Moor-Projekt in Wetzikon: Warum Bauern den Bodenabtrag kritisieren
Kanton wehrt sich
Der Kanton plant, das Moorgebiet «Langer Riemen» in Wetzikon zu renaturieren – doch die geplanten Bodenabträge sorgen für Kritik vom Bauernverband.
Das Gebiet «Langer Riemen» in Wetzikon liegt in der Drumlinlandschaft Zürcher Oberland – einem Moorgebiet von nationaler Bedeutung. Doch vom Moor ist auf dem Areal nicht mehr viel übrig.
Das will der Kanton ändern – und plant die Regenerierung der Fläche im heutigen Naherholungsgebiet. Das Ziel ist, artenreiche Ried- und Magerwiesen zu schaffen.
Landwirtschaftlich wird der «Lange Riemen» schon seit Jahren nicht mehr genutzt. Dass das Areal für die Regenerierung des Moors ausgewählt wurde, begrüsst deshalb der Zürcher Bauernverband. «Die Fläche liegt in einem bestehenden Schutzgebiet, zerstört also keine Fruchtfolgeflächen und tangiert die landwirtschaftliche Produktion kaum», schreibt er in einer Mitteilung.

Trotzdem bringt er Kritik am Projekt an. Der Kanton plant, im «Langen Riemen» viel Boden abzutragen. Denn dieser ist immer noch sehr nährstoffreich – zu nährstoffreich, um die ökologischen Ziele zu erreichen.
Konkret geht es um 14’000 Kubikmeter – laut dem Bauernverband entspricht das 800 Lkw-Fahrten. «Es darf zu Recht hinterfragt werden, ob dies ökologisch vertretbar ist.»
Laut der Baudirektion trifft diese Grössenordnung ungefähr zu. «Bei einer Bauzeit von rund drei Monaten entspricht das im Schnitt 13 Lastwagenfahrten pro Tag», sagt Mediensprecherin Katharina Weber. Ihr ist es jedoch wichtig, dass man dies zur langfristigen Wirkung des Projekts für den Erhalt der Biodiversität ins Verhältnis setzt.
«Zudem kann mit der Wiederherstellung von Moorflächen die Freisetzung von CO₂ aus den drainierten Böden vermindert werden und der ‹Lange Riemen› kann langfristig wieder als Moor funktionieren», argumentiert sie.
Wohin mit dem Boden?
Doch die Kritik der Bauern betrifft nicht nur die Lkw-Fahrten. Noch mehr stören sie sich daran, dass unklar ist, was mit dem «wertvollen» Boden passiert. Wo dieser hinkommt, entscheiden die Unternehmen, die die Bauarbeiten ausführen.
Der Bauernverband fordert für ein Projekt dieser Grössenordnung aber, dass ein landwirtschaftliches Bodenaufwertungsprojekt vorliegen soll. «Dieses muss garantieren, dass der fruchtbare Boden in der näheren Umgebung der Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung gestellt werden kann.» Denn nur so würde eine echte «Win-win-Situation entstehen».
Um auf diesen Umstand hinzuweisen, haben Interessensvertreter, die nicht namentlich genannt werden möchten, am Wochenende auch drei Plakate im «Langen Riemen» angebracht. Darauf stand: «Schützt das Riet vor Humusabbau». Die Schilder wurden aber in der Zwischenzeit wieder entfernt.

Wieso überlässt das Amt für Landschaft und Natur des Kantons den für die Bauern wertvollen Boden der Unternehmung? Laut Mediensprecherin Weber ist das das übliche Vorgehen. «Das Ziel ist, dass Unternehmen, die Bodenaufwertungen planen und ausführen, den Boden abnehmen und direkt verwerten», sagt sie.
Im Idealfall werde der Boden anschliessend in einer bereits bewilligten landwirtschaftlichen Bodenaufwertung verwertet. Ist noch keine konkrete Verwertung bekannt, ist das Unternehmen verpflichtet, den Ort vor der Verwertung zu melden.
Kanton will Boden selber nutzen
Dies aber bereits vorgängig festzuschreiben, will der Kanton nicht. Er strebe aber eine lokale Verwertung möglichst in der Nähe des Abtrageorts an. «In diese Richtung wirken auch die marktwirtschaftlichen Kräfte, denn kurze Transportwege kosten weniger», argumentiert Weber.
Ein Unternehmen, das den Boden in der Nähe verwertet, könne somit einen tieferen Preis offerieren. Doch nicht immer gebe es ein geeignetes Projekt in kurzer Distanz.
Vorgaben will der Kanton den Unternehmen deshalb nicht machen – denn es gehe auch um Geschwindigkeit. Eine zeitnahe Verwertung des abgetragenen Bodens sei sinnvoll, damit keine Lagerung nötig wird. Nur so werde die Qualität des Bodens optimal erhalten.
Trotzdem könnte sich der Status quo bald ändern. Laut Weber prüft der Kanton im Moment, ob die Möglichkeit besteht, abgetragenen Boden für eigene Aufwertungsprojekte zu nutzen. Sie geht deshalb davon aus, dass die Abgabe von Bodenmaterial an Dritte künftig deutlich abnehmen wird.
Aussage gegen Aussage
Die Kritik des Bauernverbands zielt nicht nur auf den Humusabbau ab. Die Bewirtschafter – also Landwirte, die sich um die Pflege der Fläche kümmern – hätten vorgängig nichts vom Projekt im «Langen Riemen» gewusst, sagt der Verband.
Der Kanton weist diesen Vorwurf vehement zurück: «Der Naturschutzbeauftragte hat im Auftrag der Fachstelle Naturschutz alle Bewirtschafter persönlich über das geplante Projekt informiert», sagt Katharina Weber, Mediensprecherin der Baudirektion. Er habe sie dabei auch über die Änderungen der Bewirtschaftung informiert. Auf erneute Anfrage hält der Bauernverband an seiner Darstellung fest.
Die Öffentlichkeit hat der Kanton bisher noch nicht aktiv über das Projekt informiert. Das Bauprojekt wurde jedoch öffentlich publiziert – im Amtsblatt und auf der Website der Gemeinde Wetzikon. «Die breite Bevölkerung wird vor Baubeginn, also wenn das Projekt sichtbar wird, via Medienmitteilung und Info-Tafeln vor Ort informiert», erklärt Weber. Das sei das übliche Vorgehen, beispielsweise auch bei Strassenbauprojekten des Kantons. (bes)
