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Politik

Gemeindeversammlung mit grossen Projektplänen

Die Turbenthaler zeigen sich nur bei der Grosshalle grosszügig

Den Stimmberechtigten von Turbenthal ist ihre Grosshalle einiges wert: Sie waren sehr interessiert an der teureren Umbauversion. Bei einem weiteren Geschäft zogen sie dann aber die Kostenbremse.

Die Grosshalle ist bei den Turbenthalern beliebt – und ihnen offenbar auch einiges wert.

Foto: Simon Grässle

Die Turbenthaler zeigen sich nur bei der Grosshalle grosszügig

Den Stimmberechtigten von Turbenthal ist ihre Grosshalle einiges wert: Sie waren sehr interessiert an der teureren Umbauversion. Bei einem weiteren Geschäft zogen sie dann aber die Kostenbremse.

Schon der gut gefüllte Parkplatz gegenüber der Turbenthaler Grosshalle liess es am Montagabend erahnen: Die Gemeindeversammlung stiess auf reges Interesse. 202 Stimmberechtigte hatten sich eingefunden. «Ich wünschte mir, alle Gemeindeversammlungen hätten eine so grosse Beteiligung», meinte Gemeindepräsident René Gubler (FDP) mit einem Augenzwinkern.

Grund dürfte die Abstimmung über den Kredit zum geplanten Bauprojekt «Grosshalle» gewesen sein. Die Immobilie ist im Besitz der Firma Boller Winkler und wird seit 2011 von der Politischen Gemeinde gemietet.

Der Trägerverein Grosshalle Tösstal (TGT) wiederum mietet die Halle von der Gemeinde für die regelmässige Nutzung. Seine Mitglieder sind verschiedene ortsansässige Sportvereine. Aber auch der Gewerbeverein, die Harmonie Turbenthal und die Guggenmusik Turtalia gehören zu den Mitgliedern.

Fehlende Gastronomieräumlichkeiten

Entsprechend unterschiedlich gestalten sich die Bedürfnisse. «Für Sportvereine ist die Dreifachturnhalle ideal, während Kultur- oder Musikvereine gerade die Akustik als nicht ideal empfinden», führte Gesellschafts- und Umweltvorsteherin Cornelia Oelschlegel (parteilos) in ihrer Projektpräsentation aus.

Bereits Ende November hatte der Gemeinderat einen vertieften Einblick in das Bauvorhaben gewährt mit dem Ziel, die Bevölkerung fundiert zu informieren. «Denn die Grosshalle ist sowohl bei Turbenthalern wie auch bei Auswärtigen beliebt», erwähnte Oelschlegel stolz. «140 Jugendliche und 160 Erwachsene trainieren wöchentlich hier.»

Regelmässig werden Vereinsanlässe, aber auch private Feste und Anlässe durchgeführt. Ein Problem, das alle Zielgruppen betrifft, sind die fehlenden Gastronomieräumlichkeiten. Bei Minustemperaturen draussen vor der Halle die Festwirtschaft zu «schmeissen», gehört zum Alltag.

Applaus für teurere Variante

Auch die Lebensmittelhygiene ist ein Thema. Eine Besucherin bekräftigte: «Es ist purer Zufall, dass sich bisher noch keine Lebensmittelkontrolle angekündigt hat – man hätte den Betrieb gleich schliessen müssen.»

Eine kleine Bistroküche steht im Gebäude zwar zur Verfügung. «Die reicht aber höchstens, um ein paar Hotdogs zuzubereiten», sagte Beat Furrer, Präsident des Trägervereins. Geplant ist deshalb, einen Teil des bisherigen Lagerraums in einen einfachen Gastroraum umzufunktionieren.

Nichtsdestotrotz ist dieses Vorhaben fakultativ. Ein Muss ist hingegen, die ohnehin beengten Verhältnisse im einzigen Lagerraum zu optimieren. Deshalb soll ein zweites Lager zugemietet werden. Als dritter Kostenpunkt ist eine längst notwendige Sanierung der Sanitäranlagen geplant.

Das komplette, vom Gemeinderat empfohlene Projekt würde Turbenthal 992’000 Franken kosten – während die Rechnungsprüfungskommission (RPK) auf die Annahme der schlankeren Version pochte. Ohne die Gastroküche würden sich die Kosten lediglich auf 550’000 Franken belaufen.

Die Turbenthaler erkannten die Notwendigkeit – und zeigten sich in Spendierlaune. Deutlich nahmen sie den teureren Vorschlag mit Gastroküche an und bekräftigten diesen Entschluss spontan mit einem Applaus.

Diese Entscheidung beeinflusste allerdings das nächste Geschäft auf der Traktandenliste. Bei diesem ging es um den Projektierungskredit des Gemeindewerkhofs und des Feuerwehrgebäudes.

Im Werkhof und bei der Feuerwehr «brennts»

«Sowohl die Werkhofmitarbeiter als auch die Feuerwehrleute brauchen dringend adäquate Räumlichkeiten», erklärte Hochbau- und Liegenschaftenvorsteherin Katharina Fenner (FDP) mit Nachdruck.

So verfüge die Feuerwehr bis heute weder über geschlechtergetrennte Garderoben noch über Aufenthalts- oder Schulungsräume. Für Reinigungen von Geräten oder Ausrüstung sowie für Weiterbildungen müsse erst die Fahrzeughalle ausgeräumt werden.

Abhilfe schaffen sollen unter anderem der Einbau einer Werkstatt, einer Waschbox und eines Putzraums sowie der Ausbau der bestehenden Garderobe und weitere bauliche Optimierungen.

Sozusagen «on top» schlug der Gemeinderat den Einbau eines Mehrzweckraums im Dachgeschoss des Gebäudes vor. Dieser würde Platz bieten für 200 Personen. Eine Raumgrösse, über die Turbenthal gemäss Fenner bisher nicht verfügt.

Voll- oder Teilvariante?

Wiederum konnten die Stimmberechtigten beim Projektierungskredit zwischen einer «Vollversion» mit Saaleinbau für 235’000 Franken und einer «schlanken Variante» ohne Saal für 160’000 Franken entscheiden. Während der Gemeinderat sich für die erweiterte Version starkmachte, empfahl die RPK die kostengünstigere.

Es entbrannte eine nicht mehr enden wollende Diskussion. Schnell wurde klar: Die Stimmberechtigten wollten das Portemonnaie nicht erneut hervorholen. «Warum brauchen wir denn nochmals einen Saal, wenn wir schon die Grosshalle umbauen?», lautete eine Frage, die viele stellten.

Es gab auch Wortmeldungen, die forderten, den geplanten Saal doch besser als Schulraum zu nutzen und für Vereine auf bestehende kleine Säle auszuweichen. Bis Ernst Hauser schliesslich den Ordnungsantrag stellte, um die Diskussion gegen bald 23 Uhr zu beenden. «Wir drehen uns im Kreis, ich höre nichts Neues mehr.»

Schliesslich war das Resultat ziemlich eindeutig: Die Turbenthaler entschieden sich für die Teilvariante ohne Mehrzwecksaal.

Ausserdem …

… hat die Gemeindeversammlung das Budget 2026 und die Festsetzung des Steuerfusses auf 38 Prozent bewilligt;

… wurde der im Budget eingestellte Beitrag von 50’000 Franken für die AG Mobilität um 150’000 Franken auf insgesamt 200’000 Franken erhöht. Das soll einen nahtlosen und reibungslosen Übergang vom Postauto zum My Buxi gewährleisten. Grund ist die geplante Einstellung der Buslinie 807 von Turbenthal nach Sitzberg – ein Thema, das viele Betroffene am Montagabend bewegte und für Diskussionen sorgte;

… wurde die Bauabrechnung über die Gesamterneuerung des Bärenhüsli von der Primarschulgemeinde genehmigt.

… haben die Primarschul- und die Sekundarschulgemeinde ihre Budgets 2026 ebenfalls genehmigt. Der Steuerfuss der Primarschulgemeinde wurde auf 60 Prozent, jener der Sekundarschulgemeinde auf 24 Prozent festgesetzt.

… brachte sich Daniel Rüegg mit mehreren Wortmeldungen ein, weil er mit dem neuen amtlichen Publikationsorgan als Folgelösung für den «Tössthaler» nicht einverstanden ist. Viele Turbenthaler würden mit einem Online-Newsletter ausgeschlossen. Er wollte deshalb den Antrag stellen, 30'000 Franken ins Budget aufzunehmen und den «Zürcher Oberländer» als Organ zu nutzen. Er musste sich von Gemeindeschreiber Jürg Schenkel belehren lassen, dass dies rechtlich nicht möglich sei, da über das neue Publikationsorgan bereits abgestimmt worden sei. (ks)

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