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Neue Greifenseestrasse: Uster bleibt bei Nein, Volketswil kämpft weiter

Kommt die Neue Greifenseestrasse doch? Ein Eintrag im Agglommerationsprogramm lässt aufhorchen. Das ist der Stand der Dinge.

Könnte dereinst eine Strasse durchs Näniker Grossriet führen? In Uster ist man kategorisch dagegen. Volketswil hofft aber auf Solidarität. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Neue Greifenseestrasse: Uster bleibt bei Nein, Volketswil kämpft weiter

Umstrittenes Strassenprojekt

Die Bevölkerung von Uster lehnt die Neue Greifenseestrasse ab. Doch trotz dem Volksentscheid von 2021 ist das Thema noch nicht vom Tisch. Volketswil bleibt weiterhin dafür.

Eine Strassenverbindung durch das Näniker Grossriet lässt in Uster schon seit Jahren die Wogen hochgehen. Die Neue Greifenseestrasse war eigentlich angedacht, um das Volketswiler Industriegebiet Zimikon vom Verkehr zu entlasten.

Dieses Vorhaben stösst in Uster auf wenig Zustimmung. 2021 gab es ein Verdikt der Stimmbürger: Sie nahmen den Gegenvorschlag zur «Initiative gegen den sinnlosen Bau der Neuen Greifenseestrasse in Nänikon» an.

Die Stadt wurde damit beauftragt, sich gegen den Bau der Strasse einzusetzen – und zwar, indem sie beim Kanton Zürich und beim Zweckverband Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO) die Streichung aus dem Richtplan fordert.

Daher war es für viele Ustermer überraschend, dass die Neue Greifenseestrasse noch immer nicht vom Tisch ist. Denn kürzlich hat der Kanton seinen Entwurf für das Agglomerationsprogramm der fünften Generation vorgestellt.

Mit diesen Programmen will der Bund erreichen, dass Verkehrs- und Siedlungspolitik in den Agglomerationen aufeinander abgestimmt sind. Je besser das Programm, desto höher die Beteiligung des Bunds.

Im Entwurf, der in die öffentliche Vernehmlassung geschickt wurde, ist auch weiterhin die Neue Greifenseestrasse aufgeführt. Und zwar als sogenannte B-Massnahme. Das heisst, eine Realisierung ist in den Jahren 2032 bis 2035 angedacht.

Der Ustermer Gemeinderat Paul Stopper (BPU) nahm dies sogleich zum Anlass, eine Anfrage beim Stadtrat einzureichen. Die Antwort steht noch aus.

Kanton kennt Volksentscheid

Rechnet der Kanton also weiterhin mit einem Bau der Strasse? Die Volkswirtschaftsdirektion, die für die Erstellung des Programms zuständig ist, äussert sich nur zurückhaltend – denn der Prozess bis zur definitiven Einreichung läuft noch.

«Der Bau der Neuen Greifenseestrasse wurde für das Mitwirkungsverfahren aufgenommen, da sie bereits Bestandteil eines früheren Agglomerationsprogramms war», erläutert Mediensprecher Manuel Fuchs. Ausserdem sei die Strasse immer noch Teil des regionalen Richtplans und des Masterplans Uster-Volketswil aus dem Jahr 2013.

Masterplan Uster-Volketswil

Der Masterplan wurde von der Baudirektion des Kantons Zürich, der Regionalplanung Zürcher Oberland, der Zürcher Planungsgruppe Glattal sowie den Gemeinden Uster, Volketswil, Schwerzenbach und Greifensee in Auftrag gegeben. Dieser soll den Gemeinden zur Koordination ihrer planerischen Massnahmen dienen und gibt den Rahmen vor, wie sich das Gebiet entwickeln soll.

Der Volksentscheid aus Uster sei dem Kanton aber bekannt, erläutert Fuchs. «Er fliesst in die Beurteilung ein.» In den kommenden Wochen werden die eingegangenen Stellungnahmen aus dem Mitwirkungsprozess ausgewertet.

Klare Haltung aus Uster

Im Mitwirkungsprozess hat sich auch die Stadt Uster geäussert. Sie fordert vom Kanton, dass die Massnahme gestrichen wird. «Die Bevölkerung von Uster hat sich per Volksentscheid gegen den Bau der Neuen Greifenseestrasse ausgesprochen», begründet der Stadtrat dies in seinem Beschluss.

Auf die Erfolgschancen dieses Begehrens angesprochen, meint der zuständige Stadtrat Stefan Feldmann (SP): «Das ist schwer zu beurteilen.» Er betont, dass die Stadt nach dem Volksentscheid die Umsetzung an die Hand genommen habe. Im Februar 2023 hat sie in einem Schreiben an die Regionalplanung Zürcher Oberland die Streichung der Neuen Greifenseestrasse aus dem regionalen Richtplan gefordert.

Noch wurde dem Anliegen nicht stattgegeben. Denn der Masterplan Uster-Volketswil aus dem Jahr 2013, in dem die Neue Greifenseestrasse vorgesehen ist, soll ohnehin überarbeitet werden. Daran beteiligt sind neben der RZO auch die Zürcher Planungsgruppe Glattal, die Gemeinden Uster, Schwerzenbach, Volketswil und Greifensee und mehrere kantonale Ämter.

«Das heisst, dass der Nutzen der Neuen Greifenseestrasse und die Voraussetzungen für einen allfälligen Bau nochmals neu überprüft werden», erläutert Feldmann. Er geht davon aus, dass die Arbeiten für den neuen Masterplan 2026/2027 abgeschlossen werden.

An der Position von Uster ändert sich deshalb aber nichts. «Die Stadt hat im Rahmen dieser Diskussionen immer klar kommuniziert, dass sie am Antrag auf Streichung der Neuen Greifenseestrasse festhält», betont der Stadtrat. Er werde sich im Rahmen der Überprüfung des Masterplans für Lösungen einsetzen, die ohne den Bau der Strasse durchs Ried auskämen.

Kein Verständnis in Volketswil

Auch die Gemeinde Greifensee spricht sich seit Jahren gegen den Bau der Neuen Greifenseestrasse ohne flankierende Massnahmen aus. «Unsere Befürchtungen, dass die Strasse zu vermehrtem Durchgangsverkehr führen könnte, wurden sogar eher noch verstärkt, da nun definitiv klar ist, dass es die Umfahrung Uster West nicht geben wird», sagt Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP).

Anders sieht dies hingegen in Volketswil aus. Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) appelliert immer noch an die Solidarität der Nachbargemeinden – zumal auch die dortige Bevölkerung die Einkaufsmöglichkeiten in Volketswil rege nutzt.

Angesicht des Bevölkerungswachstums mit weiter zunehmendem Verkehr müsste es laut Pinto im Interesse der ganzen Region liegen, überall den Verkehr für alle Teilnehmenden so flüssig wie möglich zu halten. Die bestehende Verkehrsinfrastruktur rund um das Einkaufs- und Industriegebiet in Volketswil reicht in seinen Augen nicht aus.

«Aus Sicht des Gemeinderats ist die Neue Greifenseestrasse für die weitere Entwicklung der Gemeinde Volketswil, aber auch der Region unverzichtbar.» Volketswil werde sich deshalb auch weiterhin dafür einsetzen, dass die Strasse dereinst gebaut werde.

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