So reagiert das Oberland auf die Windkraftpläne des Kantons
Aufatmen und neuer Ärger
Die Erleichterung in der Region ist gross – aber nicht überall. Die drei verbleibenden Eignungsgebiete geben zu reden.
Am Dienstag hat der Kanton die Eignungsgebiete für Windkraftanlagen präsentiert. Das Oberland bleibt dabei weitestgehend verschont. Es gab in der Region zwar 16 Potenzialgebiete, doch nur 3 davon sollen vorerst als mögliche Standorte für Windkraftanlagen im Richtplan eingetragen werden.
Eines dieser Gebiete im Oberland ist Schönwis auf dem Gemeindegebiet von Wetzikon und Hinwil. «Wir dürfen uns wohl nicht zu früh freuen», sagt der Hinwiler Gemeindepräsident Andreas Bühler (SP) zum Entscheid des Kantons. Er sei jedoch erleichtert, dass der Bachtel mit seinem Schutzgebiet für Windräder nicht infrage komme.
> > Lesen Sie hier, wo der Kanton Zürich Windräder ermöglichen will.
In Hinwil hatte der Gemeinderat eine Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) in die Wege geleitet, die Windräder vom eigenen Gemeindegebiet verbannt. Im März wurde das Anliegen mit grosser Mehrheit von der Gemeindeversammlung angenommen.
Wie weiter?
Die revidierte BZO muss aber noch dem Kanton zur Prüfung vorgelegt werden – und es ist absehbar, dass dieser den Passus für ungültig erklärt. Bühler will trotzdem am Verfahren festhalten. «Wir haben einen Volksentscheid, der darf nicht einfach in der Schublade verschwinden.»
Wie es nach dem erwartbaren negativen Entscheid aus Zürich weitergeht, weiss Bühler aber noch nicht. «Wir müssen das ganze weitere Vorgehen ohnehin zuerst mit den Behörden besprechen.»

Auch der Wetziker Stadtrat Stefan Lenz (FDP) will sich beim Gebiet Schönwis noch nicht in die Karten schauen lassen. «Wir haben jetzt eine höhere Planungsgenauigkeit und damit auch eine sachliche Diskussionsgrundlage», erklärt er. Der Stadtrat werde diese genau prüfen und anschauen.
«Wir sind grundsätzlich gegen Technologieverbote, müssen uns aber auch mit den möglichen Auswirkungen auseinandersetzen», erklärt Lenz. In Wetzikon ist zudem noch eine Initiative der SVP hängig, die ebenfalls einen Mindestabstand in der BZO festschreiben will. Laut Lenz kommt diese voraussichtlich Anfang 2025 an die Urne.
Grösser ist der Ärger beim Bubiker Gemeindepräsidenten Hans-Christian Angele (FDP). «Wir können nicht verstehen, wieso ein Windrad auf dem Hombergchropf gebaut werden soll. Das haben wir dem Kanton auch schon vor längerer Zeit mitgeteilt», erklärt er. Denn in der Umgebung gebe es sehr viele Schutzgebiete.

Ein einzelnes Windrad gebe zudem sehr wenig Strom. «Doch die Auswirkungen auf Natur und Landschaft sind sehr gross.» Der Gemeinderat wird die Angelegenheit nun vertieft prüfen und dann entsprechende Massnahmen in Betracht ziehen.
Rüti will sich informieren
Vor eine neue Situation gestellt sieht sich die Gemeinde Rüti. «Noch vor einem Jahr war ich der Überzeugung, dass der Standort Batzberg aus der Evaluation fallen wird», meint Rütis Gemeindepräsidentin Yvonne Bürgin (Die Mitte).
An einem Podium in Rüti Mitte April habe sie dann aber von Fachleuten zu hören gekriegt, dass der Batzberg wirklich Potenzial für Windenergie habe. Und nun soll der Standort in den Richtplan eingetragen werden.

«Wegen der Pläne der Baudirektion müssen wir nun aber nicht nervös werden», unterstreicht Bürgin. Denn so schnell würden keine Bagger auffahren. Zunächst sei der ganze politische Prozess sehr, sehr lange. Und dann brauche es auch noch einen Investor.
Der Rütner Gemeinderat werde sich jetzt aber intensiver mit der ganzen Thematik auseinandersetzen. Dazu gehört auch ein Besuch des Windparks Verenafohren bei Tengen gleich ennet der Grenze. «Wir brauchen mehr Fachwissen und wollen nicht einfach Nein zu dieser Technologie sagen.» Schliesslich habe sich am Podium gezeigt, dass die Meinung der Bevölkerung gegenüber der Windenergie geteilt sei.
Wenn nun der Batzberg im Richtplan als Eignungsgebiet eingetragen werden solle, erhalte die noch hängige Initiative, die einen Abstand von 1000 Metern von einem Windrad zum bewohnten Gebiet verlange, mehr Bedeutung – «und macht die ganze Angelegenheit komplizierter». Ob eine solche kommunale Bestimmung, die faktisch den Bau von Windenergieanlagen verhindern würde, rechtlich überhaupt Bestand hätte, ist sehr zweifelhaft.
Wald will aktiv werden
Dem Walder Gemeindepräsidenten Ernst Kocher (SVP) war vor Kurzem bekannt geworden, dass der Bachtel voraussichtlich aus dem Katalog gestrichen wird. «Gerade das Bachtelgebiet ist im Zusammenhang mit der Windenergie immer ein Reizthema gewesen. Windräder wären in krassem Widerspruch zu den strengen Schutzauflagen gestanden.»
Nachdem sich die Exekutive an der Gemeindeversammlung von letzter Woche erfolgreich gegen eine Initiative gewehrt hatte, die einen Mindestabstand zu Windrädern forderte, freut es Kocher jetzt, dass der Batzberg als Eignungsgebiet festgesetzt werden soll. «Dort könnten wir über unser Walder Elektrizitätswerk einen Teil zu unserer eigenen Energieversorgung beitragen.»
Das grosse Aufatmen
«Für die Gemeinde Weisslingen ist heute ein guter Tag», stellt Gemeindepräsident Pascal Martin (SVP) klar. Er selbst sei zwar überrascht gewesen, dass das Gebiet Furtbühl nun komplett gestrichen worden sei. «Persönlich hat mich das aber sehr gefreut.»
Gleichzeitig kritisiert er das Vorgehen des Kantons. Nun heisse es, dass das Gebiet wegen eines Konflikts mit der Aviatik gestrichen worden sei. Dabei sei schon längst klar gewesen, dass hier Fluglinien durchführten. «Hätten sie das früher gemerkt und das Gebiet gar nicht erst als Potenzialgebiet aufgeführt, hätte das hier viel Ärger und Nerven erspart», betont Martin. «Das Thema Windkraft ist in Weisslingen nun jedenfalls gegessen.»
Vorsicht in Russikon
Nicht ganz Entwarnung gibt der Russiker Gemeindepräsident Philip Hirsiger (parteilos). Zwar sei im Gemeinderat Erleichterung darüber spürbar, dass zwei von drei möglichen Standorten nun weggefallen seien. «Doch wir geniessen das noch mit Vorsicht. Denn es ist schwierig einzuschätzen, was der Status ‹Zwischenergebnis› für das Gebiet Hermatswil heisst.»
Neben dem Konflikt mit der Aviatik gebe es aus Sicht der Gemeinde weitere Gründe, die gegen eine Nutzung von Windenergie sprächen. Noch gebe es von der Gemeinde her keine konkreten Schritte zum weiteren Vorgehen. «Wir haben bis im Oktober Zeit, um zu überlegen, welchen Weg wir einschlagen und ob wir uns zur Wehr setzen.» Da vom Gebiet Hermatswil drei weitere Gemeinden betroffen seien, werde man sich mit diesen kurzschliessen.
Kampf soll weitergehen
Vorerst erleichtert zeigt sich auch Pierre-Yves Martin. Der Wildberger ist Vorstandsmitglied im Verein Freie Landschaft Zürich, der sich gegen die Windradpläne des Kantons einsetzt. «Ein grosser Teil der Windräder aus unserem Gebiet ist weg», freut er sich. Das Oberland bleibe grösstenteils verschont.
Doch der Kampf gegen die Windkraftanlagen in der Region ist damit nicht vorbei. «Wir müssen weiterhin am Ball bleiben», betont Martin. Auch mit den verbleibenden Eignungsgebieten im Oberland stellt er den Nutzen der Windkraftanlagen infrage. Er ist überzeugt: «Es ist reine Symbolpolitik, die viel schadet, aber fast nichts bringt.»