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Wird die Winterthurerstrasse in Uster ab 2032 barrierefrei?

Jetzt geht es voran mir der Unterführung an der Winterthurerstrasse. Wer wieviel bezahlt ist aber noch unklar.

Mit dem erweiterten Streckennetz wird die Barriere mehr als 38 Minuten pro Stunde geschlossen sein.

Foto: Eduard Gautschi

Wird die Winterthurerstrasse in Uster ab 2032 barrierefrei?

Geplante Bahnunterführung

Der Kanton informiert über die Bahnunterführung an der Winterthurerstrasse. Das Vorprojekt wird auf rund 42 Millionen Franken geschätzt. Offen ist noch, wer wie viel bezahlt.

Uster soll – endlich – eine weitere Bahnunterführung bekommen. Die Baudirektion des Kantons stellte am Mittwochabend das Vorprojekt zur Winterthurerstrasse vor. 250 Menschen verfolgten den Lifestream via Youtube.

Dieses Projekt soll die Autofahrer, Passanten, Velo- und Busfahrer vor noch längeren Wartezeiten am Bahnübergang Winterthurerstrasse bewahren. Denn momentan sind die Schranken dort innerhalb einer Stunde bis zu 34 Minuten geschlossen.

Da die SBB ihr Netz bis 2035 ausbauen und den Takt verdichten wollen, würde sich die Wartezeit an der Barriere auf 38 Minuten und 30 Sekunden verlängern.

Eine Barriere, die sich schliesst.
Mit dem erweiterten Streckennetz der SBB wären die Schranken noch länger geschlossen.

Die Winterthurerstrasse sei eine stark belastete Kantonsstrasse, sagt Andreas Angehrn, Kantonsingenieur des Tiefbauamts. «Mit der Taktverdichtung der SBB nimmt die Verkehrsstörung noch mehr zu.» Deshalb will der Kanton mit den SBB Synergien nutzen.

Jürg Sollberger, Gesamtprojektleiter der SBB, stellt das Projekt vor. Der Verkehr für die Velofahrer werde weniger tief hinunterführen als für die Autofahrer.

Man sieht eine Zeichnung von der möglichen Unterführung der Winterthurerstrasse in Uster.
So könnte die Unterführung in Uster in Zukunft aussehen.

«Sämtliche Seitenwände werden mit Lärmschutzelementen bestückt.» An den Seitenwänden werde es Fallsäulen geben, als gestalterische Elemente.

Fussgänger und Velofahrer werden eine getrennte Spur erhalten. Auch die «Velobahn» wird angesprochen. Eine schnelle Verbindung, die von Wetzikon via Uster nach Zürich führen wird. Der Platz dafür wird im Projekt bereits berücksichtigt. Wo heute die Strasse entlangführt, sind Baumreihen geplant.

Kosten von 40 bis 50 Millionen Franken

«Wir haben eine Kostenschätzung gemacht: Das Vorprojekt beläuft sich auf rund 42 Millionen Franken, mit plus/minus 20 Prozent Genauigkeit», so Sollberger.

Wenn das Bauprojekt im Detail vorliege, könne man einen Kostenvoranschlag erarbeiten, der eine Reserve von 10 Prozent enthalte. «Das wird dann die Zahl des zu finanzierenden Kredits sein.»

Gleichzeitig mit der Unterführung soll der Strassenabschnitt bis zur Oberlandstrasse ausgebaut werden und eine elektronische Busspur plus eine Regelung für den Autoverkehr erhalten. Vermutlich wird dort eine Ampel hinkommen.

Diese brauche es, um den Nashornkreisel zu entlasten. «Damit man nicht zu viel Verkehr in die Stadt reinlässt», erklärt Markus Hegglin, Projektentwickler des Tiefbauamts.

In der ersten Kostenschätzung sei der Strassenabschnitt bis zur Oberlandstrasse noch nicht mit dabei, auch nicht die Busspur. Rechne man diese mit ein, werde sich das Projekt auf 50 Millionen belaufen.

Bis 2032 könnte es geschafft sein

Das Tiefbauamt schätzt, 2029 mit dem Bau beginnen zu können. «Da ist schon eine Zeitreserve mit eingerechnet für vielleicht schwierige Verhandlungen», so Hegglin. Es könne auch ein bis zwei Jahre länger dauern, bis die Bagger auffahren dürften. Das Ziel: 2032 soll die Unterführung für den Verkehr freigegeben werden.

Das Tiefbauamt wolle das Bauprojekt bis 2025 fertig erarbeiten, danach müssten die Landerwerbe geregelt sein, erklärt Hegglin. Die Verantwortlichen wollen 2026 die Baubewilligung des Regierungsrats einholen können.

Ein zentraler Knackpunkt ist nach wie vor die Aufteilung der Kosten zwischen dem Bundesamt für Verkehr (BAV) und dem Kanton. Da man sich bis anhin noch nicht einigen konnte, schiesst der Kanton die Kosten erst mal vor. Dies auf die konkrete Anfrage von Kantonsrat Simon Vlk (FDP). Das heisst, es kann unter Umständen Jahre dauern, bis der Bund bezahlt.

Die Höhe der Unterführung werde übrigens 4,5 Meter betragen. Ein wichtiger Hinweis, denn an der anderen Bahnunterführung – an der Dammstrasse – bleiben ab und zu Lastwagen stecken. Sie wurde 1984 zu wenig tief gebaut. Diesen Fehler wolle man an der Winterthurerstrasse vermeiden.

Ein Lastwagen, der in einer Unterführung stecken geblieben ist.
An der Dammstrasse sind auch schon mal Lastwagen stecken geblieben. Das will man an der Winterthurerstrasse vermeiden.

In der anschliessenden Fragerunde wird die Idee, den Verkehr von Uster mittels Tunnel in den Untergrund zu verfrachten, mehrmals angesprochen. Wir berichteten, dass einige Parlamentarier diese Lösung bevorzugen.

Kein Tunnel, dafür Tempo 30

Marcel Kauer, Stadtingenieur von Uster, antwortet darauf, dass diese Variante eingehend geprüft worden sei, aber nicht infrage komme, weil sie nur dem Durchgangsverkehr diene und nicht den Ustermern selbst. «Die Ustermer hätten nichts von dem Tunnel.» Zudem wären die Kosten dafür sehr hoch.

Wie die Verantwortlichen erläutern, beläuft sich der Durchgangsverkehr bei der Winterthurerstrasse nur auf 25 Prozent. Der grössere Teil, also 75 Prozent, sei Verkehr, der von lokalen Bewohnern generiert werde. «Das ist oft so – wenn man die Bevölkerung fragt, sagt sie meistens, es handle sich um Durchgangsverkehr, dabei ist es oft Quellverkehr.»

Kritik gibt es an der geplanten Geschwindigkeitsbegrenzung. Warum auf einer Hauptachse Tempo 30 eingeführt werde, wenn das in den Quartieren noch nicht umgesetzt sei?

Kauer sagt dazu: Die Anträge für Tempo 30 kämen jeweils aus den Quartieren heraus, rund um Schulen seien sie schon mehrheitlich umgesetzt. «Im aktuellen Richtplan ist sowieso angedacht, dass alle Quartierstrassen Tempo 30 werden.»

Hegglin fügt an, dass aus Lärmschutzgründen Tempo 30 nötig sei. «Es gibt nur einen kurzen Abschnitt im Tunnel drin, wo Tempo 50 möglich wäre – doch der Abschnitt ist zu kurz.»

Das Vorprojekt für die Unterführung Winterthurerstrasse liegt vom 8. November bis 8. Dezember bei der Stadtverwaltung Uster öffentlich auf. Die Unterlagen können ab 8. November auch über die kantonale Website unter dem Begriff Planauflageverfahren heruntergeladen werden.

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