Parteien setzen Schulpflege in Pfäffikon unter Druck
Eklat um schwulen Lehrer
Nächste Woche steht die Pfäffiker Gemeindeversammlung an. Die Vorfälle im Schulhaus Obermatt werden Thema sein. Die meisten Ortsparteien wünschen sich Transparenz – nur eine bleibt zurückhaltend.
Die Vorfälle im Schulhaus Obermatt in Pfäffikon geben auch den Ortsparteien keine Ruhe. Ein schwuler Primarlehrer ist dort ins Visier wertkonservativer Eltern geraten. Als Anlass für Vorwürfe nahmen sie den Sexualkundeunterricht in der 5. Klasse. Zunächst stellte sich die Schulleitung hinter den Lehrer, dann forcierte sie im Februar seinen Abgang.
Kurz nachdem wir Mitte April den Fall publik gemacht hatten, forderten alle Pfäffiker Parteien geschlossen Aufklärung und Transparenz. Im Anschluss hat die Schulpflege erstmals öffentlich Fehler zugegeben und eine Aufarbeitung in Aussicht gestellt.
Letzten Donnerstag haben Eltern dann einen offenen Brief publiziert – darin forderten sie den Rücktritt des Schulpräsidenten Hanspeter Hugentobler (EVP), des Leiters Bildung Matthias Weckemann sowie der zuständigen Schulleiterin.
Noch gleichentags verkündete Hugentobler seinen Rücktritt – offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Vizepräsident Roger Klos (SVP) muss vorderhand dessen Aufgaben übernehmen.
Doch über seinen Rücktritt muss der Bezirksrat entscheiden: «Das Entlassungsgesuch von Hanspeter Hugentobler ist beim Bezirksrat Pfäffikon bereits eingegangen», sagt Bezirksratsschreiberin Karin Weyermann. Im Moment kann die Schulpflege Pfäffikon eine Stellungnahme einreichen. Anschliessend wird der Bezirksrat Pfäffikon zeitnah entscheiden. «Mit einem Entscheid ist somit bis Ende Juni 2024 zu rechnen», erklärt Weyermann. Im Anschluss kann der Gemeinderat die Ersatzwahl anordnen. (bes)
Nicht mehr alle an einem Strick
So geeint wie im April sind die Pfäffiker Ortsparteien in der Zwischenzeit nicht mehr – und gehen unterschiedliche Wege. So haben SVP, SP und GLP gemeinsam eine Anfrage für die nächste Gemeindeversammlung am 10. Juni eingereicht.
«Nach wie vor sind die wichtigsten Fragen zu diesem Vorfall noch offen», schreiben die drei Parteien in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der Fokus der Anfrage liegt dabei auf den Empfehlungen des Volksschulamts, der Rolle des Schulpräsidenten als obersten Personalverantwortlichen, dem Informationsverhalten und dem Krisenmanagement. Ebenso wollen sie Antworten zu den Lehren und Konsequenzen, die bereits aus dem Fall gezogen werden können, und zu den Kostenfolgen.
«Wir sind der Ansicht, dass die Bevölkerung von Pfäffikon noch vor Abschluss der Untersuchungen das Recht auf genauere Informationen hat, wie es zu diesen Vorfällen kommen konnte und was nun verändert wird», schreiben die Parteien. Nur so könne Vermutungen, Gerüchten und Vorverurteilungen wirkungsvoll und glaubhaft entgegengetreten und das Vertrauen in die Schule wiederhergestellt werden.
Die Frage nach der persönlichen Verantwortung für diese Krise sei auch nach dem Rücktritt von Hanspeter Hugentobler noch nicht beantwortet. Zudem fragen sich die Parteien, wieso der Gemeinderat inklusive Präsident noch nicht öffentlich aktiv wurde.
In ihrem Schreiben kritisieren SVP, SP und GLP unter anderem, dass die Schulpflege bereits vor dem Vorliegen der angekündigten Untersuchung personelle Konsequenzen ausschliesst.
Keine Auskunft von der EVP
Auch die FDP fordert mehr Transparenz. «Nach Meinung der FDP hat die Schule bisher öffentlich nur sehr zögerlich auf die Vorfälle reagiert und lässt damit viel Raum für immer wieder aufflammende Diskussionen», schreiben die Freisinnigen in einer Mitteilung.
Die Gemeindeversammlung sei eine grosse Chance, um das Vertrauen wieder aufzubauen. Die FDP hat deshalb den Gemeinderat schriftlich aufgefordert, dass der Schulpflegepräsident an der Versammlung über die Vorfälle, die Massnahmen sowie das zurückhaltende Verhalten der Führung möglichst tief und umfassend zu informieren hat. Nach dem Rücktritt von Hanspeter Hugentobler stehe nun die gesamte Schulpflege in der Pflicht, Auskunft zu geben.
Informationen wollen auch die Pfäffiker Grünen. «Es ist in unseren Augen wichtig, dass die Schulpflege vor oder nach der Gemeindeversammlung transparent informiert», sagt Ortsparteipräsident Pirmin Knecht.
Eine offizielle Anfrage hat die Partei zwar nicht eingereicht. «Wir fordern aber, dass der Vizepräsident hinsteht und erzählt, was man in den letzten Wochen gemacht hat und welche Massnahmen man ergreifen will.» Das sei wichtig, damit die Schule das Vertrauen zurückgewinnen könne.
Vergleichsweise zurückhaltend zeigt sich die EVP, die Partei des scheidenden Schulpräsidenten Hanspeter Hugentobler. Die Situation habe sich am Donnerstag verändert, sagt Präsidentin Ursula Longatti. Aktuell könne man deshalb keine Auskünfte geben: «Diese Woche findet aber noch eine Vorstandssitzung statt.»
