Wangen-Brüttisellen rupft die BZO wie ein Huhn
An der Gemeindeversammlung in Wangen-Brüttisellen wurde die teilrevidierte Bau- und Zonenordnung erhitzt und lang diskutiert. Ein Teil der neuen Vorschriften wurde herausgestrichen, und die Besprechung kam noch nicht zum Abschluss.
Es war ein Ja mit einem grossen Aber. Die Gemeindeversammlung Wangen-Brüttisellen befasste sich über drei Stunden lang mit der Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO). Die Abstimmung über den privaten Gestaltungsplan Torfmatt musste wegen vorgerückter Stunde auf den nächsten Tag verschoben werden.
Nachdem Gemeindepräsidentin Marlis Dürst (Forum Wangen-Brüttisellen) die Anwesenden begrüsst hatte, stellte Hochbauvorstand Marco Gamma (FDP) die neue BZO vor. Teilweise ging es um den Nachvollzug kantonaler Richtlinien, teilweise um kommunale Anpassungen. Einige Änderungen hob er speziell hervor. Etwa Mindestvorgaben bezüglich Dachbegrünungen, Grünflächenziffern sowie Regelungen zum Baumschutz und zur Baumpflanzpflicht. Mit der teilrevidierten BZO sollten, so Gamma, die bauliche Verdichtung, die soziale Verträglichkeit und der ökologische Nutzen verbessert werden. «Insgesamt handelt es sich um einen Mehrwert für unsere Gemeinde», erklärte er den 160 anwesenden Stimmberechtigten.
Zu viele Einschränkungen für Hauseigentümer
Die ökologischen Vorgaben sorgten für heftige Gegenwehr. Die Votanten und Votantinnen mit Grundeigentum sahen sich in ihren Freiheiten eingeschränkt. Weitere Kritikpunkte waren bürokratische Hürden, Unsicherheiten im Bauen sowie Mehrkosten, die letztlich auch die Mieten verteuerten.
Zudem wurde die Ansicht vertreten, dass Wangen-Brüttisellen bereits über ausreichend Grünflächen verfüge. Eine Votantin, die auch im Vorstand des Hauseigentümerverbands Dübendorf und Oberes Glattal ist, gab zu bedenken: «Wir sind vernünftige Grundeigentümer, es braucht keine staatlichen Eingriffe. Beide Dorfteile sind sehr schön.»
Es könne nicht nur um Rendite gehen
Die teilrevidierte BZO erhielt auch Zuspruch. Für eine Anwesende handelte es sich um eine Investition in die Zukunft, in mehr Lebensqualität. «Unsere Kinder sollen spielen können.» Daneben reinigten Grünflächen das versickernde Regenwasser, entsiegelte Flächen entlasteten die Kanalisation, und die Bäume sorgten für Kühle und Schatten. «Nachhaltigkeit beginnt in unseren Gärten.»
Eine weitere Anwesende, die seit 40 Jahren in Brüttisellen zur Miete wohnt, betonte die Bedeutung der Bäume für die Gesundheit. In ihrer Nachbarschaft seien schon viele Bäume gefällt worden. Die Begründung der Hausverwaltungen dafür waren jeweils «Reklamationen wegen Dreck der Bäume». Es könne doch nicht sein, dass es nur um «Rendite, Rendite, Rendite» gehe, so die Votantin weiter.
Was von der BZO übrig blieb
Die Gegenargumente schienen mehr zu verfangen. So lehnte eine Mehrheit der Gemeindeversammlung zusätzliche Vorschriften bezüglich Grünflächenziffern, Baumschutz und Dachbegrünungen ab. Nach ausufernden Wortmeldungen, die auf Antrag eines Anwesenden auf zwei Minuten beschränkt wurden, sowie einer halbstündigen Pause kam es nach 23 Uhr zur Schlussabstimmung. Die Anwesenden votierten fast einstimmig für eine teilrevidierte BZO, die im Verlauf des Abends deutlich Federn lassen musste.