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Wetzikon setzt auf Wasserkraft – als Schutz vor Marktschwankungen

Vor Preisschwankungen im Strommarkt wollen sich die Stadtwerke Wetzikon besser schützen - mit Schweizer Waserkraft. Das steckt dahinter.

Die Stadtwerke Wetzikon gehen neue Wege bei der Strombeschaffung und kaufen Strom für zehn Jahre aus dem Laufkraftwerk Gösgen.

Foto: Marcel Studer (Alpiq)

Wetzikon setzt auf Wasserkraft – als Schutz vor Marktschwankungen

Strom aus der Aare ab 2026

Nirgends im Kanton sind die Strompreise 2025 höher als in Wetzikon. Um das langfristig zu ändern, setzt die Stadt auf eine neue Beschaffungsstrategie

Die Stadtwerke von Wetzikon haben bisher den Strom auf dem freien Markt eingekauft. Und dies zu teilweise sehr hohen Preisen, als es 2022 im Zuge des Kriegs in der Ukraine zu grossen Preisanstiegen und Unsicherheiten auf dem Strommarkt kam.

Das spüren die Wetzikerinnen und Wetziker auch im kommenden Jahr: Da Strom immer für mehrere Jahre im Voraus eingekauft wird, bleiben die Strompreise 2025 die höchsten im Kanton – trotz einer angekündigten Preissenkung.

«Die Preise werden voraussichtlich auch 2026 aufgrund der tieferen Einkaufspreise sinken», stellt der zuständige Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP) in Aussicht. Ab dann bezieht Wetzikon auch erstmals Strom aus zwei Schweizer Wasserkraftwerken an der Aare.

Mit dem Energiekonzern Alpiq haben die Stadtwerke einen Zehnjahresvertrag unterzeichnet und ein sogenanntes Power Purchase Agreement abgeschlossen. Das ist ein langfristiger Liefervertrag, der den Bezug von Strom zu festen Konditionen regelt.

Im Winterhalbjahr bezieht Wetzikon damit Strom aus einheimischer Produktion von zwei Kraftwerken an der Aare. Denn zu dieser Jahreszeit ist der Bedarf besonders hoch – unter anderem wegen der Nutzung von Wärmepumpen. Ingesamt deckt der Vertrag etwa 20 Prozent des Wetziker Strombedarf über das ganze Jahr gesehen.

Strategiewechsel für stabile Preise

Wie viel die Stadt für den Strom genau bezahlt, will sie nicht offenlegen. Der Preis befindet sich laut Vettiger etwa auf Höhe der Produktionskosten mit einer kleinen Marge für den Energiekonzern. Die Selbstkosten für Wasserkraftwerke liegen zwischen acht und zwölf Rappen pro Kilowattstunde.

«Mit dem Power Purchase Agreement können wir uns künftig auch besser vor extremen Strommarktschwankungen mit hohen Preisen schützen», sagt Franco M. Thalmann, der Leiter Geschäftsbereich Stadtwerke.

Es ist aber nur ein Teil einer ohnehin angepassten Einkaufsstrategie – mit dem Ziel, dass die Strompreise in Wetzikon wieder sinken. Neu werden die monatlich Jahres-Tranchen nicht fix, sondern nach einem definierten, dynamischen Prozess eingekauft. «Den Strommarkt kann man sich wie die Börse vorstellen», sagt Franco Thalmann. Die Preise schwanken ständig.

2019 noch undenkbar

Ein Vertrag wie mit der Alpiq ist somit ein Novum in Wetzikon. Mit dem Übereinkommen binden sich die Stadtwerke erstmals langfristig an einen Energieversorger.

Noch vor wenigen Jahren wäre dies undenkbar gewesen. «2019 hätten wir einen solchen Vertrag auch noch nicht abgeschlossen», sagt Thalmann.

Damals konnte der Strom am freien Markt teilweise noch für vier Rappen pro Kilowattstunde eingekauft werden. Heute gehen er und Henry Vettiger aber davon aus, dass die Preise kaum mehr das Niveau vor 2022 erreichen.

Proaktiv die Vorgaben erfüllen

Mit dem Vertrag wollen sich die Stadtwerke aber nicht nur besser vor erneuten Marktkapriolen schützen. Sie erfüllen damit auch proaktiv die Vorgaben des sogenannten Mantelerlasses, dem die Schweizerinnen und Schweizer im Sommer an der Urne zugestimmt haben.

Mit dem Gesetzespaket will der Bund langfristig die Stromversorgung in der Schweiz sichern. Der Bundesrat hat in der Folge die Stromversorgungsverordnung angepasst.

Neu schreibt diese den Stromversorgern wie den Stadtwerken Wetzikon vor, dass sie einen Mindestanteil von 20 Prozent einheimischer erneuerbarer Energie in der Grundversorgung haben müssen – im Jahresmittel. Die Grundversorgung betrifft Haushalte und kleine Unternehmen, die einen Verbrauch von unter 100 Megawattstunden pro Jahr haben.

Mit der Beschaffung von Strom aus Schweizer Wasserkraft erfüllt Wetzikon diese Vorgaben bereits. «Wir haben die Vertragsverhandlungen bereits vor der Abstimmung über den Mantelerlass aufgenommen», erklärt Thalmann. Die Stadtwerke wollten proaktiv die neuen Vorgaben erfüllen – auch im Wissen, dass die Verhandlungen nach der Abstimmung nicht einfacher wären.

Vettiger betont: «Wir unterstreichen damit unser Engagement für eine zukunftsweisende Energieversorgung.»

Wieso zahlt man in Wetzikon am meisten?

2025 sinken die Strompreise zwar in Wetzikon um 6,3 Prozent im Vergleich zum laufenden Jahr. Trotzdem ist die Stadt mit Kosten von 40,86 Rappen pro Kilowattstunde im Hochtarif und 30,74 Rappen im Niedertarif kantonaler Spitzenreiter.

Beim Hochtarif setzen sich die Kosten beispielsweise aus 19,43 Rappen für die Energie, 2,53 Rappen für Abgaben und 18,9 Rappen für die Netznutzung zusammen.

Zum Vergleich: Bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ), wo auch zahlreiche Oberländer Gemeinden ihren Strom beziehen, bezahlt man im Hochtarif insgesamt 28,15 Rappen, davon 7,78 Rappen für die Netznutzung.

«Bei den Energiekosten unterscheiden wir uns ja nicht fundamental von anderen Anbietern. Augenfällig ist hingegen, dass unsere Netzkosten einige Rappen höher liegen.», gesteht Stadtrat Henry Vettiger ein.

Ein Grund dafür könnte die Tatsache sein, dass die Stadtwerke Wetzikon in den letzten Jahren in die Erneuerung der Netzinfrastruktur investiert haben, meint Vettiger. «Wir haben ein vitales Interesse zu verstehen, woher die Unterschiede kommen.»

Deshalb gehen die Stadtwerke den hohen Preisen nun auf den Grund. Sie lassen die Netzstruktur und die Kosten mit externer Hilfe überprüfen. Im kommenden Jahr sollen die Ergebnisse vorliegen.

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