Wila will Solarpionierin im Tösstal werden
Projekt «Energiepark Wila»
Um unabhängiger von schwankenden Strompreisen zu werden, sollen die Wilemer die Produktion von erneuerbarem Strom im Dorf vorantreiben. Dahinter steckt ein Projekt, das bereits in Weisslingen angelaufen ist.
Unabhängig zu sein und zu bleiben, scheint in der Wilemer DNA tief verankert zu sein. Wenn es nach dem Gemeinderat geht, soll sich dies künftig auch in der Energieversorgung widerspiegeln.
«Wenn wir nicht wollen, dass bei uns 220 Meter hohe Windräder gebaut werden, müssen wir eine Alternative bieten, um etwas gegen den zunehmend drohenden Strommangel zu unternehmen», sagte Gemeindepräsident Simon Mösch (Die Mitte) an einer Info-Veranstaltung vom Mittwoch.
Die Alternative, die der Gemeinde vorschwebt, trägt den Namen Energiepark Wila und stammt aus der Feder der Glattbrugger Firma Inpowers. Mit dem Energiepark Wislig hat das Unternehmen im Sommer bereits ein ähnliches Solarprojekt in der Region angekündigt und buhlt um Dachbesitzer, die mitziehen wollen.
Der Energiepark ist dabei kein eigentlicher Park, sondern vielmehr ein wohlklingender Name für eine Energiegemeinschaft. Der Grundgedanke dahinter: Potenzielle Anlagebesitzer, die auf ihren Dächern Strom produzieren wollen, schliessen sich mit privaten und gewerblichen Stromverbrauchern zusammen.
Das ist möglich dank dem neuen Stromversorgungsgesetz, welches das Volk im Juni angenommen hat. Es tritt in Teilen Anfang 2025 in Kraft.
Strom sparen durch Zusammenarbeit
Durch das Bündeln der Kräfte soll eine Art dezentraler, aber zusammenhängender Solarverbund entstehen. «Wenn wir auf zwei Dritteln der Dächer in Wila eine Solaranlage installieren würden, könnten wir damit den ganzen Jahresverbrauch der Gemeinde decken», sagte Felix Speerli, Geschäftsführer von Inpowers.
Auf der einen Seite stehen private Haushalte, die tagsüber weniger Strom verbrauchen, als sie mit der Solaranlage produzieren. Auf der anderen Betriebe, die in der gleichen Zeit viel Energie verbrauchen. Würden sie sich zusammenschliessen, könnten sie sich optimal ergänzen.
Können die Mitglieder der Gemeinschaft den Strom nicht unmittelbar nutzen, wird er zuerst gespeichert und danach ins Stromnetz eingespeist. Wer als Nutzer mitmacht, wäre demnach nicht mehr Stromkunde der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), sondern des Energieparks.
Ein Energiepark habe aber noch einen weiteren finanziellen Vorteil: «Wenn wir zusammenspannen und ein grösseres Projekt realisieren, werden wir auch für grössere Investoren attraktiv und können bessere Konditionen aushandeln.»
Was die Umsetzung des Energieparks betrifft, wollen Wila und Inpowers aufs Gas drücken. Noch vor Ort konnten sich interessierte Dachbesitzer, Teilnehmer, Gewerbler und Freiwillige in ein Formular eintragen. Starten soll die Umsetzungsphase bereits im kommenden Jahr, mit dem Ziel, dass bis dahin mindestens 100 Personen und rund 50 geplante Neuanlagen Teil des Projekts sind.
Beschlüsse der Gemeindeversammlung
An der Gemeindeversammlung direkt im Anschluss an die Info-Veranstaltung galt es zunächst, die Budgets der beiden Schulgemeinden sowie der Politischen Gemeinde Wila abzusegnen. Da die Primarschule mit steigenden Kosten für Personal und Material rechnet, hat sie eine Erhöhung des Steuerfusses um 5 Prozentpunkte auf 50 Prozent beantragt.
Im Gegenzug kann die Sekundarschulgemeinde ihren Steuerfuss um 2 und die Politische Gemeinde ihren um 3 Prozentpunkte senken. Somit resultiert ein unveränderter Gesamtsteuerfuss von 125 Prozent. Budgets und Steuerfuss der drei Güter haben die Stimmberechtigten jeweils einstimmig und diskussionslos angenommen.
Die Politische Gemeinde holte sich zudem den Segen für die Sanierung der Püntstrasse in Höhe von 766’000 Franken und die dazugehörende Erneuerung der Wasserleitung. Diese kostet 368’000 Franken. Auch diese Kredite wurden ohne Gegenstimme angenommen. Die Arbeiten sollen Anfang Jahr vergeben werden. Läuft alles nach Plan, ist die Strasse bereits im Herbst 2025 fertig.