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Politik

Schlatt will Glasfasernetz Ende 2025 in Betrieb nehmen

Weil Swisscom & Co. nicht wollten, baut Schlatt für 4,5 Millionen ein eigenes Netz. Es soll niemanden ausschliessen – und einen weiteren Vorteil bieten.

In Unterschlatt ist der Glasfasernetzbau bereits abgeschlossen. In den anderen Ortsteilen läuft er noch.

Foto: Madeleine Schoder

Schlatt will Glasfasernetz Ende 2025 in Betrieb nehmen

Ende der Internetdürre in Sicht

Nach gescheiterten Verhandlungen beschloss die Gemeinde, ein eigenes Glasfasernetz zu bauen. Sie sieht darin Vorteile für die Bürger. Und selbst die Nachbargemeinde könnte dereinst profitieren.

Ob E-Banking oder Streaming: Ohne ausreichende Internetversorgung lassen sich alltägliche Aufgaben heute nur schwerlich verrichten – auch in der malerischen Hügelgemeinde Schlatt. Das Thema war hier lange Zeit ein Dauerbrenner.

Zwar gelang es dem Gemeinderat 2015, mithilfe von Verhandlungen zu erwirken, dass die Swisscom ein sogenanntes Fiber-to-the-Street-Projekt umsetzt, also Glasfaserleitungen bis in gewisse Knotenpunkte der verstreuten Gemeinde legt.

«Über den letzten Abschnitt bis in die Häuser lief das Internet durch die üblichen Kupferleitungen», erklärt Tiefbau- und Werkvorsteher Dieter Schellenberg (parteilos). Von der vollen Glasfaserleistung konnten die Haushalte also gar nicht profitieren.

Das Problem: Für die grossen Internetanbieter Swisscom und Sunrise war ein Ausbau bis in alle Häuser zu wenig lukrativ. Der Gemeinderat entschied deshalb, selbst tätig zu werden, sprich, ein eigenes, unabhängiges Netz aufzubauen.

Die Devise war von Anfang an klar: «Wenn wir Steuergelder einsetzen, müssen alle eine Möglichkeit haben, ihre Liegenschaft anzuschliessen», sagt Schellenberg. Im März 2023 erhielt die Exekutive von den Stimmberechtigten den Segen dafür.

Einzelne Ortsteile bereits vernetzt

Dass die Schlatter Bevölkerung schnelleres Internet begrüsst, zeigte sich nicht nur an der mit 69 Prozent Ja-Stimmen deutlich ausfallenden Zustimmung zum Baukredit. «Bis auf wenige Ausnahmen machen praktisch alle Haushalte beim Glasfaserausbau mit.» 4,5 Millionen Franken lässt sich Schlatt diesen kosten.

Anderthalb Jahre später ist der Ausbau in vollem Gange. Bei einzelnen Strassenbauprojekten hat der Gemeinderat bereits vor der Urnenabstimmung vorsorglich Leerrohre einbauen lassen, in die später Glasfaserleitungen eingezogen werden können.

Bereits abgeschlossen ist der Glasfaserausbau in den Ortsteilen Unterschlatt und Nussberg, in Waltenstein ist er gut zur Hälfte vollendet. In Oberschlatt unterzieht das kantonale Tiefbauamt im kommenden Frühling die Girenbadstrasse und Teile der Hofstetter- und der Unterdorfstrasse einer Sanierung. Im Zuge dessen lässt die Gemeinde auch hier Rohre einbauen.

«Bei den Sanierungen der Kantonsstrassen gibt der Kanton den Takt vor», sagt Schellenberg. Deshalb hat die Gemeinde jenen Ortsteilen den Vorzug gegeben, in denen ohnehin eine Strassensanierung anstand. «Die Abstimmung der Projekte aufeinander macht die Sache nicht weniger komplex, ist aber das einzig richtige Vorgehen.»

Synergien nutzte sie nicht nur bei den Strassensanierungen, sondern auch beim Wasserverbundprojekt mit Elgg und Zell. So gelang es, auch den etwas abgelegenen Hof Schwändi und Hofstetten mit Leerrohren zu erschliessen.

Der Elgger Ortsteil ist zwar nicht Teil des Projekts, könnte laut Schellenberg aber in Zukunft auch von Schlatt her mit Glasfaser erschlossen werden. «Dort dürfte die Glasfaserversorgung nämlich auch nicht sehr gut sein.»

Mindestens fünf Anbieter geplant

Ziel ist gemäss dem Gemeinderat, dass die Glasfaserleitungen in allen Ortsteilen Ende 2025 in Betrieb gehen. Kosten- und termintechnisch befinde man sich im Zeitplan.

Während der Bauarbeiten laufen parallel die Verhandlungen mit den Internetprovidern. Die Gemeinde will gut die Hälfte der Baukosten amortisieren, unter anderem mit Anschlussgebühren und der Netzmiete, die die Anbieter bezahlen.

Wer seine Dienste anbieten wird, ist zwar noch nicht klar. «Geplant ist aber, dass mindestens fünf verschiedene Anbieter zur Auswahl stehen», sagt Schellenberg.

Dass eine Gemeinde ein eigenes Netz baut, ist ein eher seltener Fall. Anders als in Schlatt war es beispielsweise der Gemeinde Bauma gelungen, die Swisscom für einen Ausbau in Sternenberg zu überzeugen. Eine Rolle hatte dabei offenbar ein «guter Draht» zu Mitte-Nationalrat Martin Candinas gespielt.

Darauf angesprochen, sagt Schellenberg, solch ein Vorgehen sei für Schlatt nie ein Thema gewesen. Und verweist auf die Freiheiten, die ein eigenes Netz bietet. «Wir lassen alle Anbieter zu, die unsere Bedingungen erfüllen, damit für die Bevölkerung eine möglichst grosse Auswahl besteht.»

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