Wie löst man die verzwickte Situation im mittleren Tösstal?
Kein Vorwärtskommen
Einheitsgemeinde, Kreisschule, Fusion: Wohin führt die Zukunft von Turbenthal und Wila – und braucht es überhaupt Veränderungen? Gespräche sollen bald Klarheit bringen.
Es scheint, als wäre die Situation im mittleren Tösstal völlig verfahren. In Turbenthal ist noch immer offen, wie es nach der Volksabstimmung vom März weitergeht. Damals nahmen die Stimmberechtigten sowohl die Prüfung einer Einheitsgemeinde als auch die Aufnahme von Verhandlungen für eine Kreisschule zusammen mit Wila an.
Ein, wie sich herausstellt, rechtlich kniffliger Sachverhalt, dessen Klärung andauert. Denn am Schluss könnte nur eine der Vorlagen umgesetzt werden. Der Ball liegt beim Bezirksrat.
Hinzu kommt, dass die Schulgrenzen der Primarschulgemeinden Turbenthal und Wila bei Tablat und im Steinenbachtal noch immer nicht bereinigt sind. Gebiete, die zur Politischen Gemeinde Turbenthal gehören, sind weiterhin Teil der Primarschule Wila.
Da dies dem Gemeindegesetz widerspricht, haben die Bezirksräte von Winterthur und Pfäffikon die Grenzbereinigung per Beschluss vorgenommen. Doch das Verfahren wurde weitergezogen – ein langer Rechtsstreit ist absehbar. Unterstützt werden die Eltern beim Instanzenzug dabei nicht nur von der Primarschulgemeinde, sondern auch von der Politischen Gemeinde Wila.
Ein Entscheid, viele Reaktionen
Es sind unter anderem diese Unklarheiten, die die Gemeinde Wildberg dazu bewogen haben, eine Fusion mit Pfäffikon ins Auge zu fassen. «Im Moment geht es nicht mit dem Tösstal», sagte Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP) an der Info-Veranstaltung für die Bevölkerung.
Der Entscheid aus Wildberg kurz vor den Sommerferien hat im Tösstal für Aufsehen gesorgt. Die Gemeinde Wila, die gerne eine vertiefte Zusammenarbeit mit Wildberg geprüft hätte, sah sich zu einer Stellungnahme verpflichtet. Der Turbenthaler Urs Gutknecht forderte kurz darauf in einem offenen Brief sogar die Fusion von Wila, Wildberg und Turbenthal.
Ende August liess auch der Turbenthaler Gemeinderat verlauten, dass er «offen und diskussionsbereit» für jegliche Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden ist. In einer kürzlich verschickten gemeinsamen Mitteilung der Politischen Gemeinde und der beiden Schulen wurde der Gemeinderat sogar noch konkreter: «Es sind Gespräche angedacht, wie eine langfristig gute Lösung für das mittlere Tösstal aussehen könnte.»
Erste Gespräche laufen
In Turbenthal hat dazu bereits ein erster Austausch zwischen den drei Gütern stattgefunden, wie Gemeindepräsident René Gubler (FDP) bestätigt. Andere Gemeinden sind nicht involviert – noch nicht.
Auf die Frage, wie eine «langfristig gute Lösung» aussieht, bleibt Gubler zurückhaltend: «Ich denke, wir sollten offen sein für alle möglichen Szenarien.» Die nötigen Gespräche sollten auf Augenhöhe geführt werden, offen und konstruktiv sein.
Für Gubler ist das Ziel: «Wir sollten uns für ein zentrumsstarkes Tösstal einsetzen und unserer Bevölkerung Perspektiven geben.» Denn das letzte Wort habe ohnehin das Volk.
Unabhängig von möglichen Gesprächen ist klar: Die nicht bereinigten Schulgrenzen schränken auch die aktuellen Handlungsmöglichkeiten von Turbenthal ein. Die Bildung einer Einheitsgemeinde wäre damit beispielsweise nicht möglich.
Das scheint auch dem Wilemer Gemeindepräsidenten Simon Mösch (Die Mitte) bewusst: Er brachte im Juli eine weitere Lösung aufs Tapet, und zwar einen Gebietswechsel der betroffenen Aussenwachten im Steinenbachtal sowie in Tablat. «Aus geografischer Sicht gehören sie seit je zu Wila, aber politisch zu Turbenthal», sagte Mösch damals.
Für ihn ist jedoch klar, dass der Anstoss dazu aus der Bevölkerung kommen muss – in Form einer Initiative. «Sollte der Wille bestehen seitens der Einwohnerschaft, eine entsprechende Initiative einzureichen, hat der Gemeinderat Wila die Unterstützung des Anliegens in Aussicht gestellt», bekräftigt Mösch.
In Turbenthal hat Gemeindepräsident Gubler noch keine Kenntnis von solchen Bestrebungen rund um einen Gebietswechsel. «Bei der ersten informellen Anfrage von Simon Mösch an mich habe ich das Thema danach in den Gemeinderat Turbenthal gebracht», sagt er. Dort sei man zum Schluss gekommen, dass nicht nur über einen Gebietswechsel gesprochen werden sollte. «Sondern das Gedankengut etwas erweitert werden sollte.»
Strukturdiskussionen auch in Wila
Wie weiter also im mittleren Tösstal? In Turbenthal ist die Frage nach der künftigen Struktur der Gemeinde weiterhin offen. In Wila wurde diese Diskussion bereits im Jahr 2022 geführt.
Damals entschied das Volk an der Urne, dass die Idee einer Einheitsgemeinde sowie einer möglichen Fusion mit Turbenthal nicht weiterverfolgt wird. In Wila blieb alles beim Alten. Die Gemeinde besteht weiterhin aus drei Gütern – der Politischen Gemeinde sowie der Primar- und der Sekundarschulgemeinde.
Gemeindepräsident Simon Mösch will daran wohl auch nichts ändern: «Aus meiner Sicht sollten die Gemeinden nicht immer wieder über irgendwelche teure Strukturanpassungen diskutieren, deren Mehrwert nicht messbar ist und die immer mit einem Abbau an Mitwirkung einhergehen», sagt er und fügt an, dass dies seine persönliche Meinung ist.
«Eine Gemeindestruktur ist dann optimiert, wenn die zuständigen Exekutiven genug Kapazitäten haben, Mitwirkung lokal zu fördern und Projekte gemeinsam zu entwickeln», ist Mösch überzeugt. Für ihn ist das in Wila gegeben.
Doch Strukturdiskussionen wird es auch in Wila unweigerlich wieder geben. Denn in gewissen Kreisen scheint die von der Primarschule Turbenthal aufgeworfene Idee einer Kreisschule durchaus Sympathien zu geniessen. So hat Marianne Kleber eine Einzelinitiative dazu eingereicht.
Diese fordert, dass die beiden Wilemer Schulgemeinden beauftragt werden, mit der Primarschulgemeinde Turbenthal und der Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg Vertragsverhandlungen aufzunehmen, um in absehbarer Zeit die betreffenden Schulen zusammenzuführen.
Die Abstimmung wird am 9. Februar 2025 an der Urne erfolgen. Die beiden Schulen lassen sich dabei noch nicht in die Karten blicken. «Wir sind am Erarbeiten eines beleuchtenden Berichts mit unserer Abstimmungsempfehlung, welcher zu gegebener Zeit publiziert wird», teilt Sandra Siepmann (parteilos), Präsidentin der Primarschulgemeinde, mit. Mehr News gebe es im Moment noch nicht.
