Strom aus Turbenthal für Turbenthal: Das sind die Pläne
Lokale Elektrizitätsgemeinschaft
Turbenthal plant eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft – für mehr Unabhängigkeit und nachhaltigen Strom direkt aus der Gemeinde. Sie sind aber nicht die Ersten im Tösstal.
Wenn es um den Strom geht, wären die Turbenthalerinnen und Turbenthaler bereit, etwas mehr zu bezahlen. Darauf deutet zumindest eine Bevölkerungsumfrage zu Umwelt- und Energiethemen aus dem Jahr 2023 hin.
«Damals hat die Mehrheit angegeben, dass sie bereit wäre, für lokal produzierten Strom einen höheren Preis zu bezahlen», sagt Katharina Fenner (FDP). Sie ist Hochbau- und Liegenschaftenvorsteherin in Turbenthal und gleichzeitig Präsidentin der Energiekommission.
Der Gemeinderat hat nach der Auswertung der Umfrage beschlossen, zahlreiche Massnahmen umzusetzen. Und dazu gehört auch die Förderung der lokalen Stromproduktion – und zwar mit einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft, kurz LEG.
Das heisst: Solarstromproduzentinnen, Speicherbetreiber sowie Endverbraucherinnen und Endverbraucher können sich innerhalb des gleichen Gemeindegebiets zusammenschliessen und so lokal produzierten Strom lokal verbrauchen.
Reicht der lokale Strom nicht aus, kann zusätzlich Netzstrom vom Energieanbieter bezogen werden. Überschüssiger Strom kann in Batterien gespeichert oder verkauft werden.
Sportliches Ziel
Mit der Annahme des Mantelerlasses vergangenen Sommer wurde die Möglichkeit dieser lokalen Elektrizitätsgemeinschaft geschaffen. Alle Details sind aber noch nicht bekannt, der Bund muss zuerst die nötige Verordnung erlassen.
«Die Verordnung mit den Vorgaben und Rahmenbedingungen wird im ersten Halbjahr 2025 erwartet», sagt Vivianne Ammann, Mediensprecherin der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ).
Die EKZ, die auch Turbenthal mit Strom beliefern, unterstützten LEG ab dem kommenden Jahr. Und Turbenthal zeigt sich interessiert daran.
«Wir sind aber erst im Anfangsstadium», betont Gemeinderätin Fenner. Es haben erst Gespräche mit dem Energieversorger stattgefunden. «Wir wollen das Projekt früh angehen, damit wir auch noch Gestaltungsmöglichkeiten haben.» Ob das Projekt dann auch mit den EKZ umgesetzt wird, ist noch offen. In einem nächsten Schritt geht es darum, die rechtlichen Bedingungen zu fixieren.
Das Ziel ist aber sportlich: Im besten Fall ist die Elektrizitätsgemeinschaft bereits ab kommendem Jahr in Betrieb. «Dann können wir unseren Strom made in Turbenthal auch in Turbenthal verbrauchen.»
Für Fenner bietet die neue Möglichkeit im Strommarkt auch viele Vorteile für diejenigen, die bereits eine Solaranlage haben oder eine bauen wollen. Denn sie können unter anderem von höheren Vergütungen profitieren als heute.
«Und auch stabilen Preisen in einem in Zukunft volatileren Strommarkt als heute», gibt die Gemeinderätin zu bedenken. «Es macht einfach Sinn, dass der Strom, der in Turbenthal produziert wird, auch in Turbenthal verkauft und nicht zuerst ans EKZ geliefert wird», betont Fenner.
Sie ist deshalb überzeugt, dass auch die Turbenthalerinnen und Turbenthaler bereit sind, sich der lokalen Elektrizitätsgemeinschaft anzuschliessen.
Projekt auch in Wila
Turbenthal ist derweil nicht die einzige Gemeinde, die neue Wege bei der Energieversorgung gehen will. Im vergangenen Dezember hat Wila das Projekt eines Energieparks lanciert. Um unabhängiger von schwankenden Strompreisen zu werden, sollen die Wilemer die Produktion von erneuerbarem Strom im Dorf vorantreiben.
Der Energiepark ist aber kein eigentlicher Park, sondern wie im Beispiel von Turbenthal eine Energiegemeinschaft. Für den Aufbau arbeitet die Gemeinde mit der Firma Inpowers zusammen, die auch den Energiepark Wislig mit initiiert hat.
«Wir sind auf Kurs», sagt Gemeindepräsident Simon Moesch (Die Mitte). «Mit etwa 50 Interessenten aus Wila liegen wir in unseren Erwartungen, und wir versuchen Schritt für Schritt, den Einwohnerinnen und Einwohner dieses spannende Projekt näherzubringen.»
Die institutionelle Umsetzung soll bereits in diesem Jahr erfolgen. Ins Detail geht Mösch aber noch nicht. Den Zeitplan wird die Gemeinde an einem öffentlichen Info-Anlass vor der Gemeindeversammlung am 24. März mitteilen.