Deshalb wollen die Schulen in Wila keine Fusion mit Turbenthal
Zu viele offene Fragen
Eine grosse Schulgemeinde im Mittleren Tösstal? Das ist die Vision der Primarschule Turbenthal. In Wila stösst das Anliegen aber auf wenig Gegenliebe.
«Die beiden Schulen in Wila sind mittel- und langfristig gesehen zu klein, um eine qualitativ hochstehende Bildung zu vertretbaren Kosten anbieten zu können.» Dieser Meinung ist die Wilemerin Marianne Kleber.
Sie will, dass die Primar- und die Sekundarschule Wila Verhandlungen mit den Turbenthaler Schulen aufnehmen, um die Schaffung einer Schulgemeinde Wila-Turbenthal an die Hand zu nehmen. Sie argumentiert weiter, dass die Wilemer bei einer Fusion mehr Entscheidungsmacht über die Erhaltung der Schulstandorte in der Gemeinde hätten.
Ihre Initiative kommt am 9. Februar in Wila an die Urne. Die Vision von Kleber ist aber nicht neu. Die Idee einer Kreisschule, also einer grossen Schulgemeinde im Mittleren Tösstal, hat die Primarschulpflege Turbenthal bereits im Herbst 2023 eingebracht.
Im März 2024 haben die Turbenthalerinnen und Turbenthaler an der Urne der Aufnahme von Verhandlungen mit den Wilemer Schulgemeinden zugestimmt. Doch weil gleichzeitig auch ein Ja für die Prüfung einer Einheitsgemeinde Turbenthal resultierte, hat der Bezirksrat einen Marschhalt für beide Anliegen verordnet. Denn am Schluss kann nur einer der beiden Vorschläge realisiert werden.
Zu viele Unsicherheiten
Doch die Vision einer Schulfusion im Mittleren Tösstal könnte in Wila einen schweren Stand haben. Die Primar- und die Sekundarschulpflege sowie der Gemeinderat empfehlen, die Initiative abzulehnen. Die Sekundarschulpflege schliesst sich dabei den Einschätzungen der Primarschulgemeinde an.
Für die Schulen stehen bei diesem Entscheid zahlreiche offene Fragen im Vordergrund – beispielsweise die nicht bereinigten Grenzen zwischen den Primarschulgemeinden von Turbenthal und Wila. Bisher gehören gewisse Turbenthaler Weiler noch zur Primarschule Wila.

Gegen den Entscheid der Bezirksräte, die Grenzen anzupassen, ist ein Rekurs hängig. «Rechtliche Klarheit diesbezüglich ist eine zentrale Voraussetzung für weitere Projekte», schreibt die Primarschulpflege in ihrer Stellungnahme.
Hinzu kommen weitere Unsicherheiten wegen verschiedener Projekte in Turbenthal. Laut der Schule könnten Vertragsverhandlungen erst aufgenommen werden, wenn die Einheitsgemeinde in Turbenthal nicht realisiert werden kann.
«Es macht aus Sicht der Primarschulpflege mehr Sinn, erst dann in das von der Initiantin geforderte Projekt zu investieren, wenn bezüglich des Vorgehens der Projekte in Turbenthal rechtliche Klarheit besteht.»
Schulstandorte erhalten
Zudem fehlt für die Schulen Klarheit über die Gestaltung einer fusionierten Schule. «Auch ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Bevölkerung aus Wila in einer Schule Wila-Turbenthal gegenüber heute einen grösseren Einfluss auf die Schulstandorte haben soll», findet die Schulpflege. Für sie ist die Initiative damit mit weiteren Unsicherheiten und Unklarheiten verbunden.
Der Gemeinderat ist der Initiative ebenfalls nicht wohlgesonnen. «Der Gemeinderat widerspricht der Darstellung, dass die Primarschule und die Sekundarschule Wila zu klein seien, um qualitativ hochstehende Bildung zu vertretbaren Kosten anzubieten», hält er im beleuchtenden Bericht fest.
Und er betont darin, dass die Primar- und die Sekundarschule in Wila weniger Steuerprozente als die Turbenthaler Schulen benötigen. In Turbenthal machen die Schulen 84 von 122 Prozent aus, in Wila sind es 75 von 125 Prozent.
Für die Exekutive ist der Erhalt der beiden Schulen in Wila wichtig. Nach einer Fusion könnten die Wilemer aber nur noch in einer Minderheit über den Erhalt der Schulstandorte in Wila entscheiden.
Turbenthaler Schulpräsident hält dagegen
Die Initiative von Marianne Kleber hat bei den Behörden einen schweren Stand – und sie könnte damit auch das Projekt der Primarschulgemeinde Turbenthal gefährden. Deren Präsident Ueli Laib (parteilos) ist im Gegensatz zu seinen Wilemer Kollegen weiterhin von einer Schulfusion überzeugt.
«Die Idee zur Schaffung einer Kreisschule Mittleres Tösstal basiert auf den Erfahrungen, dass mittel- und langfristig die heutigen vier Schulen zu klein sein werden, um die wachsenden Anforderungen an die Volksschule und Bildung der Kinder abzudecken», sagt er. «Gemeinsam könnten viele Aufgaben effizienter erledigt werden.»
Die Primarschulpflege begrüsst es laut Laib, dass die Frage über die zukünftige Organisationsstruktur der Schulen auch in Wila angestossen wird. Mit den Ausführungen der beiden Wilemer Schulpflegen ist er aber nicht einverstanden – vor allem mit der Aussage zur Einheitsgemeinde. «Die Abstimmung zur Einheitsgemeinde ist nicht jener zur Kreisschule übergeordnet.»
Auch die ausstehende Grenzbereinigung ist für ihn kein Hindernis. «Denn mit einem Zusammenschluss wären die Grenzen deckungsgleich», sagt Laib.
«Gespräche zwischen den vier Schulen können und müssen basierend auf dem Auftrag der Stimmberechtigten aufgenommen werden», argumentiert Laib. «Die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, dass die ideale Konstellation nie besteht.»
Über die Qualität der Wilemer Schulen masst er sich kein Urteil an. Er führt aber aus, dass es in einer grösseren Schule mehr Möglichkeiten für Austausch und Kooperationsprojekte gibt. Entsprechend lassen sich Synergien nutzen. «Wichtig für die Schulqualität sind aber auch optimale Klassengrössen», meint Laib. Innerhalb einer grösseren Schule sei dies einfacher zu bewerkstelligen.
