder aufs Tapet. «Die Verkehrsflut am Kreisel ist untragbar», sagte er. «Täglich zwängen sich dort Tausende durch.»
Möglichst viel Durchgangsverkehr vom Sternen-Kreisel fernzuhalten: Das ist das Ziel von Baldingers Initiative. Dafür soll sich der Gemeinderat bei den zuständigen Stellen einsetzen, damit eine Umfahrung Fällanden im kantonalen Richtplan Einzug findet.
Roland Baldinger legte die Causa Umfahrung Fällanden breit dar und erinnerte daran, dass der frühere Gemeinderat gegen die Strasse gewesen war und seine ablehnende Haltung beim Kanton kundgetan hatte. Der Kantonsrat schliesslich hatte sich 2014 knapp dafür ausgesprochen, die Umfahrung aus dem Richtplan zu streichen.

«Den Stimmbürger hat man dazu nie befragt», sagte Baldinger. Dabei könne die Lösung ja nur eine Umfahrung sein, in welcher Form auch immer.
Natur «opfern»
Bald schon drehte sich die Diskussion darum, wo diese Strasse in Zukunft durchführen könnte und wie viel Wald und Wiesen dafür geopfert werden müssten.
Wir haben eine richtig schöne, grosse Kulturlandschaft, die mit der Umfahrung zerschnippelt werden soll.
Votantin
Ein Votant meinte, dass die Initiative angenommen werden solle, damit man die Strasse vom Schützenhaus Richtung Dübendorf bekomme. So werde auch der Bus nicht mehr wie heute im Stau stehen.
SVP-Präsident Huldrych Thomann sagte, dass für die Strasse «ein kleines Opfer» in Form eines Stücks Natur erbracht werden müsse. «Wie gescheit es herauskommt, hängt dann auch vom neuen Gemeinderat ab.» Und weil er selbst kandidiert, sorgte er für Lacher, indem er anfügte: «Ich hoffe, es gibt einen guten neuen Gemeinderat.»
Doch ein Votant zweifelte am Einfluss Fällandens auf ein mögliches Projekt: «Sobald das in den Händen des Kantons ist, haben wir als Gemeinde gar nichts mehr zu sagen.»
Zuverlässigerer ÖV soll her
Gegen die Initiative stellt sich auch der Gemeinderat. Sicherheitsvorstand Ruedi Maurer (parteilos): «In den 1970er Jahren ist das Thema Umfahrungsstrasse aufgekommen, seither ist nichts Fruchtbares passiert.» Aktuell habe sich der Gemeinderat bei der Erarbeitung des Gesamtverkehrskonzepts und der Revision des kommunalen Richtplans Verkehr vertieft mit dem Thema Umfahrung auseinandergesetzt.
Diverse Gespräche mit den kantonalen Fachstellen hätten deutlich gemacht, dass die Realisierungschancen aufgrund der kantonalen Vorgaben sehr gering seien, so Maurer. Sein Rezept gegen das Verkehrswachstum: die Zuverlässigkeit des ÖV steigern.
Mit einem Nein streichen wir die Flagge.
Mitunterzeichner der Initiative
Eine Votantin befürchtete einen grossen Einschnitt bei einem Ja zur Initiative: «Wir haben eine richtig schöne, grosse Kulturlandschaft, die mit der Umfahrung zerschnippelt werden soll.» Für einen Mann aus Pfaffhausen führte hingegen kein Weg an einer Umfahrung vorbei. «Für ein wohnliches Fällanden finde ich diesen Durchgangsverkehr absolut unwürdig.»
Erinnerungen an den Verkehrspolizisten
Ein Gegner des Begehrens wiederum beschrieb den morgendlichen und abendlichen Verkehr als entspannte Reise. So brauche er von seinem Wohnort an der Langäristrasse im schlechtesten Fall fünf Minuten bis zum Sternen-Kreisel. Um 18 Uhr von Dübendorf kommend, müsse er vielleicht mal zehn bis zwölf Minuten warten. «Das ist der ganze Stau.» Er habe das früher viel schlimmer erlebt, als der Polizist noch auf der Kreuzung gestanden sei oder dort die Lichtsignalanlage in Betrieb gewesen sei. «Das war eine Katastrophe.»
Einer der Mitunterzeichner der Initiative appellierte: «Mit einem Nein streichen wir die Flagge. Dann heisst es, dass wir sehr zufrieden mit dem heutigen Verkehr sind.» Stattdessen müsse man ein Zeichen an den Kanton senden, dass die jetzige Situation nicht in die Zukunft getragen werden könne.
Die Abstimmung fiel letztlich mit 59 Ja- zu 83 Nein-Stimmen zuungunsten der Umfahrungsbefürworter aus. Einen Achtungserfolg konnten sie mit diesem Ergebnis gleichwohl für sich verbuchen.
Der Versuch eines Stimmberechtigten, die Einzelinitiative an die Urne zu bringen, scheiterte. Gemeindepräsident Tobias Diener sagte nach Rücksprache im Gremium, dass dies von Gesetzes wegen nicht möglich sei.
Die zwölf mit dem Bus angereisten Personen durften am Ende der Versammlung wieder den Chauffeurdienst nach Hause in Anspruch nehmen. Zu der späten Uhrzeit höchstwahrscheinlich ohne Stau.
Die weiteren Geschäfte
Die Gemeindeversammlung hat 330’000 Franken für einen Projektierungskredit zur Sanierung des Hauses 4 der Schulanlage Buechwis in Benglen mit grossem Mehr bewilligt. Das über 50-jährige Gebäude mit Lehrschwimmbecken und Turnhalle weist schwere Mängel auf. Für die Gesamtsanierung rechnet man heute mit rund 10,75 Millionen Franken. Ein weiterer Projektierungskredit wird der Gemeindeversammlung im nächsten Jahr vorgelegt. Auf 2028 ist eine Urnenabstimmung über den Objektkredit geplant.
Grossmehrheitlich wurde der Beförsterungsvertrag zwischen der Gemeinde Fällanden und der Holzkorporation Dübendorf angenommen. Der Vertrag ersetzt die bisherige Lösung mit Maur und Mönchaltorf. Die jährlichen Kosten steigen auf rund 60'000 Franken, das sind etwa 12’000 Franken mehr als zuvor.
Der Gemeinderat beantwortete eine Frage zum Thema sachgebundene Steuererhöhung. (dam)