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Könnte Uster die erste Stadt mit Feuerwerksverbot werden?

Die Abneigung gegen lautes Feuerwerk nimmt zu. Jetzt schaltet sich Nationalrätin Meret Schneider ein.

So schön es aussieht: Viele Menschen ärgern sich über den Lärm an Silvester – vor allem, wenn es drei Tage davor und danach knallt.

Foto: Christian Merz

Könnte Uster die erste Stadt mit Feuerwerksverbot werden?

Ade Privatfeuerwerk

Kurz nach Silvester nimmt eine Feuerwerkspetition zur Einschränkung von Feuerwerk Fahrt auf. Nationalrätin Meret Schneider will einen Schritt weiter gehen.

Feuerwerk in Uster verärgert viele Tierfreunde. Auf den sozialen Medien wird das Thema seit dem Jahreswechsel intensiv diskutiert.

Den Unmut zeigt auch die steigende Zahl der Unterschriften, die kurz nach Silvester eine Petition zur Einschränkung von Feuerwerk in Uster erhielt: Innert weniger Tage stieg die Zahl der Unterschriften von 200 auf 650 an.

Vor zehn Monaten lancierte die Ustermer Maltherapeutin Daniela Simmen diese Petition – und eigentlich hat sie vom Ustermer Stadtrat auch schon eine Absage dazu erhalten, aber dazu später.

Böller und Autohupen sind zu viel

Anstoss für die Petition gab ihre eigene Situation. Simmen wohnt an der Winterthurerstrasse. Oft werde auf dem Feld direkt neben der Strasse Feuerwerk gezündet. «Dabei entsteht Rauch, der dazu führt, dass die Autolenker zusätzlich zum ohnehin bestehenden Lärm ein Hupkonzert veranstalten.»

Das sei unerträglich. Haustiere und sensible Menschen litten zu fest darunter. «Es ist nicht länger tragbar, dass rund um den Nationalfeiertag und Silvester fast eine Woche lang herumgeböllert wird», sagt Simmen.

Mit ihrer Petition wollte sie zur zeitlichen auch eine örtliche Einschränkung einführen: keine Knaller mehr in Wohnquartieren, Naturschutzgebieten und an Hauptverkehrsstrassen.

Ausweichen an die Peripherie – ein Problem

Die Ustermer Nationalrätin Meret Schneider (Grüne) will einen Schritt weiter gehen und schlägt nicht nur eine Einschränkung, sondern ein grossflächigeres Verbot für lärmendes Feuerwerk in Uster vor.

«Wenn man nur in den Quartierstrassen keine Böller mehr zünden darf, werden die Leute an die Waldränder ausweichen.» Dies stelle für Wildtiere eine grosse Bedrohung dar.

Man sieht Meret Schneider neben einer Katze.
Nationalrätin Meret Schneider will sich für einen respektvollen Umgang mit Tieren starkmachen.

Auf X schreibt Schneider, dass eine kommunale Initiative auch der nationalen Feuerwerksinitiative neuen Schwung verleihen könne. Auf Bundesebene ist eine Volksinitiative hängig, die laute Feuerwerke für Privatpersonen verbieten will sowie auch den Verkauf von solchen Feuerwerkskörpern wie Böllern.

In den Gemeinden Bubikon, Gossau und Hombrechtikon fanden ähnliche Initiativen schon im letzten Jahr eine Mehrheit an den Gemeindeversammlungen. Bubikon feierte einen feuerwerksfreien 1. August, Gossau eine erste Neujahrsfeier ohne Böller. In Dürnten wird am 9. Februar darüber abgestimmt, ob es in der Gemeinde weiter knallen darf.

Könnte Uster als Stadt Pionier im Kanton sein?

Schneider will nun die Planungsdaten für eine kommunale Initiative koordinieren. «Uster könnte mit dem Feuerwerksverbot als erste Stadt den Gemeinden Gossau, Bubikon und Hombrechtikon folgen.» Viele Menschen aus der Stadt Uster seien schon an Bord, man wolle jetzt auch den Weg über den Gemeinderat prüfen.

«Wenn man sich gemeinsam für etwas engagiert, dann kann man auch etwas bewirken», ist die grüne Nationalrätin überzeugt. Sie will möglichst viele Parteien in Uster für dieses Anliegen ins Boot holen. «Es wäre wichtig, dass wir für das Thema noch mehr Menschen sensibilisieren können.»

Könnte die Stadt Uster im Kanton Zürich sogar eine Vorreiterrolle einnehmen? Im Stadtrat ist zurzeit eine Anfrage von Gemeinderat Paul Stopper (BPU) hängig, der sich erkundigt, inwiefern die Stadt Uster die Entwicklung rund um die Verbote in den Oberländer Gemeinden verfolgt.

Stopper fände es zielführend, wenn der Stadtrat von sich aus eine Vorlage in den Gemeinderat bringen würde. «Eigentlich hätte ich erwartet, dass die Stadtpräsidentin bei ihrer Neujahrsansprache im Zeughaus auch auf dieses nicht zu überhörende Thema zu sprechen kommen würde», sagt der Gemeinderat.

Stadtrat will noch nicht handeln

Der Stadtrat Uster hält sich jedoch noch zurück. Er will erst die nationale Initiative für eine Einschränkung von Feuerwerk abwarten und vor allem auch mitverfolgen, wie das Abstimmungsresultat für Uster ausfällt. Dies schrieb er im November 2024 als Antwort zur Petition von Daniela Simmen. Dieses Schreiben liegt der Redaktion vor.

Die Antwort mag zwar als Absage klingen, der Stadtrat schreibt darin aber auch, dass das Thema in weiten Teilen der Bevölkerung grosse Sympathien zu geniessen scheine. «Die neuesten Entwicklungen in der näheren Umgebung von Uster gehen deutlich weiter als die von den Petenten geforderte.»

Damit wolle die Stadt erst mitverfolgen, ob noch weitere Gemeinden nach Bubikon, Hombrechtikon und Gossau Verbote von lärmendem Feuerwerk erliessen.

Mehr Polizeipräsenz

Währenddessen hat die Stadtpolizei auf ihrem Kanal «Yousters Cop» auf Tiktok Videos zur Sensibilisierung von Jugendlichen veröffentlicht. Diese geben eher praktische Tipps, wie man zum Beispiel einen Böller richtig zünden soll, als dass sie konkret auf Schäden an der Natur und die Folgen für die Tierwelt aufmerksam machen.

In den Chats hat die Stadtpolizei jedoch viele Fragen rund ums Thema Feuerwerk beantwortet. Eine oft gestellte Frage in den sozialen Medien war, ob man auch am 1. oder 2. Januar noch Feuerwerk zünden darf: Nein, darf man eben nicht. Auch nicht vor Silvester.

Dieses Jahr sei die Polizeipräsenz rund um Silvester erhöht gewesen. «Insgesamt haben wir an den Tagen vor und nach Silvester acht Bussen verteilt», sagt Polizeikommandant Andreas Baumgartner. Das sind sieben mehr als im letzten Jahr.

Auf frischer Tat ertappen

Man müsse die Delinquenten in flagranti erwischen, denn der Besitz von Feuerwerk sei per se nicht verboten. «Solange man lärmendes Feuerwerk kaufen kann, wird es schwierig sein, ein allfälliges Verbot durchzusetzen», so Baumgartner. Auch findet er, dass ein Verbot für lautes Feuerwerk für Uster aus praktischer Sicht insbesondere dann Sinn mache, wenn angrenzende Gemeinden mitzögen.

Spätestens im ersten Quartal 2026 wird im Rahmen der Totalrevision der Polizeiverordnung ein Verbot für lärmendes Feuerwerk vom Stadtrat geprüft und dem Gemeinderat zum Entscheid unterbreitet. Abzuwarten bleibt, ob Uster dank einer Initiative schon früher als erste grössere Stadt im Kanton ein Verbot erhält.

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