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Sie lebt in der Alters-WG in Wetzikon und bekommt weniger Unterstützung

Rosalie Fouché hat sich für das Leben in einer Alters-WG entschieden. Dass dies grosse finanzielle Konsequenzen hätte, war ihr nicht bewusst.

Rosalie Fouché hat sich in der Alters-WG gut eingelebt. Aber den Gürtel muss sie enger schnallen – trotz Entgegenkommen des Vereins.

Foto: Bettina Schnider

Sie lebt in der Alters-WG in Wetzikon und bekommt weniger Unterstützung

Nachteile bei Ergänzungsleistungen

Rosalie Fouché gehört zu den ersten Bewohnerinnen der Alters-WG in Wetzikon. Damit sie dort leben kann, musste ihr der Verein Viva Robenhausen entgegenkommen.

Seit diesem Herbst lebt Rosalie Fouché in einer etwas anderen Wohngemeinschaft in Robenhausen. Sie ist 75 Jahre alt – und gehört zu den ersten zwei Bewohnern der Alters-WG, die der Verein Viva Robenhausen in den letzten Jahren gebaut hat.

Ans WG-Leben ist die gebürtige Südafrikanerin gewohnt. «Ich war bereits mehrmals in einer Wohngemeinschaft zu Hause», sagt sie. Durch ihren Sohn, der in der Region wohnt, ist sie auf das Angebot in Robenhausen aufmerksam gemacht worden.

Zuerst war sie etwas skeptisch, dann war ihr Interesse geweckt: «Ich dachte mir, ich bin noch zu jung für ein Altersheim, aber nicht zu jung für eine Alters-WG.» Besonders überzeugt hat die 75-Jährige, dass beispielsweise die Reinigung der Wohnung und auch ein Notfallknopf zum Angebot dazugehören.

Fr. 842.50 statt 1420 Franken

Um die Finanzen machte sie sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Sorgen. Doch das sollte sich ändern, als sie ihren Untermietvertrag bereits unterzeichnet hatte. Denn sie bezieht Ergänzungsleistungen (EL), da ihre Rente die minimalen Lebenskosten nicht deckt.

Für ihr Zimmer in Robenhausen muss Rosalie Fouché 1250 Franken bezahlen. «Darin enthalten sind auch Kosten für die Reinigung oder die Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner», sagt Daniel Müller. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins Viva Robenhausen, der die Alters-WG mit vier Plätzen gebaut hat. Mit einer normalen Wohnungsmiete sei das nicht vergleichbar.

Doch im Rahmen der Ergänzungsleistungen erhält sie für ein Zimmer nur Fr. 842.50 pro Monat – und nicht wie erwartet bis zu maximal 1420 Franken, die ihr als Alleinstehende für eine eigene Wohnung zustehen würden.

Tiefere Miete

«Im Aargau, wo ich vorher gewohnt habe, war das aber nie ein Thema», sagt Fouché. Dort hat sie auch in einer WG den Betrag für eine Wohnung erhalten – in Wetzikon nicht. Und dies, obwohl Ergänzungsleistungen eigentlich durch den Bund geregelt sind.

Liegt das etwa an der Stadt? Daniel Müller, Vorstandsmitglied des Vereins Viva Robenhausen, verneint dies. «Die Kantone haben Spielräume, und der Kanton Zürich regelt Wohngemeinschaften bei den Ergänzungsleistungen anders als der Kanton Aargau.»

Der Verein hat sich auch von einer Fachperson beraten lassen. «Rechtlich können wir nichts machen, und Rosalie erhält einfach diese Fr. 842.50 pro Monat», sagt Müller mit Bedauern.

Trotzdem wollten er und seine Kolleginnen und Kollegen aus dem Vereinsvorstand ihr den Aufenthalt in der Wohngemeinschaft ermöglichen. «Wir haben deshalb nach tragbaren Möglichkeiten gesucht», sagt Müller.

Und so haben sie bei der Miete angesetzt: «Die 1250 Franken sind schon ein nach unten reduzierter Satz, damit die WG-Zimmer möglichst für viele – auch mit EL – finanzierbar sind», betont er. Ursprünglich war ein um ein paar hundert Franken höherer Betrag geplant gewesen.

«Ich bin sehr dankbar für diese Lösung», sagt Fouché, die sich in der WG in Wetzikon gut eingelebt hat. Aktuell lebt sie dort mit einem Mitbewohner, das dritte Zimmer soll bald auch besetzt sein.

Freiwilligenarbeit statt Angestellter

Doch das grosszügige Entgegenkommen des Vereins hat auch Konsequenzen. Eigentlich war es das Ziel, eine «Gastgeberperson» anzustellen. Diese hätte sich um die administrativen Belange des Vereins kümmern und als Betriebsleitung fungieren sollen.

Doch darauf muss der Verein vorderhand verzichten und diese Aufgaben in Freiwilligenarbeit erledigen. «Zum Glück haben wir einen sehr engagierten Vorstand, welcher vorerst diese Aufgaben übernehmen kann», meint Müller.

Der Verein habe etwas Puffer einkalkuliert, bis alle vier Zimmer besetzt seien, betont er. «Doch dass uns die EL-Beiträge vor neue Probleme stellen, hätten wir nicht gedacht.» Auf noch mehr Einnahmen zu verzichten, ist nicht möglich. «Langfristig können wir das sonst nicht tragen.»

Trotzdem sind er und seine Vereinskollegen weiterhin von ihrem Gesamtkonzept überzeugt. Dazu gehört neben der Alters-WG auch der sogenannte Generationentreffpunkt im Gebäude neben der Wohnung. Der Treffpunkt soll als lokaler, generationenübergreifender Quartiertreffpunkt das Leben in Robenhausen bereichern und kann für verschiedene Anlässe und Angebote gebucht werden.

Generationentreff (links) und WG-Haus.
Zum Projekt von Viva Robenhausen gehört auch der Generationentreffpunkt (links). Die WG befindet sich im Erdgeschoss des Hauses rechts.

Und so war es auch nie ein Thema, die Wohnung einfach regulär zu vermieten. «Das wäre zwar durchaus möglich», betont er. Aber das wollen die Vereinsmitglieder mit vereinten Kräften verhindern.

Hilfe von Stiftung

In der aktuellen EL-Regelung sieht Müller aber ebenfalls einen Missstand. «Alle sprechen von neuen Wohnformen im Alter», sagt er. Doch wenn es um die Unterstützung von ebendiesen geht, sieht alles wieder anders aus. Eine Änderung des Gesetzes müsste aber auf Bundesebene erfolgen – und das wird seine Zeit dauern.

Hoffnung setzt er aber allenfalls auf die Stadt Wetzikon. Mit dieser hat der Verein bereits eine Leistungsvereinbarung von 10’000 Franken pro Jahr. Denn im Rahmen der Altersstrategie 2035 will Wetzikon ein breites Angebot an altersfreundlichen Wohnformen fördern.

«Es wäre möglich, dass die Stadt Beiträge für Personen übernimmt, die in einer Alters-WG wohnen und nicht den vollen EL-Betrag wie für eine Wohnung erhalten», sagt Müller.

Aktuell sieht die Stadt Wetzikon aber keinen Handlungsbedarf. «Die Gesetze bezüglich der Ergänzungsleistungen gelten schweizweit, und die Stadt Wetzikon hält sich auch daran», begründet dies Luzia Zollinger, Fachfrau Kommunikation bei der Stadtverwaltung. «Trotzdem ist es der Stadt Wetzikon im Sinne der Altersstrategie 2035 ein zentrales Anliegen, dass neue Formen von finanziellen Beihilfen für Betreuung und Unterstützung geprüft werden.»

Die Stadt konzentriere sich dabei auf Zusatzleistungen, die den Alltag zu Hause erleichtern sollten. Zusätzliche Unterstützung für Personen wie Rosalie Fouché ist nicht vorgesehen: «Wie schon erwähnt, ist die EL-Gesetzgebung auf Bundesebene geregelt, sodass der Betrag bei diesen Fr. 842.50 bleibt», argumentiert Zollinger.

Bis anhin musste Rosalie Fouché deshalb die knapp 400 Franken Differenz aus dem EL-Beitrag und der Miete selber stemmen – finanziell eine grosse Belastung. Doch nun kann die Rentnerin aufatmen: Sie hat eine Stiftung gefunden, die den Betrag bis auf Weiteres übernimmt. Aber auch sie hofft, dass dereinst Alterswohngemeinschaften bei den Ergänzungsleistungen nicht mehr benachteiligt werden.

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