Die erste Velodemo rollt durch Wetzikon
Protest auf dem Zweirad
Für einmal nahmen die Velos auf den Strassen in Wetzikon mehr Platz ein als die Autos. Der besondere Demonstrationsumzug auf Rädern machte mit der Aktion auf die aktuellen Probleme im Strassennetz aufmerksam.
Am Sonntag reihte sich in Wetzikon Rad an Rad, zum ersten Mal fand ein Velofest statt. Den Höhepunkt bildete eine Demonstration auf den Zweirädern, bei der zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihren Velos langsam durch das Stadtgebiet radelten.
Als die Demo startete, läuteten sie begeistert ihre Veloglocken. Mit dabei waren nicht nur gewöhnliche Fahrräder, sondern auch Anhänger mit Werbetafeln und sogar ein Velofahrer mit zwei Hunden.


Auch eine bekannte politische Persönlichkeit war unter den Teilnehmenden auszumachen. Die Zürcher Nationalrätin Marionna Schlatter (Grüne) sprach über den Grund für ihren Besuch. «Wir wollen auch für Velos als Verkehrsmittel werben. Sie sind leise, gesund und ökologisch. Heute nehmen wir Raum auf den Strassen ein. Und es ist spannend, wie die Autofahrer reagieren, wenn sie langsam hinter einer riesigen Velokolonne fahren müssen.»
Nur ein Mittelfinger
Auf den Strassen zeigte sich dann, dass der Grossteil der Autofahrer die Aktion billigte – mit einer Ausnahme. «Sie waren erstaunlich freundlich, einige haben sogar gewunken», sagte die Teilnehmerin Mirjam Ruefener. «Gehupt hat niemand, nur einer hat den Mittelfinger gezeigt.»
Für ein wenig Verwirrung sorgten allerdings die roten Ampeln, die mitten in der langen Kolonne aufleuchteten. «Viele Kinder hielten instinktiv an, obwohl die Gruppe weiterfuhr. Wir mussten ihnen das erst erklären», erzählte Ruefener mit einem Lächeln.
Die Stimmung innerhalb der Gruppe blieb ebenso heiter. Nach einer halben Stunde erreichten die Teilnehmenden verschwitzt, aber zufrieden das Ziel. Unter ihnen war auch Reto Bischofer, der mit seinem Göttimeitli Clara teilnahm. Sie erzählte: «Ich habe den Flyer gesehen und wollte mit meinem Götti mitmachen, weil ich gerne Velo fahre.»

Und ihr Götti liess sich tatsächlich von der Idee begeistern. «Es ist super, bei schönem Wetter etwas Gutes für den Wetziker Strassenverkehr zu tun.»
Bessere Velorouten für Wetzikon
Organisiert wurde die Aktion von Martin Wunderli (Grüne) und Jonathan Assenberg (SP), um auf die fehlende Sicherheit für Velofahrerinnen und Velofahrer aufmerksam zu machen. Ihre Forderung: bessere Velorouten in Wetzikon.

«Das Wichtigste ist die Sicherheit – vor allem für Kinder», sagte der Stadtparlamentarier Assenberg. «Die Kinder sollen sich gefahrlos mit dem Velo in Wetzikon bewegen können.» Vor allem, wenn sie damit täglich zur Schule fahren.
Wunderli findet zudem Kritik am lückenhaften Velonetz. «Wir brauchen dringend mehr Infrastruktur für das Velo, um den Autoverkehr zu reduzieren.» Denn bis 2040 wachse die Bevölkerung in Wetzikon um gut 10’000 Personen. Das aktuelle Strassennetz und der öffentliche Verkehr könnten das Wachstum nicht allein auffangen.