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Politik

Sechsmal Ja in Gossau

Nur 100’000 Franken fürs Dürstelerhaus führen zu Diskussionen

Für den Erhalt der Geschichte lässt Gossau gerne etwas Geld springen.

Das Dürstelerhaus ist ein wichtiger Zeitzeuge in Gossau. Allerdings ist Geld vonnöten, um den Betrieb dauerhaft aufrechtzuerhalten. (Archiv)

Foto: Fabio Meier

Nur 100’000 Franken fürs Dürstelerhaus führen zu Diskussionen

Trotz der relativ dicht getakteten Traktandenliste sprach Gossaus Gemeindepräsident von einem «phänomenalen Tempo» an der Gemeindeversammlung. Zu reden gaben einzig die jährlichen Kosten für das Ortsmuseum.

Gossau zählt inzwischen über 7000 Stimmberechtigte. 117 von ihnen wohnten am Montagabend der Gemeindeversammlung in der reformierten Kirche bei. Zunächst erläuterte der langjährige Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP) wie gewohnt ausführlich die Jahresrechnung 2024. Der gesamte Gemeinderat zeigte sich insgesamt erleichtert. Trotz einem erwarteten Minus von 1,4 Millionen schloss die Rechnung mit einem Überschuss von 85'000 Franken. Dies allerdings bei einem Selbstfinanzierungsgrad von lediglich 47 Prozent (im Vorjahr 91 Prozent). Die Versammlung segnete sie kommentarlos ab.

Darüber hinaus hat die Versammlung …

… der Teilrevision des Gestaltungsplans Büelgass aus dem Jahr 2002 zugestimmt. Damit steht dem neuen Zentrum Büelgass nichts mehr im Weg. Ende Jahr ist die Baubewilligung des Kantons zu erwarten. Im Frühling 2026 sollen die ersten Bauarbeiten für das Grossprojekt starten. Die ersten Wohnungen werden wohl im Jahr 2028 bezugsbereit sein.

Eine visualisierte Überbauung in einem Ortszentrum.
So soll es ab 2028 im Zentrum von Gossau aussehen. Der Gestaltungsplan wurde von der Versammlung entsprechend bewilligt.

… die 1,65 Millionen Franken für den Ersatzneubau Depot Rössliwiese in Unter-Ottikon einstimmig bewilligt. Da das Depot im Zentrum im Zuge der neuen Büelgass-Überbauung wegfällt, braucht die Gemeinde eine Alternative.

… den Mietvertrag für den Ersatzstandort der Schulverwaltung im Zentrum oberhalb der Migros bewilligt. Jährlich belaufen sich die Mietkosten auf 72'000 Franken – anstelle der bisherigen 50'000 Franken.

Kultur ja oder nein?

Dafür sorgte das zweite Traktandum für Gesprächsstoff. Der Gemeindepräsident rechnete schon im Vorfeld mit einer Diskussion, auch aus der Erfahrung der letzten Jahre. «Der Jahresbeitrag für das Dürstelerhaus gab schon an manch einer Budgetversammlung zu reden, weshalb wir ihn als eigenes Traktandum abhandeln wollen.»

Die Kultur sei auch in Gossau von Bedeutung. Das 300-jährige Dürstelerhaus ist nicht nur ein Zeitzeuge, sondern seit 1970 auch im Gemeindebesitz, dient Gossau seit 50 Jahren als Heimatmuseum sowie Veranstaltungsort – und gibt das Leben von Gossauer Persönlichkeiten wie Jakob Zollinger oder Arthur Stocker wieder.

«Seit 2017 hat sich ein Verein um das Haus und die Veranstaltungen gekümmert. Letztlich hat sich gezeigt, dass rein aus zeitlichen Gründen eine professionelle Leitung nötig ist», betonte Kündig. Dies würde allerdings etwas mehr als bisher kosten: einen jährlich wiederkehrenden Beitrag über 100'000 Franken. «Ich weiss, dass immer wieder nach der Anzahl von Besuchern gefragt wird – und ob sich der Betrieb lohne.» Wobei wohl allen Anwesenden klar gewesen sein dürfte, dass beim Dürstelerhaus nicht die Rentabilität, sondern die Bewahrung des Hauses im Vordergrund steht. Auch in Anbetracht des Ortsbilds.

Entschieden gegen die Ausgaben stellte sich Gossaus SVP-Präsident Claudio Zanetti. «Würden wir die Kosten auf die Anwesenden abwälzen, müssten pro Kopf 850 Franken gezahlt werden.» Er war sich sicher, dass keiner der Stimmberechtigten mit seinem Privatvermögen für das Haus einstehen würde. «Wir haben gerade einmal einen Überschuss von 85'000 Franken, und nun sollen wir schon wieder 100'000 Franken ausgeben.» Ihm sei es lieber, man würde das Haus an den Ballenberg verschenken, denn so hätte die gesamte Schweiz etwas davon. «Und wir als Gossauer könnten stolz darauf sein.»

In anderen Äusserungen machten Votanten deutlich, wie sehr ihnen das Haus am Herzen liegt. «Wir können über Budgetposten streiten, aber nicht über unsere Geschichte.» Jemand äusserte sich etwas provokativ in Richtung des SVP-Präsidenten und fragte: «Sie von der SVP, die stetig von der Bewahrung der Schweiz spricht, wollen ein Schweizer Kulturgut nicht schützen?» Dazu falle ihm nichts mehr ein. Das musste es auch nicht: Der jährliche Kostenbeitrag wurde mit 87 zu 26 Stimmen doch deutlich bestätigt.

Alle wären betroffen

Zu guter Letzt beantwortete der Gemeindepräsident eine Anfrage. Eine Stimmberechtigte stellte sie im Zusammenhang mit dem geplanten Steuergesetz des Kantons. Dieser will von allen Zürcher Gemeinden eine Abgabe von 25 Prozent der von ihnen generierten Grundstückgewinnsteuern.

Die Antwort des Gemeinderats: Er lehnt die Vorlage vehement ab, weil die Grundstückgewinnsteuern wesentlich zur Finanzierung der Infrastruktur, der Bildung und überhaupt des Wohls der Gemeinde beitragen. Durch die Abgabe würde ein wesentlicher Teil der Einnahmen fehlen. «Der Kanton würde mehr Geld einnehmen, ohne dass er dafür entsprechende Mehrleistungen erbringen müsste», so Kündigs Resümee.

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