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Der Kezo-Neubau verzögert sich – und das Volk muss zweimal Ja sagen

Die neue Kezo soll kein Prunkbau werden, aber trotzdem schön. Das ist aber nicht der einzige Grund, wieso es länger dauert, bis der Neubau steht.

Die Kezo prägt bereits heute das Ortsbild. An den Neubau stellen die Verantwortlichen nun ebenfalls Anforderungen in Bezug auf die architektonische Qualität. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Der Kezo-Neubau verzögert sich – und das Volk muss zweimal Ja sagen

Abstimmung im November

Die Abstimmung über das Kezo-Projekt erfolgt in zwei Schritten. Die Lieferung von Wärme soll das aber nicht hinausschieben. Dafür muss ein anderes Vorhaben warten.

Die Kezo in Hinwil ist in die Jahre gekommen. Seit über 50 Jahren ist die Kehrichtverwertungsanlage in Betrieb. Eigentlich hätte in vier Jahren der Neubau stehen sollen, das Vorhaben verspätet sich aber um zwei Jahre. Aus dem Projekt «Kezo 2028» wird 2030.

Aber nicht nur bei der Planung des Projekts haben die Verantwortlichen andere Wege eingeschlagen. Auch bei der Mitbestimmung der Bevölkerung gibt es Anpassungen. Ursprünglich war geplant, die Mittel für die Planung und die Realisierung in einem einzigen Kredit zu beantragen.

Nun dürfen die Stimmberechtigten in den 36 Zweckverbandsgemeinden der Kezo in einem ersten Schritt nur über den Planungskredit in Höhe von 24,5 Millionen Franken abstimmen. Dieser deckt sämtliche anfallenden Planungskosten ab.

Diese Gemeinden stimmen ab

Die Kezo gehört dem Zweckverband Kehrichtverwertung Zürcher Oberland. Aus der Region gehören folgende Gemeinden dem Verband an: Bäretswil, Bauma, Bubikon, Dürnten, Egg, Fehraltorf, Fischenthal, Gossau, Greifensee, Grüningen, Hinwil, Hittnau, Illnau-Effretikon, Maur, Mönchaltorf, Pfäffikon, Russikon, Rüti, Seegräben, Uster, Volketswil, Wald, Weisslingen und Wetzikon. Dort dürfen die Stimmberechtigten im November über den Kredit befinden.

In einem zweiten Schritt kommt dann der Ausführungskredit an die Urne. Aktuell geht die Kezo von Gesamtausgaben von rund 350 Millionen Franken aus.

Das zweistufige Verfahren bietet viele Vorteile. Davon ist Gesamtprojektleiter Steffen Schrodt überzeugt. «Wenn der zweite Kredit an die Urne kommt, haben wir genauere Informationen über die Baukosten», betont er. Zudem sei das Projekt ausgereift. Aktuell gehen die Verantwortlichen davon aus, dass der zweite Kredit Mitte 2027 an die Urne kommt.

«Ein komplexes Generationenprojekt»

Die Eröffnung der neuen Anlage ist dann im zweiten Halbjahr 2030 vorgesehen. Die Kezo begründet die Verzögerung beim Bauprojekt unter anderem mit einer intensiveren Zusammenarbeit mit den Behörden.

«Viel Zeit in Anspruch nimmt die künftige Gestaltung des Areals», sagt Schrodt. Denn damit der Bau der neuen Anlage möglich ist, muss die Kezo einen privaten Gestaltungsplan ausarbeiten.

Man sieht einen Plan mit dem Neubauprojekt der Kezo.
Hier ist der Neubau der Kezo geplant.

Dieser erlaubt es ihr, in bestimmten Fällen von den Regeln in der Bau- und Zonenordnung abzuweichen und das Grossprojekt zu realisieren. Der Plan bedarf aber der Zustimmung der Hinwiler Gemeindeversammlung. Voraussichtlich Ende 2026 oder Anfang 2027 wird das Geschäft traktandiert.

«Es handelt sich beim Neubau der Kezo um ein komplexes Generationenprojekt», sagt Schrodt. «Wir arbeiten deshalb vor allem mit der Gemeinde Hinwil eng zusammen, aber auch mit dem Kanton.»

Inputs aus der Bevölkerung

Im Moment werden zwei Varianten für den Ersatzneubau erarbeitet. Das Siegerprojekt wird Anfang nächstes Jahr gekürt. Damit wollen die Verantwortlichen eine «hohe städtebauliche Qualität» erreichen, wie sie mitteilen.

Muss der Kezo-Neubau also ein architektonisches Meisterwerk werden? Der Projektleiter verneint. «Wir möchten für den Ersatzneubau eine gute und verträgliche Architektur, die sich ins Ortsbild gut eingliedert.» Er nennt hierzu das Wort vernünftig. «Die beste Lösung muss aber nicht unbedingt die teuerste sein.»

Die Kezo will deshalb auch die Bevölkerung in Form einer Resonanzgruppe einbeziehen. Schrodt hofft auf wichtige Inputs. «Wir Ingenieure fokussieren uns auf die Technik», sagt der Projektleiter.

Es ist den Verantwortlichen aber ein Anliegen, die Bedürfnisse anderer Anspruchsgruppen wie der Nachbarschaft, der Gemeinde und von Nichtregierungsorganisationen abzuholen. Beispielsweise, wenn es um die Gestaltung der Umgebung und der Grünflächen geht.

Fernwärme nicht blockiert

Die Verzögerungen sollen aber keinen Einfluss auf die geplanten Fernwärmeprojekte haben. Die Delegierten der Zweckverbandsgemeinden haben dafür einen Kredit von 1,5 Millionen Franken für die Erweiterung der bestehenden Lieferleitung verabschiedet.

Dieser Schritt sei wichtig, betont Kezo-Projektleiter Steffen Schrodt. Der Auf- und Ausbau der geplanten Netze ist damit unabhängig vom Neubau möglich. «Damit mögliche Kunden nicht auf andere Energiequellen wie beispielsweise eine Wärmepumpe umsteigen, muss das Netz so schnell wie möglich gebaut werden.»

Die Stadt Wetzikon hat mit der Erstellung ihres Fernwärmenetzes bereits begonnen. Im Herbst soll der Bau der Verbindungsleitung von der Kezo in die Stadt erfolgen. Erste Wärmelieferungen sind für 2025 vorgesehen.

Im Süden will die Energie Zürichsee Linth (EZL) ein Fernwärmenetz bis nach Rapperswil-Jona aufbauen. «Unsere Planungsarbeiten für die Transportleitung gehen unverändert voran», sagt CEO Ernst Uhler. Ebenfalls arbeitet die EZL an der Planung der lokalen Verteilnetze. Uhler rechnet 2027/2028 mit ersten Wärmelieferungen ab der Kezo.

Das bestehende Fernwärmenetz in Hinwil hat der Energieversorger bereits im April übernommen und plant, dieses weiter auszubauen.

Noch nicht CO₂-neutral

Während die Arbeiten für die nachhaltige Wärmeversorgung voranschreiten, muss die Kezo hingegen ein anderes Umweltprojekt verschieben. Jährlich fallen bei der Verbrennung des Abfalls rund 120’000 Tonnen Kohlenstoffdioxid an.

Die Kezo will diese künftig direkt im Kamin abscheiden und somit der Umwelt entziehen. Das schädliche Treibhausgas soll dann gespeichert werden, beispielsweise am Meeresgrund.

Doch die Technologie ist noch nicht genügend ausgereift. Das Vorhaben soll deshalb nachgelagert zum Neubau umgesetzt werden.

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