Ausgerechnet die Grünen kritisieren Energieförderung in Wetzikon
Neuer Fokus sorgt für Diskussionen
Der Stadtrat unterstützt den Ausbau von Solaranlagen in Zukunft nicht mehr. Das bereitet den Wetziker Grünen Sorgen, die auch weitere Kritikpunkte vorbringen.
Die Energiefördergelder in Wetzikon sind bei Hauseigentümern beliebt. Der vom Volk bewilligte Rahmenkredit von drei Millionen Franken für die Jahre 2020 bis 2024 war bereits im letzten Jahr aufgebraucht.
Im vergangenen Dezember musste das Parlament deshalb einen zusätzlichen Kredit von 1,6 Millionen Franken fürs Jahr 2024 bewilligen. Und schon wieder ist der Topf vor Jahresende fast leer.
Für den Stadtrat ist das Anlass für ein Umdenken: Auch künftig soll die Stadt Energiemassnahmen fördern, aber mit einem anderen Fokus.
Nachholbedarf bei Gebäudesanierungen
Der Stadtrat beantragt beim Parlament einen Kredit von 1,2 Millionen Franken für die Jahre 2025 bis 2027. Gleichzeitig hat er ein neues Förderreglement verabschiedet, das die Umweltkommission erarbeitet hatte.
Ab nächstem Jahr will sich der Stadtrat auf die Energieeffizienz von bestehenden Gebäuden konzentrieren. Geld aus dem Fördertopf gibt es dann beispielsweise für eine bessere Isolierung des Dachs oder eine Sanierung der Gebäudehülle für eine bessere Wärmedämmung. Mit diesen Massnahmen lässt sich der Energiebedarf fürs Heizen verringern.
«In diesem Bereich besteht noch Nachholbedarf», erklärt Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP). Er ist für das Ressort Tiefbau, Umwelt und Energie zuständig und ist deshalb auch Präsident der Umweltkommission.
Im Gegenzug sollen Hauseigentümer künftig aber beispielsweise für den Ersatz der Heizung oder das Einbauen von Solarpanels keinen Förderbetrag von der Stadt mehr erhalten.
Kommen Solaranlagen sowieso?
Kritik am geplanten Regime kommt dabei von unerwarteter Seite, und zwar von den Grünen. «Das neue Reglement hat bei uns für Stirnrunzeln gesorgt», sagt Kaspar Spörri, der für die Partei im Stadtparlament sitzt.
Zwar begrüssen die Wetziker Grünen, dass die Stadt auch künftig Projekte fördern will, welche die Energiewende vorantreiben. «Wir sind aber der Meinung, dass das neue Reglement insgesamt nicht zielführend ist.» Als Beispiel nennt er, dass keine Gelder mehr für den Bau von Photovoltaikanlagen oder für innovative Lösungen für Wärmespeicherung vorgesehen sind.
Der Stadtrat begründet seine Haltung zur Photovoltaik damit, dass er sogenannte Mitnahmeeffekte verhindern will. Sprich: Die Fördergelder sollen nicht für Projekte eingesetzt werden, die ohnehin umgesetzt würden – mit oder ohne Geld der Stadt. «Die Förderung soll Anreize schaffen», erläutert Vettiger.
Bei der Photovoltaik sei das beispielsweise nicht mehr gegeben. In der Umweltkommission sei dies intensiv diskutiert worden. «Das Bewusstsein, den Strom auf dem Dach zu nutzen, ist bei der Bevölkerung da», ist der Stadtrat überzeugt. Dieser Trend werde anhalten.
Spörri kann zwar diese Überlegungen zum Mitnahmeeffekt nachvollziehen. Bei der Förderung der Photovoltaik wendet der Umweltingenieur aber ein: «Es ist wichtig, dass es schnell vorangeht angesichts der Stromlage in der Schweiz. Denn Wetzikon liegt bei der Photovoltaik immer noch deutlich hinter dem Schweizer Durchschnitt.» Dass man die städtische Förderung komplett streicht, sorgt bei ihm für Fragezeichen. Er befürchtet, dass sich der Ausbautrend in Wetzikon verlangsamen könnte.
Der Politiker hätte sich zudem gewünscht, dass die Stadt den Austausch mit anderen Gemeinden wie beispielsweise Zürich gesucht hätte. Die Kantonshauptstadt unterstützt zahlreiche Energiemassnahmen, von der energetischen Sanierung bis zum Einbau einer Ladestation.
Ein solch umfassendes Programm könne und müsse Wetzikon nicht bieten, betont Spörri. «Die spielen in einer anderen Liga», hält er fest. «Aber man hätte sich vorab erkundigen können, welche Massnahmen in anderen Gemeinden als besonders zielführend beurteilt werden, um diese dann zu übernehmen», ist er überzeugt. Man müsse das Rad nicht in jeder Gemeinde neu erfinden.
«Klare Aufgabenteilung»
Trotz der Kritik am Stadtrat stehen die Grünen weiterhin hinter einer Fortsetzung der Fördermassnahmen in Wetzikon – sofern diese effizient und wirksam ausgestaltet werden. Der Parlamentarier prangert jedoch an, dass das Parlament lediglich den Kredit dafür bewilligen kann. «Inhaltlich können wir kaum mitreden», bedauert Spörri.
Stadtrat Vettiger weiss, dass dieser Umstand bei einigen Mitgliedern des Parlaments für Unmut sorgen könnte – auch in der Debatte. Er nimmt dies jedoch gelassen. «Es gibt eine klare Aufgabenteilung zwischen der Exekutive und der Legislative.» Das Parlament könne dem Stadtrat bei einem Strassenbauprojekt beispielsweise auch nicht vorschreiben, ein Trottoir breiter zu bauen als geplant.
