Was tun gegen das Platzproblem der Stadtbibliothek Uster?
Mit bis zu 900 Eintritten an Spitzentagen sind die Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Uster am aktuellen Standort zu klein geworden – doch die Suche nach einer Nachfolgelokalität gestaltet sich schwierig.
Aus einem Lesesessel vernimmt man das feine Rascheln von Buchseiten. In der Spielecke jauchzen einige Kinder. Und an den orange-roten Tischen zerbrechen sich Lernende ihren Kopf über mathematische Formeln und französische Verbkonjugationen. Es ist ein ganz normaler Tag in der Stadtbibliothek Uster.
Dass dieses friedliche Beisammensein derart gut funktioniert, ist nicht selbstverständlich. Vor allem deswegen nicht, weil die Räumlichkeiten angesichts der grossen Nachfrage eigentlich zu klein sind.
Die Richtlinie von Bibliosuisse verlangt eine Fläche von mindestens 1500 Quadratmetern – aktuell stehen der Stadtbibliothek nur drei Viertel davon zur Verfügung.
Zudem sind seit der Einführung der 365-Tage-Bibliothek vor vier Jahren die Besucherzahlen in die Höhe geschnellt – bis zu 900 Eintritte werden an Spitzentagen verzeichnet.
Zu wenig Platz und ein auslaufender Mietvertrag
Der Balanceakt zwischen den verschiedenen Bedürfnissen der Besucher birgt Konfliktpotenzial: Die einen wollen energetisch spielen, die anderen in Ruhe lesen oder büffeln. Das Bibliothekspersonal ist zunehmend gefordert. Damit sich diese Interessengruppen nicht gegenseitig gestört fühlen, ist das Platzangebot am aktuellen Standort schlicht zu knapp.
Weiter läuft der 2008 abgeschlossene Mietvertrag für die Räumlichkeiten an der Bankstrasse 17 in zwei Jahren aus. Schon seit Längerem gibt es deshalb in der Politik Bemühungen, die Standortfrage der Stadtbibliothek Uster – und den damit verbundenen Wunsch nach mehr Kapazität – abschliessend zu klären.
Fortschritte in dieser Thematik hat es bisher nur wenige gegeben. In einer Anfrage an den Stadtrat forderten Angelika Zarotti (SP) und Andreas Pauling (GLP) im vergangenen September Antworten auf die brennendsten Fragen.
Das Zeughausareal als beste Option
Der Fragenkatalog umfasst unter anderem den bereits 2023 diskutierten Wechsel in die Räumlichkeiten des Gebäudes K2 auf dem Zeughausareal. Thema ist dabei auch die Eingliederung der Ludothek, für die aufgrund der drohenden Vereinsauflösung ebenfalls Strategien entwickelt werden müssen.
Damals wurde das Zeughausareal als idealer Standort evaluiert, weil auf der zentral gelegenen Fläche Synergien mit anderen Institutionen wie der Musikschule, dem Familienzentrum oder dem Freizeit- und Jugendzentrum (Frjz) hergestellt werden könnten.
Die Musikschule ist jedoch in die Dorfschule umgezogen. Ein erneuter Umzug zum bisher unbekannten Zeitpunkt der Bibliotheksverlegung erscheint unwahrscheinlich, wie aus der Antwort des Stadtrats hervorgeht. Das Familienzentrum befindet sich ab Mai in der Villa am Aabach.
Es ist deshalb fraglich, ob die erstrebten Synergien tatsächlich genutzt werden können. Dennoch sieht der Stadtrat eine zukünftige Zusammenlegung von Familienzentrum und Frjz als eine sinnvolle Ergänzung, um die Vitalität auf dem Zeughausareal zu fördern.
In ihrer Anfrage erwägen Zarotti und Pauling auch, die Bibliothek im Gebäude K1 unterzubringen statt wie bisher angedacht im K2. Dieses hat gegenüber dem K2 den Vorteil, dass die Räumlichkeiten mit 3500 Quadratmetern Fläche noch mehr Platz bieten. Da das Erdgeschoss für die verschiedenen Angebote genutzt werden könnte, wäre auch ein ebenerdiger Eingang gewährleistet. Dieser käme insbesondere Menschen mit eingeschränkter Mobilität entgegen.
Das K1 ist jedoch sanierungsbedürftig, und bis 2029 sind in der Ustermer Investitionsplanung keine Mittel dafür vorgesehen. Damit würde die Umsetzung eines fachgerechten Umbaus entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen. Trotzdem sieht der Stadtrat «grosses Potenzial» in dieser Idee, wie er in seiner Antwort unterstreicht.
Zwischen Investitionsengpässen und Bedarfsnotwendigkeit
Da Uster zurzeit daran ist, weitere dringende Investitionsprojekte umzusetzen, ist ein Umzug der Bibliothek nicht vor 2030 geplant. Wie die Stadt mitteilt, ist insbesondere die Deckung der Investitionskosten für den Umbau der Gebäude auf dem Zeughausareal herausfordernd.
Der Stadtrat muss daher mit dem Eigentümer der aktuellen Liegenschaft an der Bankstrasse über die Zeit nach Vertragsende verhandeln. Man arbeite des Weiteren an einer Lösung für die Ludothek, betont die Stadt Uster.
Im Verlauf des aktuellen Jahrs möchte der Stadtrat erneut alternative Standorte für die Stadtbibliothek prüfen. Sollten die Verhandlungen mit dem Vermieter scheitern, hätte man so einen Plan B in der Hand. Bis dann bleibt die Standortfrage der Stadtbibliothek Uster ungeklärt.
