Uster prüft Konzept der «essbaren Stadt»
Ein Postulat der Fraktion der Grünen bringt einen neuen Anstoss zur Nutzung der Grünflächen ins Ustermer Stadtparlament.
Ein frischer Apfel für den Nachhauseweg oder Schnittlauch direkt aus dem Quartiergarten: In Uster könnten essbare Pflanzen künftig einen Teil der klassischen Stadtbegrünung ersetzen. Ein Postulat der Fraktion der Grünen fordert, Grünflächen neu zu überdenken und Uster so zu einer «essbaren Stadt» zu machen.
Dabei handelt es sich nicht um eine romantische Utopie, sondern um ein Konzept der Stadtentwicklung: Öffentliche Grünflächen werden gezielt mit essbaren Pflanzen wie Obstbäumen, Beerensträuchern oder Kräutern ergänzt. Ziel ist es, ökologische, soziale und bildungspolitische Aspekte der Stadtentwicklung miteinander zu verbinden.
Initiiert wurde der Vorstoss von Gemeinderat Patricio Frei, dem Erstunterzeichner des Postulats der Grünen Uster. Auf Anfrage teilt er mit, dass für ihn der Bezug zur Ernährung und Saisonalität der Lebensmittel im Zentrum stehe; diesen hätten viele Menschen verloren. Das Projekt biete eine Chance, das Thema aufzugreifen – ohne grossen Mehraufwand.
Für die Stadt Uster sieht Frei mehrere Vorteile: Essbare Pflanzen könnten die bestehende Begrünung aufwerten und gleichzeitig einen Beitrag zur Biodiversität leisten. «Im Hinblick auf die Stadtentwicklung unterstützt das Projekt das vielseitige Angebot an Siedlungsfreiräumen und leistet einen kleinen Beitrag zur regionalen und städtischen Versorgungssituation», führt er weiter aus.
Denkbar wäre eine Umsetzung mit sogenannten Bepflanzungstagen. Dabei treffe sich die Bevölkerung eines Quartiers und bepflanze gemeinsam mit Fachpersonen die öffentlichen Parzellen, erklärt Frei. «Möglich wären auch Patenschaften, also dass sich jemand bereit erklärt, für die Bewirtschaftung eines Stücks Land zu sorgen», ergänzt er.
Erfahrungen aus anderen Gemeinden
Die Inspiration für das Postulat stammt aus dem Kanton Nidwalden. Die Gemeinde Oberdorf gilt seit November 2024 als erste «essbare Gemeinde». Dort laden an gleich vier Standorten Sträucher und Obstbäume zum Naschen ein, wie in der gemeindeeigenen Zeitung «Aa-Post» mitgeteilt wird. Die Pflanzen sind mit Wimpeln versehen, sodass klar ist, von welchen man unbesorgt kosten kann.
Die lokale Bevölkerung in Oberdorf unterstützt das Projekt engagiert. Dadurch fallen hauptsächlich Kosten für die Anschaffung der Pflanzen und Wimpel an. Eine solche Beteiligung erhofft sich Frei auch in Uster. Welche Parzellen bepflanzt werden und welche Pflanzen zum Einsatz kommen, hängt vom Engagement der Bevölkerung ab.
Ein erster Schritt könnte laut Frei kostenneutral erfolgen: «Wenn bei der Neubepflanzung der Grünflächen auf Walnussbäume oder Johannisbeeren anstelle von Ziergehölzen gesetzt wird, entstehen keine zusätzlichen Kosten. Dafür bieten sich ungenutzte Parzellen, aber auch Schulanlagen oder der Friedhof an.»
Ob und in welcher Form Uster zur «essbaren Stadt» wird, entscheidet nun das Stadtparlament. Das Postulat verlangt zunächst eine Prüfung möglicher Standorte, Organisationsformen und Kosten. Erst danach würde über eine konkrete Umsetzung entschieden.